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Windows Live® Suchergebnisse SoziobiologieEnzyklopädieartikel
Soziobiologie, neuerer Wissenschaftszweig der biologischen Verhaltensforschung, der sich mit den biologischen Grundlagen des Sozialverhaltens von Tieren beschäftigt, z. B. mit Aggression, Revierverhalten, Sozialsystemen und Partnerwahl. In der Soziobiologie werden Merkmale des Sozialverhaltens als Anpassungen aufgrund natürlicher Selektion gedeutet. Aufgrund dieser Anpassungen gelingt es dem Individuum, Kopien seiner Gene in künftige Generationen einzubringen. Anfangs wurden einige Aspekte soziobiologischer Theorien auch auf das komplexe Verhalten der Menschen ausgeweitet, was zu heftigen Kontroversen führte. In strenger Form liefert die Soziobiologie Erklärungsansätze für weitgehend angeborene Verhaltensweisen. Für individuell erworbene Verhaltensweisen oder solche, die im Zusammenhang mit der kulturellen Evolution stehen, gelten andere Gesetze. Der wissenschaftliche Erfolg der Soziobiologie liegt insbesondere darin begründet, dass dieser Wissenschaftszweig die Evolution von Verhaltensmustern Staaten bildender Insekten sowie von Helfersystemen überzeugend zu erklären vermag. Der Begriff Soziobiologie wurde 1975 von dem US-amerikanischen Biologen Edward O. Wilson geprägt, die theoretischen Grundlagen sind aber schon länger bekannt. Bereits im 19. Jahrhundert setzte sich Charles Darwin, der Hauptbegründer der Evolutionstheorie, mit der Frage des Altruismus auseinander: Warum hilft ein Lebewesen einem anderen, obwohl es dadurch seine eigenen Fortpflanzungschancen vermindert oder sogar ganz aufgibt? Beispiele für altruistisches Verhalten im Tierreich findet man u. a. in den Bienen- und Ameisenstaaten, wo sterile Arbeiterinnen die Brut versorgen, aber keine eigenen Nachkommen zeugen. Bereits Darwin erkannte bei seinen Versuchen, Altruismus mit Hilfe der natürlichen Selektion zu erklären, ein Prinzip, das die Soziobiologen später weiterentwickelten. Ein Tier, das sich altruistisch verhält, verringert zwar möglicherweise seinen eigenen direkten Beitrag zum Genpool der nächsten Generation, doch trägt es zum Überleben von Artgenossen bei. Dies kann einen Selektionsvorteil darstellen, wenn das Helfen Verwandten zugutekommt, die Kopien der Gene des Helfers tragen. Indem der Helfer dazu beiträgt, dass seine Verwandten ihre Gene verbreiten können, fördert er zugleich die Verbreitung seiner eigenen Gene, weil diese teilweise mit denen der Verwandten identisch sind. Säugetiere identifizieren ihre Verwandten dabei wahrscheinlich häufig am Geruch: An Labormäusen wurde beobachtet, dass sie nahe Verwandte, denen sie nie zuvor begegnet sind, von Geburt an am Geruch erkennen (Proceedings of the Royal Society, 2005). Würde ein Helfer wahllos auch Nichtverwandten helfen, müssten Gene, die ein Helferverhalten in Form von Altruismus veranlassen, im Lauf der Zeit seltener werden und schließlich aussterben, weil ihre Träger den eigenen Fortpflanzungserfolg durch das Helfen vernachlässigen. Den ersten wichtigen Fortschritt zur Klärung der Frage des Altruismus gab es um 1960. Damals entwickelte der britische Biologe William D. Hamilton den Begriff der Verwandtenselektion. Seiner Theorie zufolge erhöhen Individuen einer Art ihren eigenen Fortpflanzungserfolg indirekt, indem sie ihren nahen Verwandten helfen, vorausgesetzt, der Nutzen für den Unterstützten ist wesentlich größer als die Kosten für den Helfer. Da Verwandte je nach Verwandtschaftsgrad einen gewissen Prozentsatz der eigenen Gene besitzen, darf ein Selektionsvorteil nicht nur am Fortpflanzungserfolg des Trägers selbst, sondern auch an dem seiner Verwandten gemessen werden. Auf diese Weise lassen sich viele Gesichtspunkte der Evolution von Tiergesellschaften erklären, und zwar nicht nur bei Staaten bildenden Insekten, sondern auch bei Löwenrudeln und anderen sozial lebenden Tiergruppen. Beispielsweise helfen Löwenweibchen eines Rudels bei der Aufzucht von Jungtieren anderer Weibchen, mit denen sie verwandt sind, und erhöhen damit die Überlebenschancen der Jungtiere und somit ihren eigenen Fortpflanzungserfolg. Andererseits kann Altruismus aber auch bei nichtverwandtschaftlichen Beziehungen beobachtet werden. Der US-amerikanische Soziobiologe Robert L. Trivers äußerte die Vermutung, dass sich solche Beobachtungen mit reziprokem Altruismus erklären lassen. Nach diesen Vorstellungen kann sich einseitige Hilfeleistung unter nichtverwandten Individuen dann durchsetzen, wenn der Helfer später ebenfalls Hilfe empfängt. Damit der reziproke Altruismus funktioniert, müssen allerdings Mechanismen existieren, die eine einseitige Hilfeleistung verhindern. Am Beispiel des Löwenrudels lässt sich zudem zeigen, dass Lebewesen gegebenenfalls auch auf Kosten von Artgenossen stets die Strategie verfolgen, in künftigen Generationen genetisch möglichst gut repräsentiert zu sein und damit ihre genetische Fitness zu maximieren. Löwenmännchen (oftmals Brüder), die ein neues Rudel erobert haben, töten deshalb häufig die Jungen des Rudels. Die Weibchen werden dann schnell wieder brünstig, so dass sich die neuen Herren des Rudels mit ihnen paaren können. Die bald darauf geborenen Jungen tragen Kopien der Gene der Eroberer, die damit ihre genetische Fitness verbessern konnten. Entscheidend beim Verhalten von Tieren ist also nicht etwa (wie man früher annahm) das Ziel, die eigene Art zu erhalten, sondern eigene Gene möglichst effektiv in künftige Generationen einzubringen. Auch viele andere Theorien über den Einfluss der natürlichen Selektion und der Umwelt auf Tiergruppen flossen in die Soziobiologie ein. Dabei waren sogar die mathematischen Modelle der Spieltheorie von Bedeutung, die u. a. von dem englischen Biologen John Maynard Smith formuliert wurde. Zusammengefasst wurden die verschiedenen Theorien und unterstützende Befunde von Edward O. Wilson in seinem Buch Sociobiology: The New Synthesis (1975). Es begründete die Soziobiologie als eigenständiges Forschungsgebiet.
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