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Bestattung

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Begräbnistanz der Dogon, MaliBegräbnistanz der Dogon, Mali
Artikelgliederung
1

Einleitung

Bestattung, auch Begräbnis, feierliche Beisetzung Verstorbener. Man unterscheidet Erdbestattung (siehe Grab), Luft- bzw. Seebestattung sowie Einäscherung. Die Beisetzung kann je nach Religion von unterschiedlichen Bestattungsriten (Funeralriten) begleitet sein.

Die Vorschriften und Regeln im Zusammenhang mit Tod und Beisetzung hängen eng mit dem religiösen Verständnis des Todes und dem Glauben an ein Jenseits zusammen, erfüllen aber darüber hinaus auch wichtige psychologische, soziologische und symbolische Funktionen für die Hinterbliebenen.

2

Vorbereitung und Bestattung des Leichnams

In allen Gesellschaften wird der Leichnam in einer kulturell bestimmten Art und Weise vorbereitet, bevor er endgültig bestattet wird. Archäologische Funde zeigen, dass bereits die Neandertaler die Bestattung ihrer Toten ritualisiert hatten. Häufig wird der Leichnam gewaschen, speziell gekleidet oder mit Zierrat, religiösen Objekten oder Amuletten geschmückt. Die umfassendste Behandlung des Leichnams ist die Einbalsamierung. Die Bewohner des antiken Ägyptens glaubten, dass der Körper unversehrt sein müsse, damit die Seele ins Totenreich gelangen könne. Um den Leichnam konservieren zu können, entwickelten sie Techniken der Mumifizierung.

Die unterschiedlichen Bestattungsweisen hängen mit religiösen Überzeugungen, klimatischen und geographischen Gegebenheiten und dem sozialen Status zusammen. Wird der Tote begraben, so steht dies meist mit einem Ahnenkult oder einem Jenseitsglauben in Verbindung. Die Feuerbestattung wird manchmal als Befreiung der Seele des Verstorbenen verstanden. Die weit verbreitete Praxis der Luftbestattung mag in arktischen Regionen mit ihren ganzjährig gefrorenen Böden lediglich das Begräbnis ersetzen; bei den Anhängern des Parsismus (einer altpersischen Religion) hat sie auch eine spezifisch kultische Bedeutung. Weniger verbreitet sind die Wasserbestattung (Seemannsgrab), die Praxis, den Leichnam in einem Boot übers Meer auf die Reise ins Totenreich zu schicken. Auch ritueller Kannibalismus kommt vereinzelt vor.

3

Bestattung und Trauerrituale

Die eigentliche Bestattung – die Überführung des Toten an den Ort des Begräbnisses, der Feuerbestattung oder der Luftbestattung – ist der gesellschaftliche Ort für mehr oder weniger komplexe Rituale. Häufig wird aus der Überführung des Leichnams ein bis ins Einzelne geregelter Leichenzug. Im Hinduismus führt ein Mann mit einem brennenden Holzscheit die Prozession zum Ort der Feuerbestattung an. An einer bestimmten Stelle umringen die Trauernden dann die Bahre, und der Leichnam wird verbrannt. In einigen hinduistischen Gruppierungen musste die Witwe früher Sati begehen, d. h. sich selbst auf den brennenden Scheiterhaufen ihres Mannes werfen. In den letzten Jahren ist in Indien ein Wiederaufleben der Witwenverbrennung zu beobachten. Häufig wird die Witwe von Verwandten aus finanziellen Interessen dazu gezwungen. Die Asche der Verstorbenen wird dann in einem heiligen Fluss ausgestreut. Im antiken Griechenland, Ägypten und in China wurden manchmal Sklaven zusammen mit ihren Besitzern begraben. Diese Form des Menschenopfers beruhte auf dem Glauben, dass die Toten im Jenseits weiterhin auf die Dienste der Sklaven angewiesen seien.

