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Amerikanische Literatur

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Edgar Allan Poe: The RavenEdgar Allan Poe: The Raven
Artikelgliederung
1

Einleitung

Amerikanische Literatur, die Literatur der USA. Dazu gehören auch die vor der Gründung der Vereinigten Staaten in den 13 britischen Kolonien entstandenen literarischen Werke.

2

Kolonialzeit und Aufklärung

Als erste Zeugnisse der amerikanischen Literatur gelten Aufzeichnungen über Entdeckungen und Forschungsreisen in der Neuen Welt, die häufig episch breit angelegt waren und sich, ähnlich wie die etwa zur gleichen Zeit entstandenen Werke der Schriftsteller der Elisabethanischen Epoche innerhalb der englischen Literatur, durch einen prägnanten Stil auszeichnen. Diese Charakteristika finden sich auch in den Werken des aus England stammenden Forschers und Abenteurers John Smith, der als erster bedeutender Vertreter der amerikanischen Literatur gelten kann. Kennzeichnend für seine Schrift Generall Historie of Virginia, New-England, and the Summer Isles (1624) ist die außerordentlich lebendige Darstellungsweise, wie sie einem großen Teil der zu Zeiten der King James Bible verfassten englischen Erzählprosa eigen ist. Mit der zunehmend religiösen Ausrichtung der Literatur, die sich insbesondere in den Neuengland-Kolonien manifestierte, trat die Lebendigkeit des Erzählstils zurück. Jede Begebenheit wurde nach religiösen Gesichtspunkten interpretiert. Zu den bedeutenden Werken auf diesem Gebiet zählen die History of Plimmoth Plantation (verfasst etwa 1630-1651, posthum 1856 veröffentlicht) des Schriftstellers William Bradford, der viele Jahre lang Gouverneur der Kolonie in Plymouth war, sowie The History of New England (verfasst 1630-1649) von John Winthrop, dem ersten Gouverneur der Massachusetts-Bay-Kolonie; letzteres erschien in nahezu vollständiger Ausgabe erstmals 1853.

Eine monumentale Kirchengeschichte Neuenglands legte der puritanische Geistliche Cotton Mather mit Magnalia Christi Americana (1702) vor. Trotz gewisser Eigentümlichkeiten in stilistischer Hinsicht und im didaktischen Ansatz gilt die Abhandlung als Meisterwerk theologischen Wissens und Denkens und ist als Dokument der Gründerzeit von einigem Interesse. Mit über 400 Publikationen übertraf Cotton Mather die schriftstellerische Produktivität seines Vaters, des Geistlichen Increase Mather, um ein Vielfaches. Als Gegner des Puritanismus engagierte sich der aus England stammende Abenteurer Thomas Morton in The New English Canaan (1637). Von zeitgeschichtlichem Wert sind auch die Schilderungen der Indianerkriege und die damit verbundene Darstellung der problematischen Besiedlung des Landes. Zu den bedeutenden Werken in diesem Bereich zählen Berichte wie A Brief History of the Pequot War des englischen Siedlers John Mason, der 1736 von dem Historiker Thomas Prince herausgegeben wurde. Den wohl eindrucksvollsten Erlebnisbericht unter der Vielzahl von Publikationen über Siedler in indianischer Gefangenschaft verfasste Mary Rowlandson.

In der Frühzeit der kolonialen Phase Nordamerikas entstanden, hauptsächlich in Neuengland, zumeist religiöse Schriften. So war auch die erste in den Kolonien gedruckte Publikation ein Gesangbuch. Es erschien 1640 unter dem Titel The Whole Book of Psalmes Faithfully Translated into English Metre. Verfasser des auch als Bay Psalm Book bezeichneten Werkes waren drei Geistliche aus Neuengland, nämlich Richard Mather, John Eliot und Thomas Weld. Unter den Lyrikern der Kolonialzeit ragt vor allem Anne Bradstreet heraus. Ihre Gedichte erschienen erstmals unter dem Titel The Tenth Muse Lately Sprung Up in America (1650). Ebenfalls in dieser Epoche entstanden die Dichtungen Edward Taylors, dessen eindrucksvolle Sammlung Poetical Works erst 1939 veröffentlicht werden konnte, sowie die Sammlungen des Geistlichen Michael Wigglesworth, der in seiner damals äußerst populären und weit verbreiteten Dichtung The Day of Doom (1662) in balladeskem Ton apokalyptische Visionen aus puritanischer Sicht beschrieb.

