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ReligionEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Probleme und Notwendigkeit der Definitionen von Religion; Typologie von Religionen; Die Religionen der Welt; Religionsbegriffe der Religionen; Religionsphilosophische Ansätze in der westlichen Geistesgeschichte; Neuere Religionstheorien
Im Judentum gibt es einige Begriffe (griechisch ioudaismós, hebräisch dat), mit denen die eigene Religion bezeichnet wird. Diese Begriffe sollten das Judentum in Kontrast zu anderen Religionen setzen. Ein Begriff, der auf mehrere Religionen angewendet werden kann, findet sich jedoch hier nicht.
Einer der ersten Versuche eines systematischen Studiums von Religion in Griechenland stammt von Hesiod. In seiner Theogonie sammelte er die Genealogien der griechischen Götter. Der Grieche Xenophanes war der Auffassung, dass die Menschen sich die Götter nach ihrem eigenen Vorbild schaffen. Homer und Hesiod hätten ihren Göttern alle Verfehlungen zugeschrieben, die auch unter Menschen üblich sind: Diebstahl, Ehebruch, Betrug. Bekannt ist sein Ausspruch: ”Wenn Kühe, Pferde oder Löwen Hände hätten und damit malen und Werke wie die Menschen schaffen könnten, dann würden die Pferde pferde-, die Kühe kuhähnliche Götterbilder malen und solche Gestalten schaffen, wie sie selber haben.” Der Geschichtsschreiber Herodot führte die Vielfalt der Götter auf griechische Vorbilder zurück. Er sah damit in der griechischen Religion den Prototyp aller anderen Religionen. Der Philosoph Kritias (460-403 v. Chr.) meinte, dass sich die Menschen Götter geschaffen haben, um den Übeltätern Furcht vor dem Gesetz einzuflößen. Der Atomist Demokrit leitete den Gottesglauben erstmals aus der Furcht vor unverständlichen Naturerscheinungen her.
Der italienische Philosoph Giovanni Battista Vico unternahm erstmals den Versuch, Religion zu historisieren. Er unterteilte die griechische Religion in vier Stadien: Im ersten Stadium „vergöttlichten” die Griechen Naturkräfte. In einem zweiten Stadium taten sie dies mit Gewalten, über die die Menschen Kontrolle haben, wie Feuer oder landwirtschaftliche Produkte. Es folgte eine dritten Stufe mit der Heiligung sozialer Institutionen wie die der Familie. In einer vierten Stufe wurde den Göttern eine menschliche Gestalt gegeben. Ein Beispiel hierfür seien die Werke von Homer.
Großen Einfluss auf die Entwicklung des Religionsbegriffes in Europa haben die Auffassungen des französischen Aufklärers Jean-Jacques Rousseau ausgeübt. Rousseau plädierte für eine strikte Trennung von Religion und Kirche. Die Religion sei eine Sache des Herzens und nicht der Institutionen. Wahre Religion könne nicht von religiösen Amtsträgern repräsentiert werden. Die Interpretationen, die Generationen von Theologen über Religion geschrieben haben, seien für das Verständnis dieser wertlos. Statt dessen müsse man die natürlichen Pflichten des Menschen intuitiv erkennen. Rousseau trennte die Religion als solche von ihren jeweiligen Ausprägungen in den Gesellschaften und Kulturen. Diese hätten die Religion nur verdorben. Es gelte, die eigentliche, ursprüngliche und natürliche Bestimmtheit des Menschen und seiner Religion wiederzuerkennen. Rousseau ebnete damit den Weg für das Verständnis von Religion als einem allgemeinen Begriff, der Bestimmungen enthalten kann, die sich in vielen Religionen wiederfinden. Zudem hatte seine Theorie zur Folge, dass Religion als eigenständige Erscheinung in der Gesellschaft aufgefasst werden konnte.
Immanuel Kant erschütterte die Welt der Theologie, indem er die Gottesbeweise, die zu seiner Zeit existierten, sämtlich widerlegte. Wenn sich aber Gott nicht beweisen lässt, wozu dann noch über Religion reden? – Kant zeigte gleichzeitig, dass man Gott zwar nicht beweisen, aber auch nicht widerlegen kann. Gott kann also nur außerhalb der Dimensionen von Beweis und Widerlegung existieren. Gott war für Kant zwar nicht beweisbar, aber notwendig. Religion und Gott blieben die einzige Möglichkeit, um ethisches Handeln zu erklären und zu ermöglichen. Gott ist ein für ethisches Handeln notwendiges Ideal der höchsten Sittlichkeit und Glückseligkeit. Er wird damit zum Postulat der „praktischen Vernunft”, der Ethik. Der Vorrang des Christentums vor anderen Religionen ergab sich für Kant daraus, dass Jesus dem moralischen Ideal des kategorischen Imperativs („Handle so, dass die Maxime Deiner Handlung auch als Prinzipien einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnten”) am nächsten kam. Auffallend an Kants Umgang mit der Religion ist sein deutlicher Rationalismus. Religion erklärte er nicht mehr von religiösen Positionen her, sondern aus der Perspektive von Verstand und Vernunft.
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