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Religion

Enzyklopädieartikel
Multimedia
Claude Lévi-StraussClaude Lévi-Strauss
Artikelgliederung
2.3

Religion und Wissenschaft

Wichtiger noch sind die Versuche, Religion von der Wissenschaft abzugrenzen. Häufig artikuliert sich die Auffassung, Religion und Theologie beschäftigten sich mit dem nicht Wissbaren, dem Jenseitigen, dem Unendlichen, dem sich der Erkennbarkeit Entziehenden, während die Wissenschaft danach strebe, mit Hilfe ihrer Methoden gesicherte Erkenntnisse zu erlangen.

Es gibt jedoch unbestreitbare Ähnlichkeiten von Wissenschaft und Religion. Auch die Wissenschaften können auf unhinterfragbare Axiome nicht verzichten. Ferner zeigen sich hier beispielsweise auch religionsähnliche Erscheinungen wie die Bildung von Schulen. In einer wissenschaftlichen Schule können manche Grundsätze ebenso unbestreitbar sein wie etwa Dogmen in der Religion. Prinzipiell unterscheiden sich wissenschaftliche Erkenntnisse von religiösen Grundsätzen jedoch dadurch, dass sie immer bezweifelbar und diskutierbar sind; auch müssen die Verfahren und Methoden ihrer Gewinnung offengelegt werden und überprüfbar bleiben.

2.4

Erforschung der Religionen

Religion wird heute von vielen Seiten und Ansätzen her erforscht. Von der Theologie wird sie aus der Perspektive der bekennenden Anhänger untersucht. Die Religionswissenschaft dagegen erforscht sie nicht aufgrund eines religiösen Bekenntnisses, sondern ohne religiöse Bindung, „von außen”. Die Religionswissenschaft gliedert sich in eine nahezu unüberschaubare Zahl von Disziplinen, zu denen etwa die Religionsphilosophie, Religionsgeschichte, Religionssoziologie, Religionsethnologie, Religionsgeographie, Religionsdemographie, Religionsphänomenologie, Religionspsychologie, Religionsökonomie und Religionsästhetik gehören.

3

Typologie von Religionen

In der Religionswissenschaft hat man die Vielfalt von Religionen zu ordnen versucht. Häufig ist es jedoch nicht möglich, einzelne Religionen eindeutig einer Kategorie zuzuordnen.

3.1

Überlieferung

Ein mögliches Kriterium ist die Form der Überlieferung von Lehre, Dogma oder Mythologie. So stehen die Schriftenreligionen (Buchreligionen) den schriftlosen Religionen, also den Religionen mit mündlicher Überlieferung, gegenüber. Erstere haben einen maßgeblichen Text in schriftlicher Form, die zweiten haben keinen gemeinsamen Text, der schriftlich fixiert ist. Traditionell werden die Schriftenreligionen von der Religionswissenschaft und der Philologie, die schriftlosen Religionen (indigene Religionen) dagegen von der Ethnologie untersucht.

Schwierig wird diese Unterscheidung bei den indischen Religionen, die sich auf die alten religiösen Texte des Veda beziehen (Vedismus, Brahmanismus und Hinduismus). Die Texte des Veda durften über viele Jahrhunderte nicht aufgeschrieben werden und wurden mündlich tradiert. Dennoch ist der Veda ein feststehender Text, der durch die mündliche Tradition nicht verändert werden darf. Bei manchen Teilen des Veda liegen zwischen Entstehung und schriftlicher Fixierung mehr als zweitausend Jahre. Der Veda war also früher weder „Schrift” noch „Buch” und wird bis heute mündlich tradiert. Man behandelt die auf dem Veda fußenden Religionen dennoch als Schriftreligionen, sie werden größtenteils von der Religionswissenschaft und der Philologie untersucht.

3.2

Mission

Ein weiteres Kriterium ist die Mission. Es gibt missionierende Religionen (Christentum, Islam, Buddhismus) und solche, die nicht missionieren (Judentum, Hinduismus). In einigen Religionen sind die missionarischen Bestrebungen besonders stark ausgeprägt. So erwartete man in Indien im ersten Jahrtausend n. Chr. von den buddhistischen Mönchen, dass sie für den größten Teil des Jahres durch die Lande wandern und die Lehre des Buddhismus verbreiten. Der Aufenthalt in den Tempelanlagen war nur für die Regenzeit vorgesehen. Der klassische Hinduismus dagegen kann nicht missionieren, da die Religionszugehörigkeit durch die Geburt festgelegt ist. Missionstätigkeit gibt es hier lediglich bei den so genannten neohinduistischen Bewegungen.

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