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Artikelgliederung
Einleitung; Zum Begriff; Anfänge des Zeitungswesens; 18. bis 20. Jahrhundert; Wiederaufbau des Zeitungswesens nach 1945; Die deutsche Zeitungslandschaft
Zeitung (von mittelhochdeutsch zīdunge: Nachricht, Botschaft), Druckerzeugnis, das regelmäßig, erscheint (Periodizität), allgemein zugänglich ist (Publizität), jüngstes Gegenwartsgeschehen vermittelt (Aktualität) und sich nicht auf bestimmte Themengebiete beschränkt (Universalität). Sprachliche Darstellungsformen sind Meldungen, Berichte, Reportagen, Interviews, Glossen, Kommentare, Leitartikel und Kritiken; optische Medien sind Photographien, Graphiken und Karikaturen. Hauptziele der Zeitung sind Informationsvermittlung und Meinungsbildung. Damit hat sie eine wichtige kulturelle, politische und, als Werbeträger, ökonomische Funktion. Vertrieben werden Zeitungen im Einzelverkauf (vor allem Boulevardpresse) oder im Abonnement. Weltweit werden täglich rund 500 Millionen Tageszeitungsexemplare verbreitet.
Der mittelhochdeutsche Begriff zīdunge bedeutete Nachricht oder Botschaft. Bis ins 19. Jahrhundert gebrauchte man das Wort in diesem Sinn, erst im ausgehenden 17. Jahrhundert entwickelte sich das Wort zu dem heute gebräuchlichen Gattungsbegriff.
Bereits im Mittelalter gab es die mündlich oder schriftlich fixierte Nachrichtenübermittlung, etwa durch fahrende Spielleute oder in Kaufmannsbriefen. Technische Voraussetzung für die Entstehung von Zeitungen im heutigen Sinn war die Erfindung des Buchdruckes mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg um 1450 in Mainz. Direkte Vorläufer der Zeitung waren gedruckte Flugschriften, vor allem Einblattdrucke, auf denen Neuigkeiten angezeigt wurden, daher Newe (oder Neue) Zeitungen genannt. In Deutschland entstand auch die periodische Presse. Ab 1588 wurden anlässlich der Frühjahrs- und Herbstmessen, etwa in Köln, Newe Zeitungen zu so genannten Messrelationen zusammengefasst. Aus Rorschach am Bodensee ist die erste Monatsschrift bekannt; sie stammt aus dem Jahr 1597. Als erste moderne Zeitung gilt die ab 1605 wöchentlich in Straßburg erschienene Relation. Weitere frühe Zeitungsstädte waren Wolfenbüttel (1609), Basel (1610) und Berlin (1617). Außerhalb des deutschen Sprachraums erschienen Zeitungen z. B. 1621 in London, 1631 in Paris, 1643 in Italien und 1703 in Russland. Das erste täglich erscheinende Periodikum waren die 1650 in Leipzig herausgegebenen Einkommenden Zeitungen. Tageszeitungen blieben bis ins 19. Jahrhundert jedoch eine seltene Ausnahme. In Deutschland wurden im 17. Jahrhundert in etwa 70 Städten insgesamt 200, oft nur kurzlebige Zeitungsunternehmen gegründet; die durchschnittliche Auflage lag bei etwa 300 Exemplaren. Allerdings wurden durch gemeinschaftliche Rezeption (z. B. Vorlesen auf öffentlichen Plätzen) bereits mehrere Hunderttausend Menschen durch das Medium erreicht. Inhaltlich brachten die in der Regel sehr kleinformatigen Blätter eine weithin ungeordnete Zusammenstellung von Nachrichten über politische, insbesondere militärische Ereignisse, Unglücksfälle, Naturkatastrophen etc. Überschriften und Illustrationen fanden erst Ende des 19. Jahrhunderts verstärkt Eingang, Photographien erst nach 1920.
