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Windows Live® Suchergebnisse Angelsächsische Kunst und ArchitekturEnzyklopädieartikel
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Angelsächsische Kunst und Architektur, die Kunst und Architektur der Angelsachsen, die im 5. Jahrhundert n. Chr. England besiedelten und bis zur Eroberung durch die Normannen 1066 n. Chr. dort herrschten. Ab 597 wurde England durch Augustinus von Canterbury missioniert, weshalb ein Großteil der Kunst christlich ist (christliche Kunst). Auch nach 1066 beeinflusste die angelsächsische Tradition die romanische Kunst und Architektur bis ins 12. Jahrhundert hinein nachhaltig. Oft ist nur schwer festzustellen, ob bestimmte Werke aus der Zeit vor oder nach der Eroberung stammen und ob sie von Engländern oder von Normannen geschaffen wurden. Das berühmteste Kunstwerk, das mit der Eroberung in Zusammenhang steht, ist der 70 Meter lange und einen halben Meter breite Wandteppich von Bayeux (Musée de la Tapisserie, Bayeux), den Szenen der Überfahrt des Normannenkönigs Wilhelm des Eroberers schmücken; er wurde vermutlich für den Bischof Odo von Bayeux, einem Bruder des Königs, hergestellt. Von der angelsächsischen Architektur haben sich nur wenige Zeugnisse erhalten. Die Innenräume der Kirchen waren vermutlich farbig ausgestaltet. Doch sind keine Wandgemälde der Frühzeit und nur wenige Stoffrudimente überliefert, oft aus mit Gold durchwirkter Seide, die als Altarschmuck dienten. Zahlreiche Objekte aus Gold und Silber fielen Plünderungen durch die Wikinger zum Opfer. Aus schriftlichen Dokumenten lässt sich schließen, dass die Angelsachsen Silberarbeiten größten Wert zumaßen. Einige Künstler signierten ihre Arbeiten. Früheste Beispiele angelsächsischer Kunst wurden 1939 in einer Schiffsbegräbnisstätte bei Sutton Hoo in Suffolk gefunden. Dazu gehören goldener Schmuck, granatbesetzte Schwertscheiden, ein Geldbeutel, eine Spange und Schulterschnallen. Wahrscheinlich wurden sie von Raedwald, dem König der Ostangeln, der um 625 starb, in Auftrag gegeben. Damals bestand England aus einer Anzahl kleiner Königreiche, unter denen das im Norden gelegene Northumbrien zunächst die künstlerische Führungsrolle übernahm. Gegen Ende des 8. Jahrhunderts begannen die Wikinger, denen später die Dänen folgten, England zu erobern, was sich auch in der künstlerischen Entwicklung niederschlug. Im 10. Jahrhundert herrschten die Nachfolger Alfreds des Großen, der von 871 bis 899 regiert und die Angelsachsen gegen die skandinavischen Invasoren angeführt hatte, als Könige von Wessex über England. Der Süden entwickelte sich zum künstlerischen und politischen Zentrum mit Winchester als Mittelpunkt. Diese Zeit gilt als das goldene Zeitalter angelsächsischer Kunst.
Im 7. und 8 Jahrhundert stellte offenbar Holz das bevorzugte Baumaterial der Angelsachsen dar. Im Epos Beowulf und den Schriften des Chronisten Brede aus dem 8. Jahrhundert ist festgehalten, dass die Herrscher jener Zeit in Holzbauten Hof hielten (bezeichnenderweise ist das angelsächsische Wort für bauen timbran: zimmern). Die wichtigsten Funde stammen aus Yeavering in Northumberland. Hier errichtete König Edwin im frühen 7. Jahrhundert einen Palast, dessen große Halle mehr als 20 Meter maß. Einer der Räume bot mit seinen konzentrisch auf ein kleines Podium hin ausgerichteten Bankreihen 300 Personen Platz. Vielleicht wurde er für staatliche oder religiöse Veranstaltungen genutzt. Von den Kirchenbauten blieb das neun Meter lange Hauptschiff von Saint Andrew in Greensted-Juxta-Ongar (Essex) erhalten, dessen Wände aus senkrecht angeordneten Eichenstämmen bestehen. Vermutlich wurde sie erbaut, um dem Begräbniszug König Edmunds auf seinem Weg nach Bury Saint Edmunds als Zwischenstation zu dienen. Eduard der Bekenner ließ kurz vor der normannischen Eroberung Westminster Abbey mit einer Länge von annähernd 100 Metern errichten, was bereits in etwa den heutigen Dimensionen der Kirche entspricht. Gewölbe des Baus blieben erhalten. Mit einer Gesamtlänge von etwa 45 Metern ist All Saints in Brixworth (Northamptonshire) aus dem 7. Jahrhundert die größte erhaltene angelsächsische Kirche. In ihrem Standardwerk Anglo-Saxon Architecture (1965-1978) nennen H. M. und J. Taylor mehr als 400 Kirchen in England sowie vier in Schottland und eine in Wales, die immer noch Spuren angelsächsischer Bausubstanz aufweisen. Eine auffällige Häufung