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Analytische Philosophie und Sprachphilosophie

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John LockeJohn Locke
Artikelgliederung
1

Einleitung

Analytische Philosophie und Sprachphilosophie, Sammelbezeichnung für die Summe der im 20. Jahrhundert entstandenen philosophischen Strömungen, die sich mit der natürlichen bzw. künstlichen Sprache und ihrem Verhältnis zur außersprachlichen Wirklichkeit hinsichtlich logischer Aussagen auseinandersetzen. Die analytische Philosophie fand seit dem 2. Weltkrieg vorrangig in England und den USA Verbreitung. Dort wurde sie unter Namen wie linguistische Analyse, logischer Empirismus, logischer Positivismus, Neurealismus, Cambridge Analyse oder Oxford Philosophie bekannt, die jeweils bestimmte Ausformungen oder regionale Schulen bezeichnen. Cambridge Analyse und Oxford Philosophie etwa sind nach jenen englischen Universitäten benannt, auf denen bestimmte philosophische Methoden der Sprachphilosophie entwickelt wurden (siehe Cambridge University, Oxford University).

Die analytische Philosophie stellt eine Weiterentwicklung des Neopositivismus dar. Eine ihrer zentralen Aufgaben besteht in der Untersuchung natürlicher oder umgangssprachlicher Äußerungen, auch im Hinblick auf den Gebrauch philosophischer Begriffe wie Zeit oder Freiheit im Kontext alltäglicher Rede. Gleichzeitig konzentrieren sich die Strömungen auf eine eindeutige Bestimmung der zur Lösung philosophischer Grundsatzfragen verwendeten Begriffe (siehe Linguistik).

Gemeinsam ist allen diesen Ansätzen der analytischen Philosophie die Behauptung, dass die nach naturwissenschaftlicher Methodik verfahrende Analyse von Sprache bzw. von so genannten Sprachkonzepten eine der wesentlichen Aufgaben von Philosophie generell darstelle. Damit geht eine deutliche Ablehnung metaphysischer Spekulation durch Vertreter der Richtung einher. Starke Unterschiede allerdings bestehen in der Verfahrensweise analytischer Betrachtung. So legen einige Richtungen der Sprachphilosophie ihr Hauptaugenmerk auf die Untersuchung bestimmter Wörter oder Sätze, um zu einer eindeutigeren Klärung philosophischer Terminologie zu gelangen. Andere hingegen suchen nach Kriterien, die eine Differenzierung zwischen unsinniger und bedeutungstragender Rede erlauben. Eine dritte Gruppe wiederum konzentriert sich auf den Entwurf einer auf mathematischen Grundsätzen beruhenden, formalen Symbolsprache, die philosophische Probleme effektiver behandeln helfen soll (siehe Logik).

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Vorläufer

Die sprachanalytische Methode nahm ihren Anfang bereits in der Philosophie der Antike. Zahlreiche der sokratischen Dialoge Platons etwa haben die Erklärung von Begriffen und Konzepten zum Inhalt; so wird im Kratylos Sprache als „belehrendes Werkzeug” definiert, eine Vorstellung, die bis ins so genannte Organon-Modell Karl Bühlers nachwirkt. Die Art und Weise der Betrachtung indes wandelte sich im 20. Jahrhundert von einer rein mutmaßlichen zu einer eher wissenschaftlich fundierten Sprachauffassung .

Unter dem Einfluss der frühen englischen Empiristen John Locke, George Berkeley, David Hume und John Stuart Mill (siehe Empirismus) sowie der Schriften des deutschen Philosophen und Mathematikers Gottlob Frege schufen die britischen Denker G. E. Moore und Bertrand Russell die Grundlagen der zeitgenössischen analytischen und linguistischen Strömungen. Als Begründer des Neurealismus vertraten sie die Ansicht, dass eine genaue Analyse der Sprache zu den unabdingbaren Desideraten jeder philosophischen Betrachtung gehöre, und bestimmten damit die Richtlinien für weite Bereiche der englischsprachigen Philosophie im 20. Jahrhundert. Dabei stellten sich Moore und Russell dezidiert gegen das idealistische Realitätsmodell in der Tradition Georg Wilhelm Friedrich Hegels. Kritisiert wurde vor allem die Lesart des englischen Metaphysikers Francis Herbert Bradley, der behauptete, dass Wirklichkeit ein Produkt nicht der sinnlichen Wahrnehmung, sondern ausschließlich des Geistes sei und damit nicht mit einer naturwissenschaftlichen Methodik erkannt werden könne. Demzufolge verneinte Bradley den Wahrheitsgehalt empirisch-objektivierender Sätze wie „Ich habe Zahnschmerzen” oder „Der Apfel ist reif”, weil diese aufgrund ihrer abstrahierenden Tendenz keinerlei Aussagewert hinsichtlich der Welt einzelner Tatsachen besäßen. Ebenso verfuhr Bradley mit der Idee der Prädikation.

