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Mongolei

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Mongolei (Flagge und Hymne)Mongolei (Flagge und Hymne)
Artikelgliederung
6

Wirtschaft

Anfang des 20. Jahrhunderts war die Wirtschaft durch eine nomadenhafte Herdentierhaltung geprägt. Ackerbau wurde so gut wie gar nicht betrieben. Die Industrie war auf ein kleines Kohlenbergwerk und auf etwas Goldabbau beschränkt. Nach 1930 entstand ein Wirtschaftssystem nach sowjetischem Vorbild, das auf einseitige Rohstofflieferung an die COMECON-Länder ausgerichtet war. Zunächst wurden Betriebe zur Verarbeitung von Produkten aus der Viehhaltung eingerichtet. Dann gewannen Leder-, Pelz- und Nahrungsmittelindustrie, Baustoffe, Holz- und Metallverarbeitung sowie Erdölraffinerien an Bedeutung.

Ab 1990 wurde ein konsequenterer Weg in Richtung Marktwirtschaft und außenwirtschaftlicher Öffnung eingeschlagen, 1991 mit der Privatisierung der Staatsunternehmen begonnen. In jenem Jahr kam es auch zu einem dramatischen Wirtschaftseinbruch. Das Bruttosozialprodukt sank um zehn Prozent, 1992 um weitere 8,5 Prozent. Gründe für diesen Rückgang waren die Umstellung von der Plan- in eine Marktwirtschaft und die Veränderung des Außenhandels auf Weltmarktpreise. Inzwischen beträgt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 3 132 Millionen US-Dollar (2006; Dienstleistungen 35,9 Prozent, Industrie 42,3 Prozent, Landwirtschaft 21,9 Prozent); daraus ergibt sich ein BIP pro Kopf von 1 211,90 US-Dollar. 40 Prozent der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft, 16 Prozent in der Industrie und 44 Prozent im Dienstleistungssektor beschäftigt.

6.1

Verkehrswesen

Die Transmongolische Eisenbahn ist an die Transsibirische Eisenbahn bei Ulan-Ude angeschlossen, die Ulan Bator mit Russland und China verbindet. Die Gesamtstrecke weist 1 810 Kilometer auf. Das Straßennetz, das 49 250 Kilometer umfasst, besteht größtenteils aus Steppenpisten. In den Gebirgen und in den Wüstengebieten spielt der Karawanenverkehr noch eine tragende Rolle. In Ulan Bator wurde 1985 ein internationaler Flughafen gebaut.

7

Geschichte

Zur frühen Geschichte der Republik Mongolei siehe Mongolisches Reich. Nach dem Sturz der Qing-Dynastie zu Beginn der chinesischen Revolution und dem Ende der Monarchie in China erklärte sich die Äußere Mongolei, die bis dahin zu China gehörte, 1911 für unabhängig. Es entstand eine Monarchie unter der Herrschaft von Bogdo Gegen Khan, der zugleich König und das Oberhaupt des Lamaismus in der Mongolei war. China erhob jedoch weiterhin Anspruch auf die Äußere Mongolei und brachte nach der Oktoberrevolution von 1917, durch die die „Schutzmacht” der Mongolei, Russland, geschwächt war, die Region wieder unter seine Oberhoheit. 1920 besetzten Weißgardisten unter Robert von Ungern-Sternberg die Mongolei, verdrängten die Chinesen und errichteten ein diktatorisches Regime, wurden aber ihrerseits rasch von revolutionären mongolischen Truppen, die von der sowjetischen Roten Armee unterstützt wurden, vertrieben. 1921 hatte die Mongolei endgültig ihre Unabhängigkeit erreicht.

7.1

Die Mongolische Volksrepublik

Nach dem Tod des Bogdo Gegen Khan wurde am 26. November 1924 in enger Anlehnung an die Sowjetunion, mit der 1921 ein Beistandsvertrag geschlossen worden war, die Mongolische Volksrepublik ausgerufen. Die Mongolische Revolutionäre Volkspartei (MRVP) übernahm die Macht und errichtete ein dem Vorbild Sowjetunion und dem stalinistischen Regime folgendes System; vor allem in den dreißiger Jahren gab es auch breit angelegte „Säuberungsaktionen” gegen Oppositionelle und Geistliche, denen Zehntausende zum Opfer fielen. 1946 erkannte China formell die Unabhängigkeit der Mongolei an, und 1962 regelten die Mongolei und China den Grenzverlauf in einem Grenzvertrag. 1961 trat das Land den Vereinten Nationen bei und im Jahr darauf dem Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW). Ab Ende der sechziger Jahre schloss sich die Mongolei unter Jumdschaagiin Tsedenbal, der als Generalsekretär der MRVP (1940-1954 und 1958-1984), Ministerpräsident und zuletzt (1974-1984) als Staatsoberhaupt lange Jahre das Land diktatorisch beherrschte, noch enger an die Sowjetunion an und stand schließlich völlig unter ihrem Einfluss. Grund waren vor allem die zunehmenden Spannungen zwischen der Sowjetunion und China sowie die Aufkündigung des Grenzvertrages von 1962 durch China, das nun wieder Gebietsforderungen stellte. In der Folge stationierte die Sowjetunion umfangreiche Truppenkontingente und Waffensysteme in der Mongolei

7.2

Demokratisierung

Die sowjetische Dominanz endete Ende der achtziger Jahre. Den Auftakt zur mongolischen „Perestroika” bildete die Absetzung des Diktators Tsedenbal im August 1984. Ende der achtziger Jahre formierte sich, wie in den meisten Staaten im sowjetischen Einflussbereich, eine Demokratiebewegung, die demokratische Reformen und die Achtung der Menschenrechte einklagte. Demonstrationen und umfassende Protestaktionen Ende 1989/Anfang 1990 veranlassten Partei- und Staatsführung zum Rücktritt, die MRVP verzichtete auf ihr Machtmonopol, das Einparteiensystem wurde aufgehoben, und die Weichen wurden in Richtung Demokratie und Marktwirtschaft gestellt. Im Juni 1990 fanden die ersten freien, demokratischen Wahlen mit Mehrparteiensystem statt. Die MRVP gewann die Mehrheit der Mandate; zum Staatspräsidenten wählte das neue Parlament Punsalmaagiyn Otschirbat, der nach dem Rücktritt der alten Parteiführung im März Generalsekretär des Zentralkomitees der MRVP geworden war. 1991 sagte sich die MRVP vom Marxismus-Leninismus los. Unterdessen wurden ab 1989 die sowjetischen Truppen aus der Mongolei abgezogen; 1992 war der Abzug abgeschlossen.

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