findet sich in East Anglia und in der Gegend zwischen London und der Südküste, den Grafschaften Kent und Sussex. Die meisten Kirchen stammen aus der Zeit nach den skandinavischen Invasionen. Jedoch gibt es in der Grafschaft Kent zehn Kirchen, die im frühen 7. Jahrhundert vom heiligen Augustinus oder seinen Anhängern errichtet wurden. Diese besaßen keine Seitenschiffe, sondern seitliche, Portikus genannte Kammern. Das Hauptgebäude bestand aus Ziegelsteinen von zerstörten römischen Bauten. In der Regel waren die frühen, in Northumbrien gebauten Kirchen länger und schmaler als die Südenglands. Die schönste unter ihnen ist Saint John in Escomb (Grafschaft Durham) aus dem 7. Jahrhundert; sie ist eine der wenigen angelsächsischen Kirchen, die dem Wandel der Zeit relativ unverändert widerstanden. In der späteren Periode angelsächsischer Baukunst wurden die Kirchenbauten architektonisch komplexer. Hierzu gehörten die Einführung von Seitenschiffen und von Türmen. Der eindrucksvollste ist der von All Saints in Earls Barton (Northamptonshire), der um das Jahr 1000 entstand. Die verputzte Turmaußenseite ist mit dünnen Streifen und Steinbögen verziert. Wie viele bedeutende angelsächsische Kirchen war Saint Paul in Jarrow ursprünglich Teil eines Klosters. Sie wurde, ähnlich der nahe gelegenen Peterskirche in Wearmouth, vom heiligen Benedict Biscop vor 689 (seinem Todesjahr) eingeweiht. Zwei große Steingebäude von 15 Meter Länge dienten vermutlich als Refektorium und Gästehaus. Anscheinend hatten sie Bleidächer und feste Böden; ihre Fenster waren verglast – zu jener Zeit ein großer Luxus.
Nur wenige Überreste dokumentieren die Ausschmückungen angelsächsischer Kirchen. Ein wahrscheinlich aus dem 9. Jahrhundert stammendes Wandgemälde befindet sich im Stadtmuseum von Winchester. In angelsächsischen Kirchen gab es vereinzelt auch Glasmalerei: Ein Fenster in der Saint Pauls-Kirche in Jarrow (Grafschaft Durham) enthält aus Ausgrabungen stammendes Glas, das ein farbenprächtiges, abstraktes Muster aufweist. Aus der Zeit um 680 stammend, ist dies das wohl älteste bemalte Glas in Europa. Von den sakralen Gewändern und Altarbespannungen der angelsächsischen Kunst sind wegen der feuchten Witterung nur mehr wenige Exemplare erhalten, darunter drei Seidenfragmente, die 1685 aus dem Grab Edwards des Bekenners in der Abtei von Westminster entnommen wurden und sich heute im Victoria and Albert Museum in London befinden. Zu den bedeutenden sakralen Metallarbeiten gehört ein tragbarer Altar aus dem 11. Jahrhundert. Die Altartafel mit einer Kreuzigungsszene ist aus teurem, importiertem Porphyr, um den vier, mit Symbolen und Figuren verzierte Silberplatten einen Bogen bilden (heute Musée de Cluny, Paris).
Unter den Skulpturen sind eine überlebensgroße Kreuzigungsszene, die sich an der Außenwand der Abtei von Romsey (Hampshire) befindet, sowie die Darstellung zweier fliegender Engel über dem Chorbogen der Saint-Lawrence-Kirche in Bradford-on-Avon (Wiltshire) bedeutend. Neben Schnitzereien – zumeist Elfenbein- und Knochenschnitzereien – entstanden in angelsächsischer Zeit große Steinkreuze im Freien. Holzschnitzereien sind keine erhalten. Das Steinkreuz ist eine Skulpturform, die zu jener Zeit nur in Britannien und Irland zu finden war: Es markierte Orte der Andacht oder diente als Grabstein. Tausende dieser Kreuze und Teile von ihnen existieren noch heute; die meisten befinden sich im Norden Englands oder in Schottland, wo auch das bekannteste, das Kreuz von Ruthwell in Dumfriesshire, steht. Das Kreuz von Ruthwell ist etwa fünfeinhalb Meter hoch und zeigt Szenen aus dem Evangelium, Weinreben sowie Runenzeichen. Wahrscheinlich stammt es, wie auch das Kreuz bei Bewcastle in Cumberland, aus dem 8. Jahrhundert. Die Elfenbein- und Knochenschnitzerei diente im angelsächsischen England weltlichen und religiösen Zwecken. Weltliche Verwendungen waren u. a. Siegel, Schwertscheidenhalterungen, Schnallen und Trägerenden für Kleidungsstücke. Die eindrucksvollsten kirchlichen Gegenstände sind Altarkreuze, Buchdeckel und Monstranzen. Eines der berühmtesten Stücke ist Franks Casket (heute Britisches Museum, London), das Szenen der alten Geschichte, der nordischen Mythologie und der Bibel miteinander kombiniert. Benannt nach seinem früheren Besitzer Sir A. W. Franks, wird es etwa auf die Mitte des 7. Jahrhunderts datiert.
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