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Ingmar Bergman

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Ingmar BergmanIngmar Bergman

Ingmar Bergman (1918-2007), schwedischer Regisseur und Drehbuchautor. Mit seinen psychologischen Dramen, die sich mit existentiellen menschlichen Problemen beschäftigen, war er der wichtigste Regisseur des schwedischen Films und ein herausragender Vertreter des europäischen Autorenfilms.

Bergman wurde am 17. Juli 1918 als Sohn eines lutherischen Pastors in Uppsala geboren. Seine Kindheit und Jugend wurden durch eine strenge religiöse Erziehung bestimmt, der er sich früh durch Flucht in die Welt des Films und des Theaters entzog. Während seines Studiums der Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte in Stockholm (1938-1940) sammelte er bei einem Studententheater erste Regieerfahrungen. Seine professionelle künstlerische Laufbahn begann er als Regieassistent an der Königlichen Oper in Stockholm. Ab 1943 überarbeitete er Drehbücher für die Filmgesellschaft Svensk Filmindustri. Sein erstes eigenes Drehbuch, Hets (1944; Die Hörige), wurde von Alf Sjöberg verfilmt, Bergman war als Regieassistent an den Dreharbeiten beteiligt. Anschließend drehte er seinen ersten Film Kris (1945; Krise), dem in rascher Folge weitere Kostproben seines Regietalents folgten, u. a. Skepp till Indialand (1947; Schiff nach Indialand), Hamnstad (1948; Hafenstadt) und Fängelse (1949; Gefängnis). Beherrschendes Thema in dieser Phase seiner Laufbahn war die Rebellion der jungen Generation gegen die Wertewelt der Erwachsenen. Formal sind diese Filme von der Ästhetik des Neorealismus beeinflusst.

International bekannt machten ihn in den fünfziger Jahren die unter dem Eindruck des Existentialismus entstandenen Produktionen Gycklarnas afton (1953; Abend der Gaukler), Det sjunde inseglet (1957; Das siebente Siegel) und Jungfrukällan (1959; Die Jungfrauenquelle), die sich mit letzten Fragen wie dem Sinn des Lebens und der Existenz Gottes befassen. Mit diesen bedeutungsschweren allegorischen Werken, die ein düsteres Bild vergeblicher Sinnsuche zeichnen, etablierte sich der Regisseur als melancholischer Zweifler und Gottsucher. Weitere hochrangige Werke im ersten Jahrzehnt seines Schaffens sind im Kontrast dazu die romantischen Komödien Sommaren med Monika (1953; Die Zeit mit Monika) und Sommarnattens leende (1955; Das Lächeln einer Sommernacht), elegant-ironische Reflexionen über Sinnlichkeit und Lebensglück. Bergmans Meisterwerk Smultronstället (1957; Wilde Erdbeeren) ist das schonungslose Psychogramm eines alten Mannes, dessen Lebensbilanz ernüchternd ausfällt. In Träumen und Erinnerungen vergegenwärtigt der Protagonist die Stationen seines Lebens und erkennt im Rückblick die Ursachen seiner seelischen Misere.

In den sechziger Jahren rückte die weibliche Psyche in das Zentrum des Interesses, deren Nöte Bergman sensibel und profund auslotete. Zu seiner bevorzugten Darstellerin avancierte die Norwegerin Liv Ullman, mit der er auch privat liiert war; weitere Schauspieler, mit denen Bergman immer wieder zusammenarbeitete, waren u. a. Bibi Anderson, Ingrid Thulin und Max von Sydow. Das Drama Tystnaden (1963; Das Schweigen), das auch kommerziell ein Erfolg wurde, ist bestimmt von einer Atmosphäre der Bedrohung und der Angst; Krankheit, Verwirrung und Kommunikationslosigkeit prägen die in einem Niemandsland angesiedelte Lebenswelt eines diktatorischen Systems. Bemerkenswert für dieses Werk, das zusammen mit Såsom i en spegel (1961; Wie in einem Spiegel) und Nattvardsgästerna (1962; Licht im Winter) eine Trilogie bildet, ist der offene Umgang mit Sexualität. Eine harmlose, für damalige Verhältnisse aber freizügige sexuelle Darstellung verursachte einen Skandal und sorgte dafür, dass der Film in einigen Ländern nicht gezeigt werden durfte.

In formaler Strenge und psychologischer Stringenz zeigt Persona (1966; Persona) das wechselseitige symbiotische Abhängigkeitsverhältnis zwischen einer Krankenschwester und einer psychisch kranken Frau. Die rückhaltlose Offenlegung von Seelenqualen legt einen verstörenden Blick auf menschliche Einsamkeit und Beziehungslosigkeit frei. Skammen (1968; Schande) erhellt die Verantwortung des Individuums in totalitären Systemen und zeigt die Brüchigkeit bürgerlicher Konventionen. En passion (1969; Passion) analysiert die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft und zeichnet in typischer Manier ein desolates Bild menschlicher Beziehungen. In seinen psychologisch-analytischen Filmarbeiten ging Bergman immer wieder den Grundfragen der menschlichen Existenz und den Schwierigkeiten des Zusammenlebens nach. Er schuf dabei eine innovative Filmsprache, in der die Nahaufnahme besonderen Stellenwert erhielt: In präzise komponierten Bildern von Gesichtern spiegelt der mimische Ausdruck den Seelenzustand der Figuren. In seinen oft sehr persönlichen und visuell überzeugenden, häufig in Schwarzweiß realisierten Arbeiten zeichnete Bergman ein pessimistisches Bild menschlicher Beziehungen, und er nutzte den Film als Medium zur philosophischen Meditation. Prägend für seine Filme war die Kameraarbeit von Sven Nykvist, mit dem ihn eine jahrzehntelange enge künstlerische Kooperation verband.

