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Windows Live® Suchergebnisse AltweltgeierEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Altweltgeier, Unterfamilie der Habichtartigen mit rund 15 Arten vorwiegend Aas fressender, adlerähnlicher Greifvögel, in Eurasien und Afrika verbreitet. Die amerikanischen Neuweltgeier ähneln den Altweltgeiern zwar in Aussehen und Lebensweise, sie bilden aber eine Familie der Stelzvögel und gehören damit zur Verwandtschaft der Störche. Die Ähnlichkeiten zwischen Altweltgeiern und Neuweltgeiern beruhen auf Konvergenz (Parallelentwicklung im Lauf der Evolution): Beide Gruppen haben in ihren Lebensräumen ähnliche ökologische Nischen gebildet und weisen gleiche Anpassungen auf. Altweltgeier unterscheiden sich von Neuweltgeiern u. a. dadurch, dass ihre Nasenlöcher durch eine Scheidewand voneinander getrennt sind; außerdem besitzen Altweltgeier eine Syrinx (ein Organ zur Stimmbildung).
Altweltgeier haben zumeist breite Flügel, die ihnen ausgedehnte Segelflüge ermöglichen, und einen kurzen Schwanz. Zum Ausweiden großer Tierkadaver besitzen sie einen gekrümmten Schnabel, ihr Kopf ist zumeist ganz oder teilweise ungefiedert. Die kräftigen Füße sind gut zum Laufen, aber kaum zum Ergreifen lebender Beute geeignet. Altweltgeier ernähren sich weitgehend von Aas und greifen nur selten Tiere an. Bei der Nahrungssuche orientieren sie sich optisch: Sie versuchen, aus großer Höhe Beute zu erspähen und andere Aas fressende Vögel (etwa Rabenvögel) am Fraßplatz aufzuspüren. Altweltgeier bauen ihre Horste in Felsnischen oder Bäumen; das Gelege umfasst ein bis drei Eier, die anderthalb bis zwei Monate bebrütet werden. Die Jungen verlassen mit zweieinhalb bis viereinhalb Monaten das Nest.
In Südeuropa sind Bartgeier, Schmutzgeier, Mönchsgeier und Gänsegeier verbreitet. Der an Kopf und Hals gefiederte Bartgeier erreicht eine Körperlänge von maximal 110 Zentimetern; er brütet an Steilhängen. Der Bartgeier ist aufgrund intensiver Verfolgung (bis ins 20. Jahrhundert hinein) und durch Nahrungsmangel aus weiten Teilen Europas verschwunden. In den Alpen laufen Wiedereinbürgerungsprojekte. Der Schmutzgeier wird nur bis zu 70 Zentimeter groß, im Flug ist er leicht mit einem Weißstorch zu verwechseln. Der Allesfresser frisst auch Insekten, Eier und Vogeljunge; in Afrika öffnet er Straußeneier, indem er deren Schale mit einem Stein zertrümmert (siehe Werkzeuggebrauch). Der Mönchsgeier erreicht eine Körperlänge von 110 Zentimetern und eine Flügelspannweite von nahezu drei Metern; er brütet in Baumhorsten. Diese Art ist aus Europa fast vollständig verschwunden, nur in Spanien gibt es noch eine größere Zahl an Brutpaaren. Der Gänsegeier wird bis zu 105 Zentimeter groß, er ist im Sommer regelmäßig auch in Österreich anzutreffen. Drei auf dem indischen Subkontinent lebende Geierarten sind akut vom Aussterben bedroht: Bengalgeier, Indischer Geier und Schmalschnabelgeier. Bestandserhebungen in Indien, Pakistan und Nepal ergaben seit den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts Rückgänge dieser Arten um mehr als 95 Prozent – das Überleben der Arten ist fraglich. Hauptursache der Rückgänge ist die Behandlung von Vieh mit dem entzündungshemmenden Medikament Diclofenac: Die Geier vergiften sich an Viehkadavern mit diesem Wirkstoff und sterben an Nierenversagen. Nach Aussage der indischen Regierung 2005 soll in der Veterinärmedizin künftig auf Diclofenac verzichtet werden. Auch die Bestände westafrikanischer Geierarten sind rückläufig. Als Ursachen gelten hier die direkte Verfolgung und der Mangel an Aas durch Rückgang größerer Säugetiere (aufgrund von Lebensraumzerstörung und Bejagung).
Altweltgeier bilden die Unterfamilie Aegypiinae der Familie Accipitridae. Die wissenschaftliche Bezeichnung des Bartgeiers lautet Gypaetus barbatus, der Schmutzgeier heißt Neophron percnopterus, der Mönchsgeier Aegypius monachus, der Gänsegeier Gyps fulvus, der Bengalgeier Gyps bengalensis, der Indische Geier Gyps indicus und der Schmalschnabelgeier Gyps tenuirostris.
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