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KolumbienEnzyklopädieartikel
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Mit seinen Kohle-, Erdgas- und Erdölvorkommen ist Kolumbien Selbstversorger. Das Land verfügt über mehrere Wasserkraftwerke, die 75,5 Prozent der Elektrizität des Landes erzeugen.
Archäologische Funde in Kolumbien lassen darauf schließen, dass das Land bereits um 3000 v. Chr. besiedelt war. Überreste einer der faszinierendsten Kulturen der westlichen Welt sind in San Augustín nahe der Quelle des Río Magdalena in den kolumbianischen Anden gefunden worden. Bisher ist nur wenig bekannt über die Schöpfer dieser steinernen Statuen und Reliefs, Grabmäler und Kapellen. Auch über die Datierung ihrer Blütezeit sind sich die Historiker noch nicht schlüssig. Nach heutigen Schätzungen lagen die Anfänge von San Augustín in den letzten fünf Jahrhunderten v. Chr. Die Fundorte (in Höhlen und auf Hügeln) weisen auf rituelle Bedeutung hin. Besonders auffällig ist die Statue eines Vogels, der eine Schlange im Schnabel hält – offenbar ein Fruchtbarkeitssymbol – und Ähnlichkeit mit dem Emblem der Azteken aufweist.
Vor der Ankunft der Spanier waren weite Teile Kolumbiens am Oberlauf des Río Magdalena von den Muisca (Chibcha) besiedelt (um 1200 bis 1540). Sie waren geschickte Ackerbauern, ihre Kultur hatte Ähnlichkeit mit derjenigen der Inka. Die nordkolumbianische Küste wurde 1499 durch Amerigo Vespucci und Alonso de Ojeda entdeckt. Auf seiner letzten Reise in die Neue Welt im Jahr 1502 erkundete Christoph Kolumbus einen Teil der karibischen Küste des Reiches der Muisca, die nun die Nordküste Kolumbiens bildet. Nach ihm kamen spanische Konquistadoren, die die Muisca unterwarfen und 1510 in Darién die erste feste europäische Siedlung auf dem amerikanischen Festland gründeten; 1525 folgte die Siedlung Santa Marta. Mit der Gründung von Villa de la Santa Fé de Bogotá im Jahr 1538 war die Eroberung Kolumbiens durch den Spanier Gonzalo Jiménez de Quesada abgeschlossen. 1549 wurde das frühere Reich der Muisca dem Generalkapitanat Neugranada unterstellt. Zwischen 1717 und 1739 wurden das Generalkapitanat Neugranada und die Gebiete, aus denen später Ecuador, Venezuela und Panamá hervorgingen, zum Vizekönigreich Neugranada zusammengefasst. Die stagnierende wirtschaftliche Entwicklung und die Diskriminierung der in Neugranada geborenen Bürger führten zum Widerstand gegen die spanische Herrschaft. Nach dem Vorbild der erfolgreichen Revolutionen in Frankreich und in den Vereinigten Staaten im späten 18. Jahrhundert schloss sich die Bevölkerung von Neugranada der Unabhängigkeitsbewegung an, die Anfang des 19. Jahrhunderts das spanische Kolonialreich im Westen aus den Angeln hob.
Die Bildung einer Junta von Revolutionären mit Camilo Torres an der Spitze führte am 20. Juli 1810 zur Proklamation der Unabhängigkeit, die jedoch erst nach langjährigen Kämpfen verwirklicht werden konnte. In diesem Unabhängigkeitskrieg erwies sich Simón Bolívar als herausragender Anführer und Feldherr. Nach seinem entscheidenden Sieg über die spanischen Royalisten in der Schlacht am Río Boyacá am 7. August 1819 gelang die Befreiung des ehemaligen Generalkapitanats Neugranada. Der Kongress von Angostura, der sich am 17. Dezember 1819 konstituierte, proklamierte den Staat Groß-Kolumbien, der das ehemalige Generalkapitanat Neugranada, das heutige Panamá sowie Venezuela und Ecuador umfasste. Der Kongress von Cúcuta verabschiedete am 30. August 1821 eine Verfassung für Groß-Kolumbien, die eine republikanische Staatsform für das Land vorsah. Bolívar wurde zum ersten Präsidenten gewählt. Innen- und außenpolitische Konflikte führten 1830 zum Zerfall von Groß-Kolumbien in Kolumbien, Venezuela und Ecuador. Die Geschichte des Landes ist seither von dem oft blutigen Kampf zwischen liberalen und konservativen Kräften um die Ausübung der politischen Macht gekennzeichnet. Bei der Auseinandersetzung um politische und soziale Fragen ging es oft auch um das Vermögen, den rechtlichen Status und die Privilegien der katholischen Kirche.
Die Sklaverei wurde 1851 bis 1852 abgeschafft. Eine neue, 1853 verabschiedete Verfassung garantierte ein Gerichtsverfahren vor unabhängigen Geschworenengerichten, Pressefreiheit und andere bürgerliche Rechte. 1853 kam es zur Trennung von Kirche und Staat. Fünf Jahre später wurden die Provinzen in Bundesstaaten umgewandelt, die bisherige Republik Neugranada wurde zur Granadinischen Konföderation. Im Jahr 1861 kam es zum Bürgerkrieg zwischen den Liberalen, die mehr Souveränität für die Bundesstaaten forderten, und den Konservativen, die für eine stärkere Zentralregierung eintraten. Nach dem Sieg der Liberalen wurde 1863 erneut die Verfassung geändert, die aus dem Land einen losen Bund von neuen souveränen Staaten mit dem Namen Vereinigte Staaten von Kolumbien machte. Von 1876 bis 1930 bestimmten die Konservativen die kolumbianische Politik. Ein Aufstand der Liberalen wurde 1885 niedergeschlagen. Mit einer neuen, 1886 proklamierten Verfassung wurden die souveränen Staaten, wie sie die Verfassung von 1863 ins Leben gerufen hatte, wieder abgeschafft und die Strukturen für das heutige Kolumbien gelegt. Auch der Name Republik Kolumbien ist seither offizieller Staatsname. Die katholische Kirche wurde zur Staatskirche erklärt. Erneut aufflammende Konflikte zwischen konservativen und liberalen Kräften mündeten in einen Bürgerkrieg (1899-1901), der als „Krieg der tausend Tage” bezeichnet wird und bei dem zwischen 60 000 und 130 000 Bürger ums Leben kamen.
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