In den heutigen westlichen Gesellschaften gehören Totenwachen, Leichenzüge, Glockengeläut, eine religiöse Zeremonie und letzte Worte zu den Bestattungsriten. Bei der Beisetzung mit militärischen Ehren wird häufig Salut geschossen. In manchen Kulturen ist vorgeschrieben, dass die Familie des Toten sich für eine bestimmte Zeit absondert. Die jüdische Tradition etwa schreibt nach der Beisetzung eines nahen Verwandten eine Absonderungszeit von sieben Tagen vor.

Der Wunsch, das Andenken des Verstorbenen zu bewahren, ließ zahlreiche Formen des Gedenkens entstehen; dazu zählen die Aufbewahrung von Teilen des Körpers als Reliquien, Denkmäler, Totenlieder oder Epitaphe auf Grabsteinen.

4

Symbolik und gesellschaftliche Bedeutung

In zeitgenössischen anthropologischen Untersuchungen werden Bestattungsriten als symbolischer Ausdruck der in einer Gesellschaft herrschenden Werte verstanden. Ein solches Verständnis wird durch die Beobachtung gestützt, dass im Zusammenhang mit einer Bestattung vieles von Konventionen bestimmt ist. Selbst die Gefühle beim Trauerritual können traditionell vorgegeben sein. Klageweiber, die mit dem Verstorbenen nicht verwandt sind, können zum Wehklagen angeheuert werden. Ebenso kann traditionell vorgeschrieben sein, wann und wo die Hinterbliebenen ihre Gefühle zeigen dürfen und müssen.

Ethnologen haben vier symbolische Hauptelemente ausgemacht, die – ungeachtet der vielfältigen Erscheinungsformen von Trauerriten – immer wieder vorkommen. Dabei ist zunächst die Farbsymbolik zu nennen. Auch wenn der Tod nicht überall mit der Farbe Schwarz verbunden wird, wird doch häufig schwarze Kleidung als Zeichen der Trauer getragen. Ein zweites Element ist in vielen Kulturen die besondere Behandlung des Haares der Trauernden, das zum Zeichen der Trauer geschoren wird oder das man im Gegenteil wachsen lässt und das dann als Symbol der Trauer zerzaust wird. Drittens gehören häufig laute Feierlichkeiten und Trommeln zu den Beerdigungsriten. Schließlich werden in vielen Kulturen verschiedene profane Techniken zur Konservierung des Leichnams eingesetzt. Die Zeremonien, die sich um den Tod ranken, werden (wie auch die Zeremonien anlässlich der Geburt, des Übergangs in den Erwachsenenstatus und der Heirat) in der Ethnologie als Übergangsriten verstanden.

Gesellschaftlich gesehen, wird die symbolische Bedeutung des Todes bei den Beisetzungsfeierlichkeiten für einen Herrscher am deutlichsten. Besonders in Kulturen, in denen der Herrscher die Ethnie oder die Nation personifiziert, nehmen solche Feierlichkeiten häufig das Ausmaß eines politischen Dramas an, bei dem die ganze Nation auf dem Spiel steht. Die Beisetzung des Herrschers ist vielfach nicht einfach ein religiöses Ereignis; vielmehr hat sie häufig weit reichende politische und im Verständnis mancher Völker auch kosmologische Folgen. Die ägyptischen Pyramiden waren beispielsweise sowohl das Symbol als auch der Beweis der königlichen Autorität. Da der Pharao die lebende Verkörperung gesellschaftlicher Dauer und geistlicher und weltlicher Autorität war, war all dies gefährdet, sobald er starb. Zur Wahrung der Kontinuität der Herrschaft und des Wohles des Volkes war es unbedingt nötig, dass sein Nachfolger an den Beisetzungsfeierlichkeiten teilnahm. In Thailand suchten traditionell der neue König und andere Angehörige der königlichen Familie nach der Verbrennung des Leichnams des verstorbenen Königs seine Asche nach übrig gebliebenen Knöchelchen ab. Diese wurden als Reliquien Mittelpunkt eines königlichen Kultes, mit dem die fortgesetzte Anwesenheit und Autorität des verstorbenen Herrschers gesichert werden sollte.

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