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Windows Live® Suchergebnisse BlütenEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Blüten, sexuelle Fortpflanzungsorgane bedecktsamiger Pflanzen (Angiospermen), die Früchte mit Samen produzieren. Jede Blüte ist vom Bauprinzip her ein endständiger Spross, bei dem die sonst in regelmäßigen Abständen übereinander in Stockwerken angeordneten Blattorgane in Bruchteilen von Millimetern aufeinander folgen. Der Spross stellt sich also teleskopartig stark zusammengeschoben dar. Die Bestandteile einer Blüte, die leuchtenden Blütenblätter ebenso wie die unscheinbaren Fruchtblätter, sind im Lauf der Evolution umgewandelte Laubblätter. Nicht alle Samenpflanzen haben Blüten im eigentlichen Sinn. So bilden Nadelbäume holzige Zapfen, auf deren Schuppen sich die Samen offen entwickeln.
Vier Blattelemente finden sich in einer Blüte. Wenn man von außen in das Innere einer Blüte vordringt, so trifft man zunächst auf einen Kranz meist unscheinbarer grüner Blätter, die als Kelchblätter bezeichnet werden und eine Hüllfunktion haben. Weiter innen, theoretisch also in der nächsten Etage, befinden sich die meist zu Schauorganen ausgebildeten Blütenblätter, besser Kronblätter genannt, welche die Blütenkrone bilden. Darauf folgt der Kranz der Staubblätter oder Staubgefäße mit ihren Pollensäcken, die den zur Bestäubung und letztlich Befruchtung nötigen Pollen oder Blütenstaub enthalten. Ganz innen, quasi an der Spitze des gestauchten Sprosses, liegen die Fruchtblätter, die einzeln mit sich selbst oder mit den Nachbarfruchtblättern zu einem Fruchtknoten verwachsen sein können. Dieser besitzt oft einen verlängerten, dünnen Fortsatz, den Griffel, der am Ende die so genannte Narbe trägt, den „Landeplatz” für die Pollenkörner. Dieser ganze Apparat wird auch als Stempel bezeichnet. Im Inneren des Fruchtknotens befinden sich die Samenanlagen, deren Eizellen befruchtet werden müssen, damit sich Samen entwickeln können. All diese spezialisierten Blattorgane können am gestauchten Spross entweder in ganz klaren Ebenen angeordnet sein oder aber sich wie in einer Art von Wendeltreppe um die Sprossachse herum anordnen. Eine klare Stockwerksgliederung wird als wirtelige Anordnung bezeichnet; die spiralige Anordnung – einer Wendeltreppe gleich – heißt wechselständig. Die Art der Blattanordnung oder Blattstellung ist artspezifisch. Das männliche Element in der zwittrigen Blüte bildet die Gesamtheit der Staubblätter, die als Androeceum bezeichnet wird. Das entsprechende weibliche Element, der (oder die) Fruchtknoten, wird Gynoeceum genannt. Am Grund der Kronblätter liegen oftmals Drüsen, die Nektar absondern, einen Zuckersaft. Durch diesen werden Insekten angelockt, die bei der Nektarernte mit Blütenstaub bepudert werden, diesen beim Besuch der nächsten Blüte an der Narbe des Fruchtknotens abstreifen und damit den Befruchtungsprozess einleiten. Man teilt Blütenpflanzen in zwei Hauptgruppen ein: Dikotyle (Zweikeimblättrige) und Monokotyle (Einkeimblättrige). Bei den Dikotylen ist im Blütenbereich die Vierzahl oder Fünfzahl vorherrschend, d. h., die Blüten haben entweder je vier Kelch-, Kron-, Staub- und Fruchtblätter oder jeweils fünf. Bei den Monokotylen findet man in der Regel die Blattorgane in Dreiergruppen. Einzelne Etagen können auch doppelt ausgebildet sein, so dass man bei Dikotylen auch acht oder zehn Elemente (beispielsweise bei den Staubblättern) finden kann, wie auch sechs oder neun bei Monokotylen.
