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Windows Live® Suchergebnisse OrgelEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Pfeifenwerk; Windwerk; Mechanische Steuerung; Geschichte; Elektronische Orgeln; Instrumente mit durchschlagenden Zungen
Orgel (griechisch organon: Werkzeug, musikalisches Instrument), Tasteninstrument, dessen Klang durch Labial-(Lippen-) und Lingual- (Zungen-)pfeifen mittels Ventilator oder Blasebalg erzeugt wird. Eine Orgel besteht aus dem Pfeifenwerk, dem Windwerk, dem Regierwerk und anderen mechanischen Vorrichtungen. Die Orgel wird überwiegend als Instrument in Kirchen verwendet.
Labialpfeifen bestehen aus Metall oder Holz und funktionieren wie kleine Pfeifen. Der Luftstrom tritt am unteren Ende der Pfeife ein, trifft auf den Kernspalt und gerät beim Passieren der Lippen in Schwingung. Diese Anfangsschwingung versetzt die Luft in dem gesamten Pfeifenkörper in Schwingung, wodurch ein Ton erzeugt wird. Die Tonhöhe hängt von der Länge der Pfeife ab. Form, Bauweise und Material der Pfeife bestimmen den Klangcharakter. Manche Labialpfeifen sind am oberen Ende geschlossen („gedackt”). Diese Pfeifen erzeugen Tonhöhen, die eine Oktave tiefer liegen als die der offenen Pfeifen mit der gleichen Länge. Bei den Lingualpfeifen sind das Metallblatt (die Zunge) und die Kehle, gegen die es schlägt, in einer Pfeife angebracht, in die der Luftstrom hineingeblasen wird. Die einströmende Luft bringt die Zunge dazu, gegen die Kehle zu schlagen, wodurch die Luft in der Pfeife in Schwingung gerät. Die dadurch produzierte Tonhöhe ist tief bei langen Zungen, hoch bei kurzen Zungen. Die Kehle ist mit einem pfeifenähnlichen Resonanzkörper verbunden, dem Schallbecher, dessen Form die Klangfarbe beeinflusst. Eine Reihe von Pfeifen, die einen gleichartigen Klangcharakter haben, ist ein Register. Der bekannteste Orgelklang wird durch metallene Labialpfeifen erzeugt, nämlich die Register Prinzipal und Diapason. Diese bilden das Herzstück des traditionellen Orgelklanges. Die erklingende Tonhöhe wird bei der Orgel durch die beigefügte Fußtonzahl ausgedrückt. Dabei heißen Register in Normallage auch 8'- (acht Fuß-)Lage. Register, die eine Oktave tiefer erklingen als die Normallage, heißen 16'- Register, diejenigen, die eine Oktave höher erklingen, heißen 4'- Lagen. Aliquotstimmen sind Register, die statt des angeschlagenen Tones einen seiner Obertöne erklingen lassen. Mixturen (gemischte Stimmen) sind Register, die zwei- bis mehrfache Klangkombinationen von hohen Registern darstellen und nicht einzeln einschaltbar sind. Die hohen Lagen der Aliquoten und Mixturen erzeugen die charakteristische scharfe, helle Klangfarbe der Orgel. Bei großen Orgeln sind die Register in mehrere Gruppen geordnet, die so genannten Werke, die jeweils durch eine eigene Tastatur (Manual) betätigt werden. Jedes Manual hat eine eigene Windlade, in der sich auch ein Magazinbalg befindet. Die wichtigste Gruppe ist das Hauptwerk. Daneben gibt es das Oberwerk, das Schwellwerk und das Pedalwerk. Die Pfeifen des Schwellwerks befinden sich in einem Schwellkasten, einer Kammer, die auf der Vorderseite einen regulierbaren Jalousieladen aufweist. Die Jalousien können durch den Schwelltritt geöffnet und geschlossen werden, um mit der entweichenden Luft die Lautstärke zu regulieren.
Der Luftstrom, der für die Pfeifen benötigt wird, wird durch ein elektrisch betriebenes Gebläse erzeugt. In früheren Zeiten wurde er mit Hilfe von Blasebälgen (Schöpfbälgen) geliefert. Durch Windkanäle gelangt der Wind in den Magazinbalg, von dort mit konstantem Druck in die Windladen.
Der Spieltisch oder Spielschrank bildet das Regierwerk. Er enthält in der Regel mehrere übereinander angeordnete Manuale, ferner das Pedal und die Registerzüge. Wird eine Taste gedrückt, so öffnen sich kleine Ventile, durch die der Wind aus der Windlade in die Pfeifen eintritt und sie zum Klingen bringt. Die Schleiflade erlaubt es dem Spieler, ein beliebiges Register von Pfeifen abzustoßen, so dass es beim Spielen nicht erklingt. Die Register werden über Druckknöpfe und Hebelplättchen gesteuert, die sich neben den Manualen befinden. Bis zum 19. Jahrhundert bestanden die Verbindungen zwischen Taste und Pfeife (einschließlich der Mechanismen zur Koppelung von einzelnen Manualen, d. h. Registern) aus einem mechanischen System von Hebeln und Winkeln, die durch Holzzüge miteinander verbunden waren, der so genannten Traktur. Heute ist diese komplizierte Mechanik durch elektrische Apparaturen ersetzt. Die reformierende Orgelbewegung des 20. Jahrhunderts hat sich jedoch zum Ziel gesetzt, der traditionellen Traktur zu neuer Achtung zu verhelfen, da die elektrische Steuerung die typische Klangqualität und -dynamik der Orgel zunichtemachte. Manuale, Windladen und Pfeifen sind bei kleinen Orgeln in einer Einheit zusammengefasst. Bei großen Orgeln sind die Manuale und andere Steuerhebel in einem getrennten Spieltisch untergebracht. Spieltische größerer Orgeln erlauben es, während des Spielens auf Knopfdruck beliebige Registerzusammenstellungen abzurufen. Jede Orgel ist ein einzigartiges Instrument, da sie sich in die Akustik und die Architektur des Gebäudes, in dem sie steht, einfügen muss. Die Akustik des Raumes steht in einer engen Beziehung zur Orgel, indem sie den Klang des Instruments durch die Stärke des Widerhalls, die wiederum vom Raum abhängig ist, entscheidend beeinflusst.
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