Im 18. Jahrhundert erlebte das Zeitungswesen einen deutlichen Aufschwung: Um 1800 erschienen im deutschsprachigen Raum rund 300 Zeitungen parallel. Mit 30 000 Exemplaren hatte der Hamburgische Unpartheyische Correspondent die höchste Auflage. Von Anfang an unterlag die Presse staatlicher Zensur, die nur gelegentlich, und allenfalls kurzfristig, gelockert wurde (so 1740 in Preußen, als Friedrich II. in seinem ersten Regierungsjahr die Berichterstattung über innenpolitische Themen freigab). Nicht zuletzt deshalb beschränkten sich die Zeitungen auf die unkommentierte Informationsvermittlung. Zur Unterhaltung oder als Forum wissenschaftlicher Dispute diente die in den letzten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts aufkommende Zeitschrift. Sie stieg zum bedeutendsten Medium des 18. Jahrhunderts auf. Die Französische Revolution von 1789 verstärkte auch in Deutschland den Ruf nach Pressefreiheit. Doch wurde die Zensur stattdessen verschärft. Einen Höhepunkt erreichte die Presseunterdrückung in der napoleonischen Zeit. Während und nach den Befreiungskriegen hatten die Zeitungen kurzzeitig einen größeren Freiraum, so dass sich eine politische Tagespresse entwickeln konnte. Ein Beispiel hierfür ist der von Joseph von Görres herausgegebene Rheinische Merkur (1814-1816). 1819 wurde im Deutschen Bund erneut ein strenges Überwachungssystem geschaffen. Die Märzrevolution von 1848 und die Paulskirchen-Verfassung, die die Pressefreiheit als Grundrecht formulierte, belebte das Pressewesen und führte zu zahlreichen Zeitungsneugründungen. Nach dem Scheitern der Revolution erlassene Landesgesetze machten dieser Entwicklung bald wieder ein Ende. Erst das Reichspressegesetz von 1874 schrieb die Pressefreiheit fest, die durch Sondergesetze jedoch eingeschränkt werden konnte. So knebelte das Sozialistengesetz (1878) die sozialdemokratische Presse bis 1890. Kennzeichnend für die Zeitungsentwicklung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Etablierung der Partei- und Gesinnungspresse sowie die Entwicklung einer Massenpresse; einzelne Zeitungen wie Le Petit Journal in Paris erreichten schon Millionenauflagen. Voraussetzungen dafür war u. a. der rasche Ausbau des Anzeigenwesens (in Preußen 1850 Aufhebung des staatlichen Anzeigenmonopols), durch den die Bezugspreise deutlich gesenkt werden konnten, die Entstehung von Nachrichtenagenturen, die Industrialisierung und Urbanisierung sowie Innovationen in der Satz- und Drucktechnik (Rotationsdruck ab 1872, Erfindung der Linotype-Setzmaschine 1884). Mit der Massenpresse entstanden auch Pressekonzerne, in Berlin die Zeitungshäuser Mosse, Ullstein und Scherl. Nach einer Phase erneuter Repression während des 1. Weltkrieges erlebte das deutsche Zeitungswesen in der Weimarer Republik eine neue Blüte: 1932 gab es im Deutschen Reich 4 702 Zeitungen (inklusive Nebenausgaben) mit einer Gesamtauflage von 25 Millionen Exemplaren. Viele davon waren allerdings kleine Provinzblätter, die ihren politischen Teil von Zulieferunternehmen, vor allem aus dem Haus des rechtsgerichteten Mediengroßunternehmers Alfred Hugenberg, bezogen. Fast 50 Prozent aller Zeitungen waren Parteiblätter oder standen einer Partei bzw. deren politischen Zielen nahe. Unter dem nationalsozialistischen Regime wurde die Presse seit 1933 durch Verbote, Zeitungsschließungen, Zwangsübernahmen durch die NSDAP, einen eingeschränkten Berufszugang für Journalisten und eine strenge Überwachung gleichgeschaltet: Sie konnte so als Herrschafts- und Propagandainstrument missbraucht werden. Im 2. Weltkrieg mussten zahlreiche Zeitungen ihr Erscheinen einstellen; 1944 gab es nur noch 977 Zeitungen von zum Teil nur noch vierseitigem Umfang.
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