Außerhalb Neuenglands war die Literatur der Kolonialzeit weniger stark religiös ausgerichtet. Dabei stand zumeist eine Beschreibung der eigenen Lebensumstände und eine Darstellung der Entwicklungsmöglichkeiten der Siedlungsgebiete im Zentrum des Interesses. Deutlich wird dies etwa in A Character of the Province of Maryland (1666) des Predigers George Alsop, das bereits satirisch-parodistische Züge trägt, und in der publizistischen Abhandlung A Brief Description of New York (1670) des Journalisten Daniel Denton. Weitere literarische Zeugnisse aus dieser Zeit stellte der Herausgeber Albert C. Myers in dem 1912 erschienenen Sammelband Narratives of Early Pennsylvania, Delaware, and West Jersey, 1630-1708 (1912) zusammen, einem wichtigen Dokument zur Zeitgeschichte.

Ab dem 18. Jahrhundert wurden die Inhalte literarischer Werke zunehmend weltlicher. Dennoch kam den Schriften des puritanischen Theologen Jonathan Edwards wesentliche Bedeutung zu. Bekannt wurde er durch seine Predigt Sinners in the Hands of an Angry God, die 1741 in gedruckter Form erschien. Um Klarheit und Präzision im Ausdruck bemühen sich vor allem seine philosophischen Betrachtungen A Faithful Narrative of the Surprising Work of God (1737) und Freedom of the Will (1754). Stellvertretend für die zunehmende Säkularisierungstendenz der amerikanischen Literatur, die mit der Epoche der Aufklärung einherging, stehen vor allem William Byrd und Benjamin Franklin, die das provinzielle Leben der Siedler beschrieben. Byrd, ein Plantagenbesitzer, trat zunächst als Autor des humoristischen Meisterwerks History of the Dividing Line (verfasst 1738, erstmals veröffentlicht 1841) in Erscheinung; seine aufschlussreichen Tagebuchaufzeichnungen erschienen erst 1941 bzw. 1942 als Secret Diary und Another Secret Diary . Sie sind dem ursprünglich ebenfalls nicht zur Veröffentlichung vorgesehenen Tagebuch des aus England stammenden Schriftstellers Samuel Pepys vergleichbar, der etwa um die gleiche Zeit lebte. Wesentlich bekannter als Byrd wurde Benjamin Franklin, dessen meisterhaft geschriebener, jedoch unvollendet gebliebener Autobiography (Autobiographie) bis heute große zeitgeschichtliche Bedeutung zukommt. Zu seinem Gesamtwerk zählen ferner Briefe, Satiren, so genannte Bagatellen, Almanache und wissenschaftliche Abhandlungen.

Als erstes literarisches Werk eines Afroamerikaners erschien 1746 das 28-zeilige Gedicht Bar’s Fight, August 28, 1746 von Lucy Terry. Danach trat Jupiter Hammon, der als Sklave in den Kolonien arbeiten musste, mit dem christlichen Erlösungshymnus An Evening Thought; Salvation by Christ, with Penitential Cries (1760) hervor. Die in Afrika geborene Lyrikerin Phillis Wheatley erlangte als erste afroamerikanische Schriftstellerin Anerkennung in der Öffentlichkeit: Sie diente lange Zeit als Haussklavin in Boston. Ihr Gedichtband Poems on Various Subjects: Religious and Moral (1773 in London erschienen) enthält hauptsächlich Dichtungen religiösen Inhalts.

3

Unabhängigkeitskrieg und 18. Jahrhundert

3.1

Revolutionszeit

Zwischen der Thronbesteigung König Georgs III. von England 1760 und der Schaffung einer amerikanischen Föderationsregierung 1789 leisteten amerikanische Gelehrte wesentliche Beiträge zur Geistesgeschichte des Landes. Zu den zentralen Werken dieser Epoche gehören die Schriften amerikanischer Politiker, die im Zuge der amerikanischen Revolution für eine Unabhängigkeit des Landes von britischer Vorherrschaft eintraten. Eine beeindruckende Sammlung dieser Zeugnisse wurde 1897 von dem Historiker Moses Coit Tyler in Literary History of the American Revolution zusammengestellt. Eine weitere Anthologie bedeutender Reden und politischer Schriften der Revolutionszeit erschien unter dem Titel The Federalist; hier sind die zwischen 1787 und 1788 von den Politikern John Jay, James Madison und Alexander Hamilton verfasste Schriften versammelt, deren überzeugtes Eintreten für die neue Verfassung der Vereinigten Staaten als eindrucksvolles Plädoyer für Selbstverwaltung und Demokratie betrachtet werden kann. Entscheidendes tat sich auf dem Gebiet der Presse. 1690 erschien in Boston die erste amerikanische Tageszeitung Public Occurrences; sie wurde jedoch sofort nach dem Erscheinen der Erstausgabe wieder verboten, da die Herausgeber keine Lizenz vorweisen konnten. 14 Jahre später gründete der Journalist John Campbell die Zeitung Boston News-Letter. Die ersten Zeitschriften des Landes erschienen 1741 in Philadelphia; damals gründete der Drucker Andrew Bradford das American Magazine. Benjamin Franklin brachte seinerseits im gleichen Jahr die erste Ausgabe seines General Magazine and Historical Chronicle heraus.

