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Windows Live® Suchergebnisse ReligionEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Probleme und Notwendigkeit der Definitionen von Religion; Typologie von Religionen; Die Religionen der Welt; Religionsbegriffe der Religionen; Religionsphilosophische Ansätze in der westlichen Geistesgeschichte; Neuere Religionstheorien
Religion, Verhalten einer Gemeinschaft von Menschen zu einem Bereich, der für sie übernatürlich und heilig ist und der sich vom Bereich des profanen Lebens abhebt. Dieser Bereich wird innerhalb der Religion durch eine Mythologie oder ein Dogma beschrieben. Eine Religion stellt ihren Anhängern einen Orientierungs- und Verständnisrahmen für die Welt zur Verfügung. Sie erklärt ihnen nicht nur, wie sie die Welt verstehen können, sondern auch, welchen Platz sie in ihr haben und wie sie in ihr handeln sollen. Der praktische Umgang mit dem Bereich des Heiligen wird durch den Kult geregelt, der rituell (Opfer, Zeremonien, Feiern) oder nichtrituell (Verehrung, Predigt, Befolgung ethischer Vorschriften, Meditation, Tanz) sein kann. Über den Kult hinaus verfügen religiöse Gemeinschaften über ein Reglement des Zusammenlebens (Herrschaft, Sexualität, Nahrung), häufig auch über eine religiöse Organisation mit einer religiösen Hierarchie. Mit dem Bereich des Religiösen ist auch immer eine materielle Kultur verbunden (Architektur, Kunst, Musik etc.). Die Herkunft (Etymologie) des Begriffs „Religion” ist nicht sicher zu bestimmen. Das aus dem Lateinischen stammende Lehnwort ist zwar antiken Ursprungs, aber bereits christlich geprägt und fand erst in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts Eingang in die deutsche Sprache. Das lateinische Wort religio besitzt eine breite Bedeutungspalette, u. a. im Sinne von „Religiosität”, „Heiligkeit”, „Gottesverehrung”, „Andacht”, aber auch von „Sorgfalt”, „Gewissenhaftigkeit” (in Dingen des Kultes), „Bedenken”, „Zweifel”, „Aberglaube” usw. Das Substantiv lässt sich möglicherweise von zwei Verben ableiten: von religare im Sinne von „zurückbinden”, „anbinden” etc. oder (so bei Cicero) von relegere im Sinne von „wieder (zusammen)lesen”. Die erste Bedeutung wurde später von Augustinus als „Bindung des Menschen an Gott” interpretiert.
Keine der zahlreichen bisher aufgestellten Definitionen von Religion – es sind schon bis zu fünfzig aufgelistet worden – kann für sich uneingeschränkte Gültigkeit beanspruchen. Alle beleuchten sie Aspekte des Religiösen und tragen so zu dessen Verständnis bei, alle sind sie aber auch unvollständig oder einseitig und bleiben so umstritten. Eine Definition von Religion ist jedoch aus verschiedenen Gründen unumgänglich. Zum einen muss das Untersuchungsfeld der Religionswissenschaften hinreichend klar umrissen werden. Es wäre unzweckmäßig, wenn Religionswissenschaft ihren Untersuchungsbereich auf die gesamte Kultur von Völkern ausweitete. Zum anderen gibt es praktische Gründe, Religion zu definieren: Der Begriff kommt in juristischer Form, etwa als Religionsfreiheit, vor. Die Fragen, die der juristische Religionsbegriff aufwirft, sind zum Beispiel folgende: Auf welche kulturellen Erscheinungen bezieht sich diese Religionsfreiheit? Ist etwa Scientology eine Religionsgemeinschaft, der religiöse Freiheit zusteht? Eine allgemeingültige Bestimmung von Religion steht vor großen Schwierigkeiten: Der Begriff Religion stammt aus der europäischen Tradition. Andere Kulturen