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  • Heiligsprechung – Wikipedia

    Eine Heiligsprechung (Kanonisation, auch Kanonisierung; von griechisch kanõn „Richtschnur“) ist in der römisch-katholischen Kirche ein kirchenrechtliches Verfahren, durch das ...

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Heiligsprechung

Enzyklopädieartikel

Heiligsprechung, in der römisch-katholischen Kirche ein Rechtsakt, durch den der Papst öffentlich die Heiligkeit eines verstorbenen Menschen verkündet. Die Heiligsprechung ist meist der Schlusspunkt eines langen Verfahrens, das mit der Seligsprechung beginnt. Die Seligsprechung ist eine offizielle Erklärung, dass eine Person ein heiliges Leben gelebt habe und als ein „Seliger” verehrt werden kann. Durch die Heiligsprechung wird der Titel „heilig” verliehen. In der orthodoxen Kirche ist das Verfahren weniger formal und wird von lokalen Bischofssynoden durchgeführt.

Der heutige Brauch der Heiligsprechung entsprang der frühchristlichen Praxis, die Märtyrer zu ehren. Noch für viele Jahrhunderte danach wurde der Titel eines Heiligen durch öffentliche Akklamation (beistimmender Zuruf ohne Einzelabstimmung) verliehen. Erst in einer vergleichsweise späten Epoche entschloss man sich zu einem Verfahren, das der heutigen Heiligsprechung entspricht.

Die früheste belegte feierliche Heiligsprechung ist die des Bischofs Ulrich von Augsburg, durch Papst Johannes XV. 993. Papst Alexander III. beschränkte 1171 das Recht der Heiligsprechung ausschließlich auf die Päpste. Papst Urban VIII. erließ 1625 und 1634 strengere Vorschriften und legte das Verfahren der Heiligsprechung fest, welches, mit leichten Änderungen, heute noch verbindlich ist.

Die Heiligsprechung (Kanonisation) kann ohne besonderen Erlass frühestens 50 Jahre nach dem Tod des Kandidaten verkündet werden. In dem Verfahren, das diesem Akt vorausgeht, werden mit Hilfe von Zeugen zwei Eigenschaften des Kandidaten festgestellt: hervorragende Tugenden, formell als Tugenden „heroischen Maßes” bezeichnet, und mindestens zwei echte Wunder, die auf Fürbitte des Kandidaten von Gott bewirkt wurden. Wenn die erste Untersuchung zu einem zufrieden stellenden Ergebnis kommt, übergibt der Papst selbst die Sache an die Kongregation für die Heiligsprechungsprozesse, das die Tugenden und Wunder genauer untersucht. Die Sache des Kandidaten ist nun eingeführt, wie es heißt. Dies ist der Beginn des pontifikalen Verfahrens, und nun ist es erlaubt, den Beatificandus, den Kandidaten für die Seligsprechung, als „ehrwürdig” zu bezeichnen. Wenn der Kandidat das Verfahren erfolgreich durchlaufen hat, wird ein Grad der Seligkeit verkündet. Bevor der anschließende Prozess der Heiligsprechung eingeleitet werden kann, müssen Zeugen bekunden, dass der Kandidat seit der Seligsprechung eine gewisse Anzahl von Wundern bewirkt hat. Der Fall geht dann abermals durch die Hände mehrerer Kongregationen, deren letzte, die das abschließende Urteil fällt und die in Anwesenheit des Papstes abgehalten wird.

Die Zeremonie der Heiligsprechung findet in der Peterskirche im Vatikan statt; sie ist eine der feierlichsten und eindrucksvollsten päpstlichen Aufgaben.

Die außerordentliche Heiligsprechung gründet auf dem Beweis der Verehrung oder einer päpstlichen Fürsprache noch vor dem Erlass Urbans VIII. In solchen Fällen kann der Papst die Heiligsprechung sofort verkünden. Die außerordentliche Seligsprechung ist ein kürzeres Verfahren, das nach denselben Regeln abläuft. Der Papst anerkennt die Ergebnisse des vorbereitenden Verfahrens und spricht den Kandidaten sofort selig.

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