Obgleich sich die amerikanische Literatur im 18. Jahrhundert nicht zur vollen Blüte entwickeln konnte, erweiterte sich ihr Spektrum in Form und Inhalt wesentlich. Zur Zeit des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges profilierten sich gleich mehrere Schriftsteller. Zu ihnen gehörte der Publizist Thomas Paine, der mit seinen Flugschriften Common Sense (1776) und Crisis (zwölf Ausgaben, 1776-1783) die Autonomiebestrebungen der Kolonien unterstützte. In The Age of Reason (1794-1796, Das Zeitalter der Vernunft. Eine Untersuchung über wahre und märchenhafte Gottesvorstellungen) – eine Schrift, die in London gedruckt werden musste – übte Paine vom Standpunkt des toleranten Aufklärers Kritik sowohl am Christentum wie auch am Atheismus, wobei ersteres heftige Reaktionen von Seiten des amerikanischen Publikums nach sich zog. Äußerst stark rezipiert hingegen wurde die gegen England gerichtete Satire M’Fingal (1775-1782) des Rechtsgelehrten und Dichters John Trumbull. Politisch engagierte Lyrik schrieb auch der vielseitig interessierte Dichter Philip Morin Freneau, dessen allegorisches Gedicht The House of Night (1779) Merkmale der in der Romantik verbreiteten Schauerliteratur aufweist (siehe Schauerroman) und dessen Naturlyrik noch heute gelesen wird.

Mit The Interesting Narrative of the Life of Gustavus Vassa, the African wurde 1789 in London erstmals die anonym publizierte Lebensbeschreibung eines afroamerikanischen Autors veröffentlicht, die hinter der fiktiven Maske des Gustavus Vassa umfassend und realistisch das Leben eines Farbigen im 18. Jahrhundert der Kolonien dargestellt. Das Buch wird dem ehemaligen Sklaven Olaudah Equiano zugeschrieben, der sich freikaufte und anschließend in England niederließ, wo er sich gegen die Sklaverei engagierte.

3.2

Nachrevolutionäre Phase

Während der Präsidentschaft George Washingtons gehörte Hartford im Bundesstaat Connecticut zu den bedeutendsten literarischen Zentren der neuen Nation. In Hartford entstand als Zusammenschluss junger Schriftsteller der Kreis der so genannten Hartford Wits, dem der Geistliche Timothy Dwight sowie die Dichter John Trumbull und Joel Barlow angehörten. Von ihren zumeist schwer zugänglichen, zeitgebundenen und stilistisch teils schwerfälligen Dichtungen haben nur mehr einige der gelungeneren im Kanon ihren Platz gefunden. Wichtig hingegen für die Entwicklung der amerikanischen Literatur der Folgezeit war der Beginn der Romantradition. Zu den frühesten Zeugnissen dieser Gattung gehören das sentimental-empfindsame Buch The Power of Sympathy (1789) von William Hill Brown und der realistisch-satirische Schelmen- bzw. Abenteuerroman Modern Chivalry (1792-1815) des auch als Lyriker hervorgetretenen Autors Hugh Henry Brackenridge. Ein weiterer Vertreter der frühen amerikanischen Romanliteratur war ferner der Schriftsteller und Journalist Charles Brockden Brown, dessen Werke wie Wieland; or, The Transformation (1798, Wieland oder Die Verwandlung), Arthur Mervyn (1799-1800, Arthur Mervin oder Die Pest in Philadelphia) und Edgar Huntly (1799, Edgar Huntly oder Der Nachtwandler) auch in Europa ihre Leser fanden. Browns Bücher zählen zur Kategorie der Schauerromane; er arbeitete mit effektvollen Elementen, die Verfahren von Edgar Allan Poe und Nathaniel Hawthorne antizipierten.

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