Ein großer kommerzieller und künstlerischer Erfolg gelang Bergman mit dem Beziehungsdrama Scener ur ett äktenskap (1973; Szenen einer Ehe), einer präzisen, psychologischen Studie über das allmähliche Scheitern einer ehelichen Beziehung, deren Verfall in allen ihren Phasen akribisch nachgezeichnet wird. Die alltäglichen Probleme erscheinen als modellhafte Situationen, in denen Grundkonflikte im Zusammenleben zwischen Mann und Frau durchgespielt werden. In den Hauptrollen brillierten Liv Ullmann und Erland Josephson. Neben der sechsteiligen Fernsehfassung entstand eine knapp dreistündige Spielfilmversion. Mit der Mozart-Adaption Trollflöjten (1975; Die Zauberflöte) schuf Bergman ein Meisterwerk der Opernverfilmung, das in seiner Heiterkeit einen bemerkenswerten Kontrast zur pessimistischen Grundstimmung seiner psychologischen Dramen bietet. Ansikte mot ansikte (1976; Von Angesicht zu Angesicht) mit Liv Ullmann in der Hauptrolle erzählt vom seelischen Zusammenbruch einer Psychiaterin, deren überraschend aus dem Gleichgewicht geratenes Leben in Depressionen und in einen Selbstmordversuch mündet. Das auch hinsichtlich seiner Farbdramaturgie eindrucksvolle Werk zeigt die Brüchigkeit der psychischen Balance vor dem Hintergrund problematischer Eltern-Kind-Beziehungen.

Bergmans künstlerisches Wirken erlebte einen Bruch, als er 1976 wegen des unbegründeten Verdachts der Steuerhinterziehung verhaftet wurde. Daraufhin kehrte er Schweden den Rücken und ließ sich in München nieder, wo er fünf Jahre lang lebte und als Regisseur am Residenztheater arbeitete. Die in dieser Zeit entstandenen Spielfilme The Serpent’s Egg (1977; Das Schlangenei) und Höstsonaten (1978; Herbstsonate) erreichten nach Auffassung der Kritik nicht die Kraft seiner früheren Arbeiten. Nach seiner Rückkehr nach Schweden 1981 realisierte Bergman für das Fernsehen die opulente, autobiographisch gefärbte Familiensaga Fanny och Alexander (1982; Fanny und Alexander), in der er wie schon in früheren Filmen Traumata seiner Kindheit und seine strenge protestantische Erziehung verarbeitete. Die Geschichte eines Geschwisterpaars, das nach dem Tod des Vaters unter dem Regiment eines streng religiösen Großvaters aufwächst, wurde von der Kritik als Meisterwerk gefeiert.

Neben seiner Arbeit als Filmregisseur war Bergman während seiner gesamten künstlerischen Laufbahn auch am Theater tätig. Von 1944 bis 1946 leitete er das Stadttheater von Helsingborg, von 1946 bis 1949 arbeitete er als Regisseur in Göteborg, von 1952 bis 1959 in Malmö. Am Königlichen Dramatischen Theater in Stockholm wirkte er ab 1960 als Regisseur und von 1963 bis 1966 als Leiter, von 1985 bis 1995 erneut als Regisseur. In seiner Münchner Zeit von 1976 bis 1981 und 1985/86 schuf er Inszenierungen am Residenztheater. Im Zentrum seiner Theaterarbeit standen vor allem Stücke von Henrik Ibsen und August Strindberg. In den neunziger Jahren schrieb Bergman zudem eine Reihe von Drehbüchern, so etwa für Den goda viljan (1992; Die besten Absichten) unter der Regie von Bille August. Die mit Handycam gefilmte TV-Produktion Saraband (2003; Sarabande) führt die beiden Protagonisten aus Szenen einer Ehe nach 30 Jahren wieder zusammen und endet ebenso hoffnungslos wie das Vorgängerwerk.

Bergman wurde mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht. Für sein Lebenswerk wurde er mit dem Irving Thalberg Award der Amerikanischen Filmakademie (1970), mit einem Goldenen Löwen bei den Filmfestspielen von Venedig (1983), dem Europäischen Filmpreis (1988) und dem Praemium Imperiale der Japan Art Association (1991) ausgezeichnet. Von seinen Regiekollegen als bester Regisseur der Filmgeschichte gewählt, erhielt er bei den Filmfestspielen von Cannes 1997 eine Goldene Palme für seine Lebensleistung. Dreimal gewann er einen Oscar für den besten ausländischen Film, für Die Jungfrauenquelle, Wie in einem Spiegel und Fanny und Alexander. Wilde Erdbeeren wurde mit dem Goldenen Bären bei den Filmfestspielen von Berlin prämiert. Unter dem Titel Laterna Magica (1987; Laterna Magica) veröffentlichte er seine Autobiographie. Bergman starb am 30. Juli 2007 in seinem Haus auf Fårö.

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