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Windows Live® Suchergebnisse BourbonenEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Bourbonen, französisches Herrschergeschlecht, das sich in verschiedene Linien aufspaltete und neben den französischen zeitweise auch die Könige von Spanien und von Neapel-Sizilien und den Herzog von Parma stellte. Der Name der Familie geht auf ihre Stammburg Bourbon-l’Archambault (im Departement Allier) zurück.
Der erste urkundlich belegte Bourbone war Aimar oder Adhémar, der im späten 9. Jahrhundert zum Baron von Bourbon erhoben wurde. 1276 heiratete die bourbonische Erbin Béatrix de Bourbon (gestorben 1310), eine direkte Nachfahrin Aimars, den Grafen Robert von Clermont, den sechsten Sohn des Kapetingerkönigs Ludwig IX. Der Sohn Roberts, Ludwig I. (1279-1342), seit 1327 1. Herzog von Bourbon, hatte zwei Söhne; der ältere, Peter, begründete die ältere Linie, die durch Heirat zum Herzogtum Bourbon noch die Grafschaft Montpensier erwarb und 1527 mit dem Tod Herzog Karls von Bourbon ausstarb. Ludwigs I. zweiter Sohn, Jakob I., begründete die jüngere Linie. Sein direkter Nachfahre Anton de Bourbon (1518-1562) war Herzog von Vendôme und Beaumont und zugleich König von Navarra. Nach dem Tod des letzten Kapetingerkönigs aus dem Haus Valois 1589 kam mit Antons Sohn Heinrich, der seine Abstammung von König Ludwig IX. herleiten konnte, der erste Bourbone als Heinrich IV. auf den französischen Thron. Als Heinrich III. war er zugleich König von Navarra. Heinrich, dem sein Sohn Ludwig XIII. als König nachfolgte, hatte das Haus Bourbon durch die Ehen seiner Töchter mit drei bedeutenden europäischen Königshäusern verbunden: Elisabeth (1602-1644) war mit König Philipp IV. von Spanien verheiratet, Christina (1606-1663) mit Viktor Amadeus I. von Savoyen und Henrietta Maria mit König Karl I. von England. Ludwigs XIII. Nachfolger wurde sein Sohn Ludwig XIV. Ein Bruder Ludwigs XIV., Philipp I. (1640-1701), Herzog von Orleans, begründete das Haus Orleans, einen Seitenzweig der Bourbonen. Ein Enkel Ludwigs XIV., der Herzog Philipp von Anjou, wurde als Philipp V. König von Spanien; er begründete die spanische Linie des Hauses Bourbon. Ludwig XIV. überlebte sowohl seinen Sohn als auch seinen ältesten Enkel; sein Nachfolger wurde sein Urenkel Ludwig XV. Ihm folgte sein ältester Enkel Ludwig XVI. auf dem Thron; er wurde während der Französischen Revolution enthauptet, und sein einziger Sohn Ludwig XVII., der 1793 nur kurzzeitig nominell König war, starb im Gefängnis. Nach Napoleons Niederlage 1814 wurde ein Bruder Ludwigs XVI. als Ludwig XVIII. König. Nach dessen Tod regierte sein jüngerer Bruder Karl X. als letzter aus dem Haus Bourbon in Frankreich. Nach dem Sturz Karls X. in der Julirevolution von 1830 riefen die Orleanisten, die den Anspruch des Hauses Orleans auf den Thron unterstützten, Herzog Louis Philippe von Orleans zum König der Franzosen aus. Die so genannten Legitimisten sahen jedoch weiterhin im Haus Bourbon die rechtmäßigen Herrscher Frankreichs; deshalb erkannten sie den ältesten Sohn Karls X., Herzog Ludwig von Angoulême, als König Ludwig XIX. an, obwohl der auf seinen Thronanspruch verzichtet hatte. Nach der Absetzung Louis Philippes 1848 erklärten die Legitimisten den Neffen Ludwigs XIX., Graf Heinrich von Chambord, als Heinrich V. zum König. Mit dessen Tod 1883 starb die direkte Linie der französischen Bourbonen aus, und die Legitimisten akzeptierten den Grafen von Paris als Nachfolger der Bourbonen.
In Spanien blieb König Karl II., der einzige Sohn Philipps IV., ohne Kinder; er bestimmte daher seinen Enkel Philipp von Anjou, zugleich Enkel Ludwigs XIV., zu seinem Nachfolger. Diese Nachfolgeregelung löste nach Karls Tod den Spanischen Erbfolgekrieg aus, an dessen Ende Philipp als König Philipp V. bestätigt wurde. Ihm folgten seine Söhne Ferdinand VI. und Karl III. nach. Karls älterer Sohn übernahm als Karl IV. den spanischen Thron; sein jüngerer Sohn Ferdinand begründete den sizilianischen Zweig des Hauses Bourbon. Karl IV. wurde 1808 von Napoleon abgesetzt; 1814 kamen die Bourbonen mit Karls IV. Sohn Ferdinand VII. erneut auf den spanischen Thron. Ferdinands Nachfolgerin wurde seine Tochter Isabella II.; ihre Thronbesteigung wurde von Ferdinands Bruder, Don Carlos María Isidro de Borbóne, und seinen Anhängern, den Karlisten, angefochten, und zwar auf der Grundlage des Salischen Gesetzes, das eine Thronfolge in weiblicher Linie untersagte. Isabella dankte 1870 zugunsten ihres Sohnes Alfons XII. ab. Dessen Nachfolger wurde sein Sohn Alfons XIII., der 1931 abgesetzt wurde. 1969 wurde Prinz Juan Carlos de Borbóne y Borbóne, der Enkel Alfons’ XIII., zum Nachfolger des spanischen Diktators Francisco Franco bestimmt; als Juan Carlos I. bestieg er 1975 den spanischen Thron.
Der italienische Zweig der Bourbonen wurde von zwei Söhnen Philipps V. von Spanien begründet. 1734 eroberte der spätere Karl III. von Spanien Neapel und Sizilien und wurde als Karl VII. König von Neapel-Sizilien. Als Karl 1759 den spanischen Thron übernahm, erhob er seinen jüngeren Sohn als Ferdinand IV. zum König von Neapel, der 1806 als Ferdinand I. auch König von Sizilien und 1816 König des vereinten Königreiches beider Sizilien wurde. Seine Nachfolger in direkter Linie waren Franz I., Ferdinand II. und Franz II. Letzterer dankte 1860 ab; 1861 wurde das Königreich beider Sizilien in das Königreich Italien eingegliedert. 1748 erhielt Philipp, der jüngere Bruder Karls III. von Spanien, am Ende des Österreichischen Erbfolgekrieges im Vertrag von Aix-la-Chapelle die Herzogtümer Parma und Piacenza. Philipps Nachfolger wurde sein Sohn Ferdinand, und 1801 machte Napoleon, der sich die Herzogtümer Parma und Piacenza angeeignet hatte, Ferdinands Sohn Ludwig zum König von Etrurien. Ludwigs Sohn Karl Ludwig wurde 1807 von den Franzosen aus Etrurien vertrieben; der Wiener Kongress übertrug ihm aber 1815 das Herzogtum Lucca. Das Herzogtum Parma übernahm Napoleons Witwe Marie Louise, und nach ihrem Tod erhielt Karl Ludwig die Herzogtümer Parma und Piacenza zurück. Ihm folgten als Herzöge von Parma sein Sohn Karl III. (1823-1854) und sein Enkel Robert, der 1859 aus seinem Herzogtum vertrieben wurde, kurz bevor es Teil des vereinigten Königreiches Italien wurde.
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