Die meisten bedecktsamigen Pflanzen weichen allerdings in manchen Punkten von dem oben beschriebenen Grundmuster ab. Blüten, die Kelchblätter, Kronblätter, Staubblätter und Fruchtblätter besitzen, werden als vollständig bezeichnet. Die ganze Blütenhülle aus Kelch- und Kronblättern, die auch Perianth genannt wird, hat allenfalls Schutz- oder Anlockfunktion und ist prinzipiell entbehrlich. Eine funktionsfähige Blüte muss nämlich nur eines der Fortpflanzungselemente besitzen, also entweder nur Fruchtblätter (dann ist es eine weibliche, eingeschlechtige Blüte) oder nur Staubblätter (dann ist es eine ebenfalls eingeschlechtige, männliche Blüte). Bei zweigeschlechtigen, zwittrigen Blüten, sind Staubblätter und Fruchtblätter (Fruchtknoten) in der Blüte vorhanden – ob mit oder ohne Perianth. Im Fall der eingeschlechtigen Blüten können diese auf derselben Pflanze vorkommen, die dann sowohl weibliche als auch männliche Blüten trägt. Solche Pflanzen, wie z. B. der Haselnuss-Strauch, werden als einhäusig oder monözisch bezeichnet. Sind die eingeschlechtigen Blüten aber streng auf verschiedene Individuen verteilt, so haben wir (wie bei der Brennnessel oder Dattelpalme) männliche und weibliche Pflanzen, die zweihäusig oder diözisch genannt werden. Hinsichtlich des Baues der Blüten gibt es praktisch keinerlei Beschränkungen. Nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten werden Blüten u. a. gern anhand ihrer Symmetrie charakterisiert. In vielen Blüten sind Kelch- und Blütenblätter sternförmig oder radiärsymmetrisch angeordnet. Bei bilateralsymmetrischen Blüten lässt sich jedoch nur eine Symmetrieachse durch den Bauplan der Blüte legen. Das ist beispielsweise bei den Schmetterlingsblütlern (siehe Hülsenfrüchtler) der Fall. So bestehen die fünf Blütenblätter von Bohnen oder Erbsen aus einer großen, auffälligen Fahne (oberstes Kronblatt), zwei kleinen flügelähnlichen seitlichen Kronblättern (Flügel), und unten befindet sich das aus zwei Kronblättern verwachsene, so genannte Schiffchen, das auch die Staubblätter und den Stempel umgibt. Den aufwendigsten Blütenbau findet man wohl bei den Orchideen. Was sich bei ihnen auf den ersten Blick als Chaos darstellt, erweist sich bei genauer Betrachtung als klare, wenn auch sehr „barocke” Gliederung nach dem dreizähligen Muster des Blütenaufbaus der monokotylen Pflanzen. Die verschiedenen Elemente einer Blüte variieren in ihrer vertikalen Positionierung. Bei einer hypogynen Blüte sind Perianth und Staubblätter in der Blüte tiefer als der weibliche Fruchtknoten angelegt; in diesem Fall spricht man von einer Blüte mit oberständigem Fruchtknoten. Bei perigynen Blüten (mit mittelständigem Fruchtknoten) ist der becherförmige Blütenboden nicht mit den Fruchtblättern verwachsen. Dies ist eine Übergangsform zwischen hypogynen und epigynen Blüten. Bei epigynen Blüten (mit unterständigem Fruchtknoten) befindet sich die Blütenhülle über dem Fruchtknoten, der damit tief in die Blüte und den Blütenboden eingesenkt ist; ein Beispiel ist die Blüte des Apfels oder der Rosen.
