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TempelEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Typen und Bestandteile des Tempels; Ägypten und Mesopotamien; Griechenland; Römisches Reich; Indien und Südostasien; China und Japan; Altamerikanische Tempel
Der römische Tempel (etwa 4. Jahrhundert v. Chr. bis 3. Jahrhundert n. .Chr.) entwickelte sich aus dem etruskischen Podiumstempel mit Treppenaufgang und Säulenvorhalle und griechisch-hellenistischen Bauformen (siehe römische Kunst und Architektur: Sakralbauten). Im Gegensatz zu den griechischen Tempelanlagen waren die römischen meist in die Stadt eingebunden und hoben sich durch die erhöhte Lage unter den anderen Bauwerken hervor. Ein gut erhaltenes Beispiel eines römischen Podiumstempels ist die Maison Carrée (französisch: viereckiges Haus) in Nîmes. In der griechischen wie in der römischen Baukunst fanden sich Sonderformen, so etwa der Rundtempel ohne Cella (Monopteros), der vereinzelt auch in einer Bauform mit Cella vorkam (Tholos), wie der Rundtempel der Vesta in Rom. Die kanonischen Tempelformen der griechischen und römischen Antike, die die Architektur der westlichen Welt maßgeblich beeinflussten, entfalteten ihre Wirkung besonders in den Bauformen der Renaissance und des Klassizismus.
Die wichtigste Form des buddhistischen Sakralbaus ist der Stupa, ein zunächst halbkugel-, später glockenförmiges Bauwerk aus Stein, das ursprünglich als Reliquienbehälter diente. Es erhebt sich über einem terrassenförmigen Unterbau und wird von einem Mast und mehreren übereinander liegenden Ehrenschirmen bekrönt, seine Bauteile symbolisieren die kosmische Weltordnung. Eines der bekanntesten Bauwerke dieses Typus ist der Große Stupa in Sanchi (3. Jahrhundert v. Chr. bis 1. Jahrhundert n. Chr.). Der indische Höhlentempel, der in den Felsen gehauen ist, besitzt eine dreischiffige basilikaähnliche Gebetshalle, die Tschaitja (Tschaitja, indisch: Gehäuftes. Begriff, der auch für Stupa verwendet wird), in deren Apsis ein Reliquienbehälter steht. Bedeutende Höhlentempel finden sich in Karli und Ajanta. Bei den frei stehenden hinduistischen Tempeln handelt es sich um große, rechteckige, symmetrisch angelegte Tempelbezirke mit einem Turmheiligtum und mehreren Nebengebäuden. Ein typisches Beispiel hierfür ist der Lingaraja-Tempel (um 1000 n. Chr.) in Bhubaneswar. Das Heiligtum gleicht einem riesigen Steinbrunnen und besitzt einen kleinen kuppelähnlichen Abschluss mit Kreuzblume. Dieser Stil findet sich hauptsächlich in Nordindien. Kennzeichen der südindischen Tempelstädte, deren Zentrum ein kleiner Schrein bildet, sind die hohen aufwendig gestalteten Tortürme (Gopura) an den Schnittpunkten der Tempelachsen. Bei den hinterindischen Tempelanlagen stehen meist mehrere Einzelgebäude in einem größeren Tempelbezirk, der von einem Stupa abgeschlossen wird. Der zentrale Stupa von Borobudur (spätes 8. Jahrhundert) auf Java liegt auf einem großen abgestuften Sockel und ist von einer großen Anzahl kleinerer Stupas umgeben. Auch die Khmer-Monumente in Kambodscha wie Angkor Wat (frühes 12. Jahrhundert) sind indisch beeinflusst (siehe indische Kunst und Architektur).
