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Sizilien

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Nordküste SiziliensNordküste Siziliens
Artikelgliederung
4.1

Sizilien in der Antike

Sizilien war spätestens seit der Jungsteinzeit (ab etwa 35000 v. Chr.) beständig besiedelt. Die ersten Einwohner Siziliens, deren Bezeichnung überliefert ist, waren die Elymer und Sikaner, die von einwandernden indogermanischen Sikulern in den Westen der Insel gedrängt wurden. Diese war anscheinend schon recht dicht besiedelt, als im 9. Jahrhundert v. Chr. die Phönizier mehrere Handelsniederlassungen an der Westküste der Insel errichteten; die bekannteste war Palermo. Mit der Gründung von Naxos durch ionische Siedler begann die griechische Kolonisation auf Sizilien. Ein Jahr später wurde von den Korinthern Syrakus gegründet, darauf folgten Catania, Lentini und Megara Hyblaia; Sizilien wurde zum westlichen Mittelpunkt der griechischen Kultur. Die Siedlungen blieben zwar in Verbindung mit ihren Mutterstädten, waren jedoch unabhängig von ihnen, und jede bildete einen eigenständigen Stadtstaat (Polis) mit landwirtschaftlich genutztem Umland. Ein Jahrhundert später gründeten diese Städte ihrerseits Tochterstädte, z. B. Selinunt, Himera und Agrigent. Die Tempelruinen dieser Städte zeugen von ihrem Glanz und Reichtum, Syrakus wetteiferte an Größe und kultureller Bedeutung sogar mit Athen.

Im 6. Jahrhundert v. Chr. besiedelten Karthager (Punier) gegen den Widerstand der Griechen den Westen Siziliens mit Palermo. Nach dem 1. Punischen Krieg (264-241 v. Chr.) wurden die karthagischen Gebiete die erste römische Provinz, während des 2. Punischen Krieges (218-201 v. Chr.) gewann Rom auch den Rest der Insel, die bis zur Völkerwanderungszeit unter der Herrschaft des Römischen Reiches blieb.

4.2

Unter byzantinischer und sarazenischer Herrschaft

Seit der Völkerwanderungszeit wurde die Geschichte Siziliens wieder bewegter: Ab 440 n. Chr. unternahmen die Wandalen Raubzüge auf der immer noch von Westrom beherrschten Insel, und 491 erkannte sie als eines der ersten Gebiete den Ostgotenkönig Theoderich den Großen als Herrscher an. Allerdings traten die Goten weder militärisch noch als Siedler in Erscheinung, sondern gewährten weitreichende Selbstverwaltung. 535 eroberte der Feldherr Belisar im Auftrag des oströmischen/byzantinischen Kaisers Justinian I., des Großen, Sizilien und nachfolgend Italien. Unter byzantinischer Herrschaft wurde Sizilien zu einem zentralen Handelsplatz im Mittelmeer. Das von Justinian geschaffene Verwaltungssystem förderte die Selbständigkeit Siziliens im Rahmen der zu Byzanz gehörigen Gebiete Italiens, so dass die weltlichen und kirchlichen Großgrundbesitzer – die römische Kirche war durch Schenkungen zum größten Grundherrn auf Sizilien aufgestiegen – ihre Machtstellung ausbauen konnten; Landwirtschaft, Handwerk und Handel florierten ungestört von den Langobarden, die Italien bis nach Neapel hin erobert hatten.

Die Insel wurde zu einem Vorposten im Kampf gegen die Muslime, die seit der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts Europa bedrohten. 827 eroberten die Sarazenen den Westteil Siziliens, 831 fiel Palermo in ihre Hand. Nach 878 war den Byzantinern nur noch das Gebiet um Taormina im Osten verblieben, Rückeroberungsversuche im 10. und 11. Jahrhundert scheiterten. Allerdings besiedelten und kontrollierten die Sarazenen weite Teile der Insel allenfalls lückenhaft. Unter muslimischer Herrschaft erlebte Sizilien eine kulturelle Blütezeit mit engen Kontakten zu den Bildungszentren in Afrika und Spanien. Die Rolle als zentraler und sehr profitabler Handelsplatz wurde ausgebaut, die Muslime modernisierten die Landwirtschaft, entwickelten ein effektives Bewässerungssystem und führten u. a. Zitrusfrüchte, Reis, Datteln, Baumwolle und Papyrus als neue Kulturpflanzen ein.