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Moore und Russell

Zunächst von Bradley und vom Neuplatonismus beeinflusst, definierte Moore später die Aufgabe der Philosophie in erster Linie als Analyse und Klärung von Begrifflichkeiten. Demzufolge besteht das Ziel des philosophischen Denkens darin, rätselhafte oder mehrdeutige Sätze bzw. Wörter durch die Verwendung klarerer zu erhellen, die den ursprünglichen Bezeichnungen allerdings logisch äquivalent sein müssen. Gelingt dieser Schritt, so lässt sich nach Ansicht Moores der Wahrheitsgehalt philosophischer Aussagen präziser bestimmen. Bei seiner eigenen Analyse setzte sich Moore vorrangig mit den Aussagen anderer Philosophen auseinander, die ihm besonders paradox erschienen. Dabei baute er auf die Vorstellung des Common Sense, den im Alltag erprobten gesunden Menschenverstand, der philosophische Spekulation, vor allem die des Idealismus, so die These, bereits im Ansatz ad absurdum führe (Refutation of Idealism, 1903). Nach Moore galt es, jene Alltagswahrheiten philosophisch exakt in terminologischen Formeln zu erfassen (A Defence of Common Sense, 1924).

Russell, der sich von der Präzision der mathematischen Wissenschaften stark beeindruckt zeigte, versuchte, eine ihren logischen Gesetzmäßigkeiten entsprechende Fachsprache zu konzipieren, welche die Objektwelt genau widerspiegeln sollte. Grundlage hierbei war die These, dass jede komplexe Aussage in einfachste Grundbestandteile, so genannte atomare Propositionen, zerlegbar sei, die den kleinsten Bausteinen des Universums, den Atomen, gegenüberstünden. Russels so genannter Logische Atomismus basiert demnach auf der Annahme, dass Propositionen nur dann Bedeutung zukommt, wenn sie in der Welt außersprachlicher Tatsachen ihre adäquate Entsprechung finden. Russells Untersuchungen von Sprachstrukturen ließen den Philosophen zwischen der grammatikalischen und der logischen Form einer Aussage differenzieren. So unterscheiden sich die Sätze „John ist gut” und „John ist groß” nicht nach ihrer grammatikalischen Struktur, wohl aber nach dem logischen Gehalt. Eine Gleichsetzung beider könnte zu der Annahme führen, das Prädikat „Güte” sei für John in gleicher Weise charakteristisch wie jenes der „Größe”. Russel sah in derartigen Fehlschlüssen die Ursache zahlreicher philosophischer Begriffsverwirrungen.

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Wittgenstein

Beeindruckt von Russells Arbeiten ging Ludwig Wittgenstein nach Cambridge, um dort bei seinem Vorbild zu studieren. Bald schon kam ihm eine zentrale Position innerhalb der analytischen und linguistischen Bewegung zu. Bereits in seinem philosophischem Erstling, dem Tractatus Logico-Philosophicus (1921), bestand Wittgenstein auf der Feststellung, dass „alle Philosophie Sprachkritik” sein und der logischen Klärung von Gedanken dienen müsse. Dementsprechend kam der Tractatus zu einem ähnlichen Ergebnis wie Russells logischer Atomismus. Wittgenstein zufolge setzt sich die Welt aus einfachen Tatsachen zusammen, die es sprachlich abzubilden gilt. Dieser Gedanke wird im berühmten Einleitungssatz des Tractatus: „Die Welt ist alles, was der Fall ist”, klar umrissen. Die Struktur bedeutungstragender Aussagen über Wirklichkeit muss Wittgenstein zufolge deshalb ebenso einfach sein wie die Sachverhalte oder Dinge, auf die sie sich beziehen. Für den frühen Wittgenstein konnten demnach nur solche Propositionen Bedeutung transportieren, und daher wissenschaftlich genannt werden, die zur Abbildung von Tatsachen geeignet sind. Alle Aussagen der Metaphysik, Theologie und Ethik bezeichnete der Philosoph konsequenterweise als sinnlos.

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