Blüten sind nicht entstanden, um den Menschen zu erfreuen: Sie sind hoch entwickelte Nutzorgane, die der sexuellen Fortpflanzung dienen. Zu diesem Zweck muss eine Neukombination von Genen erfolgen, die durch die Übertragung von Pollen der einen Pflanze auf die Narbe einer anderen Pflanze derselben Art eingeleitet wird. Diese Übertragung des Pollens kann entweder durch Tiere erfolgen oder aber durch den Wind. Blüten, die unscheinbar aussehen, keinen Nektar produzieren und zudem sehr viel Pollen produzieren, sind meist windbestäubt, wie dies bei allen Gräsern, aber auch bei vielen unserer einheimischen Bäume der Fall ist. Ansprechend wirkende Blüten werden hingegen meist von Tieren bestäubt, wobei Bienen eine sehr wichtige Rolle spielen. Der zarte Blütenduft bringt die Insekten auf den richtigen Weg, die Farbe der Blütenblätter vermittelt dann noch einen optischen Reiz, der das Auffinden der Nektarquelle sichert. Nicht immer werden Insekten von lieblichen Düften angelockt. Schmeißfliegen sind auf Verwesungsgeruch programmiert. Deshalb entwickeln manche Aronstabgewächse extrem üble Gerüche. Auch die größte Blüte der Welt mit einem Durchmesser von über einem Meter, hellrot mit braunen Flecken, die von der Schmarotzerpflanze Rafflesia im Regenwald von Sumatra gebildet wird, strömt einen Aasgeruch aus, mit dem sie ihre Bestäuber anlockt. Bei zwittrigen Blüten, die sowohl Staubblätter als auch einen Fruchtknoten haben, besteht die latente Gefahr der Selbstbestäubung. Hier gibt es die Möglichkeit, dass der eigene Pollen für eine Selbstbestäubung nicht geeignet ist, was fachsprachlich als selfincompatibility bezeichnet wird. Das einfachere System, das bei den durchweg zwittrigen Blüten unserer Obstbäume vorkommt, ist die unterschiedliche Reifezeit der Pollen sowie der Eizelle im Fruchtknoten, so dass zu einer Zeit entweder Pollen oder eine befruchtungsfähige Eizelle zur Verfügung stehen. Rote und oft sehr große Blüten, die man häufiger in wärmeren Zonen antrifft, werden oft von Vögeln wie Nektarvögeln oder Kolibris bestäubt. Diese Blüten sind geruchlos, da die Vögel in erster Linie von der roten Farbe angelockt werden (siehe Ornithophilie). Zu den Tieren, die Pollen übertragen, zählen auch Fledermäuse, aber auch Ratten und sogar Schnecken. Nur wenige Blüten sind Einzelblüten; häufiger findet man Blüten zu Blütenständen zusammengefasst. Den größten Blütenstand hat die Titanenwurz: Deren Einzelblüten sind zwar winzig, der Kolben genannte Blütenstand kann aber über zwei Meter hoch werden. Ein interessanter, häufig missgedeuteter Blütenstand ist für Korbblütler charakteristisch. Sonnenblumen, Margariten oder Gänseblümchen scheinen Einzelblüten zu haben: In Wirklichkeit handelt es sich aber um einen Blütenstand, der als Korb oder Köpfchen bezeichnet wird. Auf dem scheibenartigen Blütenboden der Sonnenblume stehen Hunderte einzelner kleiner Blüten, deren Kronblätter jeweils zu einer dünnen Röhre verwachsen sind. Am Rand dieses großen, tellerartigen Blütenbodens liegen spezialisierte Blüten, die eines oder mehrere ihrer verwachsenen Kronblätter zu einer großen gelben Fahne ausgebildet haben. Man nennt diese auch Zungenblüten, im Gegensatz zu den Röhrenblüten in der Tellermitte. Ist die Sonnenblume verblüht und die Früchte, die Sonnenblumenkerne, haben sich ausgebildet, dann ist die Situation wesentlich übersichtlicher, denn jeder Kern entspricht einer Blüte, deren Blüten- und Staubblätter längst abgefallen sind.
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