4.3

Unter normannischer und staufischer Herrschaft

In den Jahren 1061 bis 1091 eroberten die Normannen, die sich seit dem beginnenden 11. Jahrhundert in Süditalien festgesetzt hatten, unter Roger I. Sizilien, ohne die sarazenische Hochkultur zu zerstören. Doch erst sein Sohn, Roger II., erhielt vom Gegenpapst Anaklet II. die Insel als neu geschaffenes Königreich zu Lehen und wurde am 25. Dezember 1130 in Palermo zum König gekrönt. Er vereinte Sizilien mit Süditalien und schuf durch Gesetze (Assisen von Ariano, 1140) eine neuartige Herrschaftsform, welche die römisch-byzantinische mit der feudalen Herrschaftskonzeption verband. Der König war der Träger umfassender Autorität, und ihm unterstanden alle, die im Reich Macht ausübten, unmittelbar.

Rogers II. Enkel, der kinderlose Wilhelm II., setzte seine Tante Konstanze als Erbin ein, die mit Kaiser Heinrich VI., einem Staufer, verheiratet war. Trotz des Widerstands des stauferfeindlichen Papstes als Lehnsherr und eines Teils des Adels im Königreich fiel dieses nach einem Krieg zwischen Heinrich und Tankred von Lecce, einem illegitimen Enkel Rogers II., an den Staufer. 1194 wurde Heinrich zum König von Sizilien gekrönt, starb aber schon 1197 und hinterließ das Reich seiner Gemahlin und dem gemeinsamen Sohn Friedrich, der bereits im folgenden Jahr im Alter von vier Jahren Vollwaise wurde. Das Land fiel in Anarchie, doch gelang Friedrich, nachdem er die Regierung übernommen hatte, die Reorganisation, die in einem epochalen Gesetzeswerk gipfelte, den Konstitutionen von Melfi (1231). In ihnen verkündete Friedrich u. a., dass allein ihm die Verfügung über die Staatsgewalt zukäme. Unter Friedrich, seit 1220 auch Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, spielte das Königreich eine erstrangige Rolle in der europäischen Politik.

4.4

Unter der Herrschaft von Anjou und Aragonien

1266 besiegte der vom Papst als König eingesetzte Karl I. von Anjou, der Bruder König Ludwigs IX. von Frankreich, Friedrichs unehelichen Sohn Manfred und beendete damit die Stauferherrschaft über das Königreich Neapel-Sizilien, verlor jedoch 1282 nach der Sizilianischen Vesper die Insel an König Peter III. von Aragonien, Manfreds Schwiegersohn. Trotz Intervention des Papstes als Lehnsherr blieb die hart umkämpfte Herrschaft beim Hause Aragonien, und Sizilien wurde schließlich zum Vizekönigtum Aragoniens. König Alfons V. stellte 1442 durch die Eroberung Neapels das ursprüngliche, aus Sizilien und Süditalien bestehende Königreich Neapel wieder her, das unter Ferdinand II., dem Katholischen, schließlich eine Provinz des neu geschaffenen Königreiches Spanien wurde. Allerdings erhob auch die französische Krone weiterhin Herrschaftsansprüche, was zu lang dauernden Kämpfen führte.

4.5

Unter habsburgischer und bourbonischer Herrschaft

Mit Spanien erbte der Habsburger Kaiser Karl V. (1516-1556) Sizilien (mit Neapel und Sardinien), das damit Teil seines Weltreiches wurde. Nach Karls Abdankung wurde sein Bruder Ferdinand I. Kaiser, sein Sohn Philipp II. (1556-1598) erbte Spanien einschließlich Siziliens und der anderen Nebenländer. Sizilien verblieb bei den spanischen Habsburgern, bis deren letzter Vertreter, Karl II., 1700 ohne Nachkommen starb. Es begann der ganz Europa erfassende Spanische Erbfolgekrieg um das reiche spanische Erbe. Im Frieden von Utrecht von 1713 kam Sizilien an Savoyen, doch Spanien versuchte 1717 erfolglos die Rückeroberung. 1720 tauschte Herzog Viktor Amadeus II. von Savoyen mit den österreichischen Habsburgern Sizilien gegen Sardinien. Österreich trat es 1738 im Frieden von Wien an Spanien ab, es wurde eine bourbonische Sekundogenitur. Als Unteritalien von 1806 bis 1815 in französischer Hand war, konnte sich Ferdinand I. unter britischem Schutz auf Sizilien behaupten. 1815 wurden Neapel und Sizilien erneut zu einem Königreich vereinigt, seit 1816 unter dem Namen Königreich beider Sizilien. In den liberalen Revolutionen von 1820/21 und 1848/49 erstrebten die Sizilianer vergeblich eine staatsrechtliche Sonderstellung; den Aufstand von 1848/49 schlug König Ferdinand II. mit Waffengewalt nieder.

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