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Feigenbaum

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Feigen mit BlätternFeigen mit Blättern
Artikelgliederung
1

Einleitung

Feigenbaum, Art aus der Familie der Maulbeergewächse; der wohlschmeckende Sammelfruchtstand wird ebenso wie manchmal der Baum als Feige bezeichnet.

Der Feigenbaum ist eine sehr alte Kulturpflanze, die im Westjordanland offenbar bereits vor 11 400 Jahren angepflanzt wurde (Science, 2006). Heute werden Feigen in den Mittelmeerländern, in Südafrika, Australien und Kalifornien kultiviert. Den Laub abwerfenden Baum erkennt man auch unbeblättert an seinen weißlich überpudert wirkenden Zweigen. Er kann bis zu zehn Meter Höhe erreichen, wird aber zum Zweck einer leichteren Ernte der Feigen meist strauchförmig gehalten. Die Ansprüche des Feigenbaumes an den Boden sind sehr gering, so dass man ihn auch in felsigem Gelände antrifft, das für andere Kulturen ungeeignet wäre. Feigenblätter sind handförmig gelappt; sie galten im 18. und 19. Jahrhundert in der bildenden Kunst bei Aktdarstellungen als Mindestmaß züchtiger Körperbedeckung.

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Ökologie der Fruchtbildung

Feigen haben eine komplexe Bestäubungsökologie. Es gibt zwei Varietäten von Feigen, die aus der Wildform entstanden sind: die Kulturfeige (auch Hausfeige oder Essfeige), zu der Sorten wie die berühmte Smyrnafeige gehören, und die Bocks- oder Holzfeige. Smyrnafeigen tragen (ebenso wie einige andere Sorten der Kulturfeige) im Inneren ihrer keulenförmigen Blütenstandsachsen nur weibliche Blüten, aber keine für die Fruchtentwicklung nötigen männlichen Blüten mit Pollen. Deshalb pflanzt man Smyrnafeigen immer zusammen mit Bocksfeigen. Letztere bilden zwar ungenießbare Fruchtstände, tragen jedoch weibliche und männliche Blüten. Die eingeschlossenen Blüten sind nur über eine winzige Öffnung am stumpfen Ende der keulenartigen Blütenstände zugänglich. Deshalb überträgt ausschließlich eine zwei bis drei Millimeter große Art von Feigenwespen (Blastophaga psenes) den Pollen; ihre Fortpflanzung ist unauflöslich mit der Fortpflanzung der Feige verknüpft.

Die Feigenwespen klettern in die Blütenstände der Bocksfeige, stechen die Fruchtknoten an und legen ihre Eier hinein. Das ist möglich, weil die Fruchtknoten nur kurze, dem Legestachel angepasste Griffel besitzen. Aus den Eiern entwickeln sich Larven und aus diesen zuerst nur männliche Feigenwespen; die Männchen warten dann darauf, dass weibliche Tiere schlüpfen, begatten diese und sterben. Die Männchen erblicken also nie das Tageslicht. Die begatteten Weibchen jedoch klettern aus dem Blütenstand und bepudern sich dabei mit Pollen der am Ausgang befindlichen männlichen Blüten. Anschließend besuchen sie sowohl wieder Holzfeigen als auch Kulturfeigen. In den Kulturfeigen übertragen sie zwar den Pollen, können aber die Samenanlagen in den Fruchtknoten nicht richtig anstechen, um dort ihre Eier abzulegen, weil Kulturfeigen im Gegensatz zu Holzfeigen lange Griffel besitzen. Damit können sich Samen bilden, ohne von Feigenwespenlarven gefressen zu werden, die anderenfalls aus den Eiern schlüpfen würden.

Mit der Befruchtung der Samenanlagen der Kulturfeige entwickelt sich der gesamte Fruchtstand fleischig und saftig zur grünlichen oder bläulichen, bis zu acht Zentimeter großen, süß schmeckenden Feige, die botanisch gesehen ein Sammelfruchtstand ist. Weil sich die Smyrnafeigen auf die beschriebene Weise entwickeln, enthalten sie die winzigen Samenkörnchen, die der Feige einen nussigen Geschmack verleihen, der besonders bei den getrockneten Feigen erwünscht ist. Viele Essfeigensorten aber enthalten keine Samen. Bei ihnen entwickeln sich die Früchte parthenokarp (griechisch parthenos: Jungfrau; karpos: Frucht), das heißt, ohne Befruchtung, wie es auch bei der Banane der Fall ist.

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Andere Feigenarten

Zur Gattung der Feigen gehören etwa 750 Arten. Eine bereits in altägyptischen Darstellungen abgebildete Feigenart ist die Sykomore. Sie ist ein bis zu 15 Meter hoher Baum, deren Fruchtstände bei weitem nicht so schmackhaft sind wie die der Kulturfeigen. Die Sykomore ist im Nahen Osten weit verbreitet; sie dient hier vorwiegend als Alleebaum und Schattenspender. In den Tropen Südostasiens gibt es eine Reihe weiterer Feigenarten, von denen manche zu mächtigen Bäumen heranwachsen. Da einige zudem noch Luftwurzeln und Stelzwurzeln ausbilden, können sich riesige Kronengebilde entwickeln, die eigene Waldökosysteme darstellen. Zu ihnen zählt der manchmal über 30 Meter hohe Bobaum oder Bodhibaum, ein heiliger Baum der Buddhisten, dessen purpurrote Fruchtstände von Vögeln und Affen gefressen werden.

Spektakuläre Größe und Lebensweise kennzeichnen auch den Banyanbaum. Dessen Samen entwickeln sich, von Vögeln ausgeschieden, auf den Ästen großer Bäume. Die junge Pflanze senkt ihre Wurzeln abwärts, bis sie den Boden erreichen. Dann setzt ein dynamisches Wachstum ein, in dessen Verlauf der Wirtsbaum von den Wurzeln regelrecht erdrückt wird und abstirbt; daher stammt auch die Bezeichnung Baumwürger. Der Banyanbaum kann durch Ausbildung weiterer Stützwurzeln Kronendurchmesser von mehr als 100 Metern erreichen. Auch bei dieser Feigenart erfolgt die Fruchtbildung mit Hilfe speziell angepasster Feigenwespen. Die Früchte sind eine wichtige Nahrungsquelle für Tukane, Fledermäuse und Affen.

Der von Indien bis zur Malaccahalbinsel verbreitete Gummibaum, der glänzend dunkelgrüne Blätter aufweist, wird in den gemäßigten Breiten häufig als Zimmerpflanze gehalten. Der im Freiland bis zu etwa 30 Meter hohe Baum produziert Latex, er wird jedoch im Gegensatz zu dem aus Südamerika stammenden Kautschukbaum nicht in Plantagen kultiviert.

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Systematische Einordnung

Feigen bilden die Gattung Ficus der Familie Moraceae. Der Feigenbaum heißt botanisch Ficus carica, die essbare Kulturfeige heißt Ficus carica var. domestica und die Bocksfeige Ficus carica var. caprificus. Die Sykomore hat den wissenschaftlichen Namen Ficus sycomorus. Der Gummibaum heißt Ficus elastica.

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