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Windows Live® Suchergebnisse KasteEnzyklopädieartikel
Kaste (portugiesisch casta; von lateinisch castus: rein, keusch), im allgemeinen Sinn der Begriff für eine genau abgegrenzte Gruppe innerhalb einer Gesellschaft. Die Gruppe nimmt innerhalb der Gesellschaft genau definierte religiöse, juridische oder wirtschaftliche Funktionen wahr. Die einzelnen meist religiös legitimierten Kasten einer Gesellschaft sind im Gegensatz zu den hauptsächlich ökonomisch definierten Klassen gegeneinander absolut undurchlässig. Die gesellschaftliche Hierarchie wird von Generation zu Generation weitergegeben, so dass Kastensysteme keine soziale Mobilität kennen. Das Wort Kaste wurde zuerst von den portugiesischen Kaufleuten des 16. Jahrhunderts gebraucht; es ist abgeleitet vom portugiesischen casta, das Familiengeschlecht, Herkunft oder Rasse bedeutet. Das entsprechende Wort im Sanskrit heißt jati. Der sanskritische Begriff varna bezeichnet eine Gruppe von jati oder das Kastensystem im engeren Sinn. Die Wurzeln der traditionellen Kastenordnung Indiens reichen zurück bis 1500 v. Chr., als Nomadengruppen der indogermanischen Sprachgruppe aus dem Norden nach Indien einwanderten. Die indogermanischen Priester führten nach der alten heiligen Literatur Indiens eine einfache Kastenordnung in der indischen Gesellschaft ein. Irgendwann zwischen 200 v. Chr. und 100 n. Chr. wurde das Manu Smriti oder Manus Gesetzbuch geschrieben. In ihm schafften die priesterlichen Gesetzgeber die vier großen erblichen Gruppen der Gesellschaft, die noch heute bestehen, und stellten ihre eigene Priesterklasse mit der Bezeichnung irdische Götter oder Brahmanen an die Spitze dieser Kastenordnung. Zweite in der Rangordnung waren die Krieger, die Kschatrija, und ihnen folgten die Waischia, die Bauern und Händler. Die vierte der ursprünglichen Kasten waren die Schudra, die Arbeiter, geboren, um Diener der anderen drei Kasten, besonders der Brahmanen, zu sein. Weit unter den Schudra – tatsächlich völlig außerhalb der Gesellschaftsordnung und auf die Verrichtung der niedrigsten und unangenehmsten Dienste beschränkt – befanden sich die Kastenlosen, die Harijans oder Unberührbaren. Das waren die Draviden, zu deren Kaste von Zeit zu Zeit die Parias oder Ausgestoßenen hinzukamen, Menschen, die wegen religiöser oder sozialer Vergehen aus den Kasten ausgestoßen wurden, in die sie geboren waren. So wie sie von den Priestern aufgestellt war, wurde die Kastenordnung Bestandteil der hinduistischen Religion und bezog damit ihre Legitimation aus dem Anspruch der Brahmanen auf göttliche Erleuchtung. Die Merkmale einer indischen Kaste bestehen aus der starren, erblichen Zugehörigkeit zu der Kaste, in die man geboren wird, dem Brauch, nur Mitglieder der gleichen Kaste zu heiraten, Beschränkungen bei der Wahl des Berufs und bei persönlichen Kontakten mit Mitgliedern anderer Kasten und der Akzeptanz eines festen Platzes in der Gesellschaft durch jeden Einzelnen. Das Kastensystem wurde durch die hinduistischen Vorstellungen von Samsara (Wiedergeburt) und Karma (Tat, Werk) auf Dauer gefestigt. Nach diesen Glaubensvorstellungen werden alle Menschen auf der Erde wieder geboren, und zwar in die Kaste, in die sie nach ihrem vorherigen Leben gehören. Das bedeutet auch, dass ein jeder die Chance hat, in eine andere, höhere Kaste geboren zu werden, aber nur, wenn sie die Regeln ihrer Kaste in ihrem jetzigen Erdenleben befolgen. Die vier ursprünglichen Kasten sind im Lauf vieler Jahrhunderte wieder und wieder unterteilt worden, so dass man inzwischen keine genaue Zahl mehr angeben kann. Schätzungen reichen von 2 000 bis zu 3 000 verschiedenen Kasten, die durch Gesetz der Brahmanen in ganz Indien errichtet wurden. Jede Region hat ihre eigenen besonderen Gruppen, künstlich abgegrenzt und durch Gewohnheit zementiert. Heute besteht ein Trend zur Auflösung der künstlichen Barrieren zwischen den Kasten, nachdem die Starre der hinduistischen Kastenordnung schon unter der britischen Herrschaft in Indien sehr stark aufgebrochen wurde. Die Verpflichtung des Sohnes, den Beruf des Vaters zu ergreifen, ist nicht mehr bindend, Menschen aus niedrigen Kasten sind in hohe Stellungen und Machtpositionen aufgestiegen, und die Ausstoßung – oder der Kastenverlust – ist nicht mehr so ernst zu nehmen wie früher. Außerdem wurde die Kastenordnung von Zeit zu Zeit von innen durch religiöse Spaltungen aufgesprengt, vor allem durch das Aufkommen des Buddhismus, das seinerseits eine Reaktion auf und ein Protest gegen den unerträglichen Zwang des Kastensystems war. In den letzten Jahren wurden durch Ausbildungs- und Reformmaßnahmen bemerkenswerte Fortschritte erzielt in der Ausschaltung ungerechter sozialer und wirtschaftlicher Aspekte des Kastensystems, wie es in Indien praktiziert wird. Der große Führer bei diesen Anstrengungen war Mohandas Gandhi. Der Entwurf zur Verfassung Indiens, der wenige Tage nach seiner Ermordung im Januar 1948 veröffentlicht wurde, stellte in einem besonderen Abschnitt unter der Überschrift „Menschenrechte” fest: „Unberührbarkeit ist abgeschafft und ihre Praxis jeder Art ist verboten.”
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