Mit dem Vordringen des Buddhismus wurde in China zunächst der lange, niedrige Hallenbau als Tempel genutzt. Später wurden höhere, senkrechte Konstruktionen errichtet, die die Statue eines Buddhas aufnehmen konnten. Als Baumaterial diente Holz, das eine häufige Wiedererrichtung des Gebäudes ermöglichte. Hauptbautyp ist die dian, eine rechteckige Halle, die auf Steinfundamenten als Holzskelettbau errichtet wird. Die Last des Daches ruht auf einem Tragwerk aus Säulen und einer horizontalen Balkenkonstruktion, auf denen wiederum tragende Säulen und Querbalken errichtet werden können. Ein so geschichteter Dachstuhl ergibt die augenfällige geschwungene Dachform (Walmdach) des chinesischen Tempels. Die Dachpfetten (parallel zum First verlaufende Hölzer) werden so abgestuft, dass ihr Höhenverhältnis die charakteristische Dachneigung des Gebäudes bewirkt. Die Dächer werden mit Brettern abgedichtet, damit die Form der Ziegeldeckung (bei Tempeln der Kaiserfamilie gelb, beim Himmelstempel blau, sonst grau glasiert) noch einmal in einem Mörtelbett modelliert werden kann. Errichtet werden die Tempel bevorzugt auf einer Nordsüdachse, so dass die Querseiten der Gebäude nach Süden gerichtet sind, wobei das Hauptgebäude meistens im Norden liegt. In einem solchen Verbund mit mehreren Tempelgebäuden, die sich um Höfe gruppieren, stellen Tempel in den Städten einen Blickfang dar, auch wenn sie nicht als hohe Monumentalbauten errichtet worden sind. Die in China und Japan häufige Pagode, ein aus dem Stupa der buddhistischen Baukunst entwickelter Stockwerksbau, wird um einen Mittelpunkt aus Holz oder Ziegel errichtet und baut auf einem quadratischen oder polygonalen Grundriss auf. Die meist ungerade Anzahl von Stockwerken beträgt zwischen drei und neun. Die Dächer der Stockwerke springen weit hervor und nehmen im Durchmesser ab, je höher sie liegen. Die Pagode als umschreitbares Heiligtum kann allein oder im Verbund mit anderen Bauten einer buddhistischen Tempelanlage entstehen. Ein herausragender Pagodenbau ist der Himmelstempel (Baubeginn 1421; restauriert 1890) in Peking, dessen Dachform einem großen kegelförmigen Hut gleicht (siehe chinesische Kunst und Architektur). Eine japanische Tempelanlage umfasst, meist in axialer Anordnung nach chinesischen Vorbildern, ein Torhaus, eine Haupthalle (Buddhahalle) und eine Lese- oder Zeremonienhalle. Türme werden meistens in Form einer Pagode errichtet. Japanische Tempel, die aus der chinesischen Bautradition stammen, sind oft gut erhalten, da die Holzbauten nach ihrem Verfall stets neu im alten Stil wiedererrichtet wurden. Die einfachen Holzbauten des shintoistischen Schreins von Ise werden seit dem Jahr 685 alle 20 Jahre im gleichen Stil auf einem anderen Platz des Areals errichtet. (siehe japanische Kunst und Architektur).
Bei den altamerikanischen Kulturen (hauptsächlich im heutigen Mexiko, Guatemala, Peru) bildeten stufenförmige Pyramiden einen Unterbau, auf dem der eigentliche Tempel dann aus Stein und in Peru aus Lehmziegeln (Adobe) errichtet wurde. Die aztekischen Tempel waren von großen Höfen umgeben, und an der Spitze der Gebäude wurden Götterwohnungen eingerichtet (Teocalli). Der Sonnentempel in Teotihuacán (eine Stadt, die ihre Blütezeit im 1. Jahrtausend n. Chr. hatte) ist eine Stufenpyramide, die aus waagerechten Lagen oder Schichten von nach oben abnehmender Größe besteht. Diese Pyramiden konnten über (heute noch teilweise erhaltene) Freitreppen bestiegen werden. Die Mayatempel wurden auch als Pyramiden gebaut, allerdings dienten sie gewöhnlich als Basis für eine eingefriedete Konstruktion auf der Tempelspitze. In Chichén Itza hatte der Kriegertempel eine ansehnliche Kolonnaden-Halle. Diese Bauwerke bestanden aus Stein oder aus aufgeschütteter Erde, die mit Stein verkleidet wurde; einige wurden auch mit bemaltem Gips statt mit behauenen Quadern verkleidet. Pyramidentempel wurden meist nach dem Lauf der Sonne orientiert, der Sonnentempel von Teotihuacán war nach dem Lauf der Sonne zur Sommersonnenwende ausgerichtet. Im Andenraum sind noch Tempelbauten in Pyramidenform der Mochicakultur (bei Trujillo, Peru) erhalten, die um 500 n. Chr. errichtet wurden (siehe präkolumbische Kunst und Architektur).
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