haben mitunter kein Wort für das, was Europäer mit Religion bezeichnen. Wer also den Begriff auf andere Kulturen überträgt, kann nicht erwarten, dort etwas zu finden, das mit dem westlichen Begriff „Religion” übereinstimmt. Sobald man den Begriff definiert, also begrenzt, schließt man einen Teil der kulturellen Erscheinungen ein und einen anderen als nichtreligiös aus. Dies birgt die große Gefahr, dass der „Schnitt” in anderen Kulturen mitten durch kulturell einheitliche Systeme geht. Eine weitere Schwierigkeit resultiert aus der außerordentlichen Vielfalt religiöser Lebensäußerungen. Religionen können auf ganz unterschiedlichen Ebenen existieren: Während beispielsweise im Christentum das Bekenntnis zu einem Dogma für die Anhängerschaft maßgeblich ist, kann man im Hinduismus unterschiedlichen Mythologien, Dogmen oder Göttern anhängen. Hier gibt es keine für alle Anhänger verbindliche oder einheitliche religiöse Idee, vielmehr ist es die Zugehörigkeit zur Kaste, die über die Anhängerschaft entscheidet und auch darüber, an welcher Stelle in der religiösen Hierarchie sich der jeweilige Anhänger befindet. Hinduismus hat somit weit mehr mit Orthopraxie (kastengerechtem Handeln) als mit Orthodoxie (rechtem Glauben) zu tun. Gleichfalls umstritten ist, ob zu einer Religion eine Gottesvorstellung gehört. Die meisten Religionen verfügen über eine solche, andere, wie der Buddhismus (zumindest in seinen frühesten Ausprägungen), jedoch nicht. Wenn man diesen gleichfalls als Religion betrachten will, muss man „gottlose Religionen” zulassen. Einigkeit herrscht inzwischen wohl darin, dass eine Bestimmung der Religion viele Merkmale umfassen muss: mindestens die Anhängerschaft, die Organisation der Anhängerschaft, das Weltbild, also die Mythologie oder das Dogma, den rituellen oder nichtrituellen Kult sowie die religiöse Ethik. Eine bloße Gottesvorstellung wäre noch keine Religion. Sie wird es erst, wenn sie eine Anhängerschaft findet. In ihr entwickeln sich im Umgang mit der göttlichen Sphäre zumeist Hierarchien und Zeremonien.
Als hilfreich für die Beschreibung von Religionen hat sich ein Schema erwiesen, das Ninian Smart aufgestellt hat. Smart unterscheidet sieben Dimensionen des Religiösen: 1. Praktisches und Rituelles 2. Erfahrungsmäßiges und Emotionales 3. Erzählendes und Mythisches 4. Dogmatisches und Philosophisches 5. Ethisches und Rechtliches 6. Soziales und Institutionelles 7. Materielles (Kunst, Architektur, heilige Orte).
Um den Platz der Religion innerhalb der menschlichen Kultur genauer zu bestimmen, hat man versucht, sie gegenüber der Wissenschaft einerseits und der Magie andererseits abzugrenzen. Magie wurde hierbei lange Zeit als eine Art „mystischer Mechanismus” angesehen, da die angestrebten Resultate durch den richtigen Gebrauch der magischen Kräfte erzielt werden. Die Haltung des Magiers unterscheidet sich von der des Priesters. Sie ist nicht die der Unterwerfung unter ein oder mehrere göttliche Wesen, sondern die des Beherrschers magisch wirksamer Gewalten. Religiöse Verehrung dagegen geschieht als Verehrung eines höheren Wesens oder einer Sphäre, von der man sich abhängig fühlt. Doch hält man heute eine strikte Unterscheidung von Religion und Magie weder für möglich noch für sinnvoll. Bei vielen Praktiken, die man für typisch magisch hielt, hat sich bei genauerem Hinsehen herausgestellt, dass sie in einem religiösen Zusammenhang stehen.
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