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Religion

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Claude Lévi-StraussClaude Lévi-Strauss
Artikelgliederung
7.1

Theologische und phänomenologische Religionstheorien

Auch die christliche Theologie hat zahlreiche Untersuchungen zum Religionsbegriff beigesteuert. Der Versuch von David Friedrich Strauß, in seiner zweibändigen Abhandlung Das Leben Jesu. Kritisch bearbeitet (1835/36) den historischen Jesus aus den Bibeltexten zu rekonstruieren, erregte großes Aufsehen. Zu den bekanntesten theologischen Arbeiten, die sich mit dem Religionsbegriff und seiner Anwendung auf verschiedene Weltreligionen beschäftigen, gehören diejenigen von Rudolf Otto. Er deutet Religion als Bezugnahme des Menschen auf das Heilige oder Numinose. Dieses Heilige kann nach Otto zwar mit rationalen Mitteln erkannt werden, doch zu seinem Wesen stößt man erst vor, wenn man sich in ein irrational-religiöses Verhältnis dazu setzt. Weitere Gelehrte, die den Religionsbegriff aus theologischer Perspektive untersuchten, waren Adolf von Harnack, Nathan Söderblom, Ernst Troeltsch und Albert Schweitzer.

Viele Theologen, aber auch einige Religionswissenschaftler fühlen sich methodisch der Religionsphänomenologie verpflichtet. Diese Forschungsrichtung möchte die „Hauptgruppen religiöser Erscheinungsformen” ordnen und klassifizieren. Sie stellt sich damit ausdrücklich nicht die Aufgabe, das Wesen von Religion zu bestimmen, also ein „Dahinter” in diesen Phänomenen zu finden. Ihre wichtigsten Vertreter waren zum großen Teil ebenfalls Theologen. Der Begriff Religionsphänomenologie geht auf Hegels Phänomenologie des Geistes zurück und wurde erstmals von Chantepie de la Saussaye (1848-1920) gebraucht. Als Konzept ausführlich formuliert wurde es von Gerardus van der Leeuw. Wichtige Vertreter der Religionsphänomenologie im 20. Jahrhundert waren Friedrich Heiler, Gustav Mensching, Joachim Wach (1898-1955) und Mircea Eliade.

7.2

Ethnologische Religionstheorien

Der Ethnologie verdankt die Religionswissenschaft sehr wichtige Aufschlüsse über das Wesen der Religionen schriftloser Völker. Die hier schon genannten Klassiker (Durkheim, Tylor, Frazer, Malinowski) haben bedeutende Nachfolger gefunden. In Frankreich waren dies Marcel Mauss, Lucien Lévy-Bruhl und Claude Lévi-Strauss. Auch der Soziologe Pierre Bourdieu darf in dieser Reihe nicht fehlen. In England fand die Anthropologie ihre Fortsetzung durch Robert Ranulph Marett (1866-1943), Alfred Reginald Radcliffe-Brown und Edward Evan Evans-Pritchard. Aus Amerika stammen ethnologische Forschungen um den Begriff der Religion von dem Deutschamerikaner Franz Boas, von Talcott Parsons, Clyde Kluckhohn, Clifford Geertz, Edmund Leach und vielen anderen Ethnologen. Das Untersuchungsgebiet der Ethnologie wurde im Verlaufe ihrer Entwicklung stark erweitert, so auch in Richtung soziologischer, struktureller und funktionaler Untersuchungen religiöser Tatsachen.

7.3

Linguistische Religionstheorien

Untersuchungen der Linguistik trugen seit der Entstehung dieser Wissenschaft auch zur Erforschung der Religion bei. Religiöse Texte werden von der Philologie untersucht. Darüber hinaus gibt es mehrere Methoden, die Religion sprachlich zu erforschen. Eine Tradition der linguistischen Anthropologie geht auf Wilhelm von Humboldt, Franz Boas und Edward Sapir zurück. Der amerikanische Sprachwissenschaftler und Ethnologe Edward Sapir hat die Hypothese aufgestellt, dass das Weltbild und die Religion eines Volkes maßgeblich durch dessen Sprache geprägt werden und sich infolgedessen vor allem über die Sprache erschließe. Diese Forschungsrichtung wird auch als Ethnolinguistik bezeichnet.

Linguistische Deutungen von Religion und religiöser Sprache werden auch von der Sprachphilosophie vorgenommen, zu deren Klassikern Ernst Cassirer und Ludwig Wittgenstein zählen. Dieser Forschungszweig untersucht, welche Art Gegenstände die religiöse Sprache bezeichnet, was beispielsweise Worte wie „Gott” bedeuten.

Nach der Sprechakttheorie von John Langshaw Austin und John Searle ist Sprechen immer auch gleichzeitig Handeln. Man tut etwas, indem man etwas sagt. Dieses Verständnis der Einheit von Sprechen und Handeln lässt sich sehr gut auf die Untersuchung religiöser Riten anwenden, denn hier werden etwa soziale Tatsachen durch die verbale Weihe eines Gegenstandes oder einer Person geschaffen. Einer der ersten, der die Sprechakttheorie ausdrücklich auf religiöse Sachverhalte anwendete, war Stanley Tambiah.

7.4

Kommunikationstheoretische Ansätze

An die soziologischen Erklärungsmethoden von Durkheim und Weber anknüpfend, begreifen in jüngerer Zeit immer mehr Wissenschaftler die Religion als gesellschaftliche Kommunikation oder als spezifische Form kommunikativer Tätigkeit. Dies hängt eng mit der „Wende zur Kommunikation” in den Geisteswissenschaften zusammen, die unter anderem durch Jürgen Habermas herbeigeführt wurde. Wichtige Vertreter dieser Richtung sind Thomas Luckmann (*1927) und Niklas Luhmann.

Ein neues und zusätzliches Interesse gewinnt diese Perspektive durch die schnelle Verbreitung von Kommunikationsmedien wie Telefon, Fernsehen und Internet, die von den meisten Religionen ohne Vorbehalte in Gebrauch genommen werden.

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