![]() |
Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse SunnitenEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Geschichtliche Entwicklung; Sunna und Hadith; Das sunnitische Kalifat; Die Rechtsschulen der Sunniten
Sunniten (arabisch: Menschen der Sunna), neben den Schiiten eine der beiden Hauptgruppen des Islam, die mit etwa 85 Prozent die Mehrheit der Muslime ausmacht. Beide Gruppen unterscheiden sich weniger durch ihre Frömmigkeitspraxis, denn die Grundlage des Glaubens beider Richtungen ist der Koran und das Vorbild Mohammeds, genauso verrichten beide fünfmal am Tag das Gebet, fasten im Monat Ramadan und beteiligen sich an der Hadsch, der Pilgerfahrt nach Mekka. Der Unterschied besteht vielmehr in der Leitung der Ämter im Islam, in der Auslegung des Korans und in der Rechtsprechung. Während die circa 200 Millionen Schiiten hauptsächlich im Irak und im Iran vertreten sind, leben Sunniten u. a. in Saudi-Arabien, Ägypten, Algerien, Marokko, in der Türkei, in Pakistan, Malaysia und Indonesien. Weltweit gibt es etwa eine Milliarde Sunniten.
Die Trennung der Muslime in Sunniten und Schiiten hat ihren Ausgangspunkt in dem Konflikt um die Herrschernachfolge nach dem Tod Mohammeds im Jahr 632 unserer Zeitrechnung. Ein Großteil der Muslime vertrat die Ansicht, dass zur Nachfolge nur der Beste geeignet sei, wobei verwandtschaftliche Beziehungen zu Mohammed keine Rolle spielen sollten. Dieser Ansicht widersprach die Schi’at Ali, die Partei Alis, welche die Meinung vertrat, dass nur Ali ibn Abi Talib, der Schwiegersohn des Propheten dessen einzig legitimer Nachfolger sei. Dennoch entschied sich die Mehrheit der Muslime gegen die Wahl Alis, dem sie nicht die besten Führungsqualitäten zutrauten, und entschieden sich für Abu Bakr, den Vater von Mohammeds Lieblingsfrau. Aus diesem Nachfolgestreit entfachte sich ein Dauerstreit, der sich noch verschärfte, als auch nach dem Tod Abu Bakrs nicht Ali, sondern Omar ibn al-Chattab und danach der Omaijade Othman ibn Affan an die Macht kam. Erst im Jahr 656, nach der Ermordung Othmans, wurde Ali zum Kalifen gewählt. Er wurde jedoch nicht von allen anerkannt, was zum ersten Krieg zwischen Muslimen führte – mit der Schi’at Ali auf der einen Seite und den Anhängern des Omaijaden Muawija, des fünften Kalifen, der Ali der Mitschuld am Tod Othmans bezichtigte, auf der anderen Seite. Die Schi’at Ali beugte sich den gegnerischen Kräften jedoch nicht. Alis zweiter Sohn Husain führte 680 seine Anhänger gegen die Armee des Kalifen Yazid, den Sohn und Nachfolger Muawijas. Die Schlacht endete bei Kerbela in der irakischen Wüste, wo Husain und seine Leute umzingelt und am 10. Muharram (Oktober) 680 niedergemetzelt wurden. Die Niederlage bedeutete zunächst das politische Ende der Schi’at Ali. Diese Streitigkeiten um die Nachfolge deuteten in den ersten Jahren nicht darauf hin, dass sie die Muslime dauerhaft in feindliche Parteien und sogar Glaubensrichtungen aufspalten würden. Erst 200 Jahre nach Mohammeds Tod bildeten sich die verschiedenen Konfessionen heraus, und die Strukturen verfestigten sich. Einer der grundlegenden Unterschiede zwischen Sunniten und Schiiten besteht darin, dass die Letzteren nur Nachkommen aus der Familie Alis als Führer anerkennen und somit alle anderen Kalifen (arabisch khalifa: Nachfolger) als widerrechtliche Machthaber verstehen. Der sunnitische Islam hingegen ist dadurch charakterisiert, dass er die faktischen Inhaber der politischen Gewalt, d. h. die ersten vier Herrscher nach Mohammed in Medina, dann die Dynastie der Omaijaden in Damaskus und die Abbasiden in Bagdad als rechtmäßige Kalifen des Propheten anerkennt. Für die Sunniten besteht die Qualifikation zum Kalifat in der Zugehörigkeit zum Stamm des Propheten und nicht zur Familie Alis.
Die Sunniten leiten ihren Namen von dem arabischen Begriff Sunna ab, der mit Brauch, herkömmlicher Weg oder Tradition übersetzt werden kann. Gemeint sind damit die vom Propheten Mohammed überlieferten Lebensformen, seine Anordnungen, Verbote, Taten und Aussprüche. Diese sind für den Muslim vorbildlich und verbindlich. Als Mohammed starb, begannen seine Gefährten und Nachfolger, die Überlieferungen seines Lebens zu kommentieren und auszuweiten. Diese zunächst mündlich weitergegebenen Überlieferungen wurden im 8. und 9. Jahrhundert systematisch gesammelt und gesichtet und schließlich in Form des Hadith (arabisch: Bericht, Erzählung) aufgezeichnet. Diese Überlieferungen in ihrer Gesamtheit bilden die Sunna, die Prophetentradition. Da nachweislich ein beträchtlicher Teil der Hadithe in sektiererischer Absicht verfälscht oder erst verfasst worden war, wurden bereits im 9. Jahrhundert sechs Hadith-Sammlungen zu den einzig authentischen erklärt. Für die Sunniten, die Anhänger dieser orthodoxen Sunna, bilden sie bis heute neben dem Koran die zweite zentrale Quelle, aus der Theologen und Rechtsgelehrte ihr Wissen schöpfen. Die Schiiten hingegen haben einen eigenen Hadith – Literatur, die im Wesentlichen aus vier Büchern besteht. Sie akzeptieren nur Überlieferungen, die auf Ali oder die auf ihn folgenden Imame zurückgehen. Wegen dieser fundamentalen Differenz hat die Beschäftigung mit dem Hadith in der islamischen Welt bis heute ihre Brisanz behalten.
Die Sunniten halten an der Rechtmäßigkeit der Kalifen gegenüber dem von den Schiiten vertretenen Imamat fest. Der Kalif galt bei den Sunniten als auserwählter Nachfolger des Propheten. Dabei folgte er diesem nur als politischer und militärischer Führer nach und nicht als geistliche Autorität. Das arabische Wort Imam bedeutet Vorbeter oder Leiter einer Gemeinde, ein Titel, der auch bei den Sunniten üblich ist. Dort steht der Imam einer Moschee vor und ist ein gewöhnlicher Mensch. Bei den Schiiten hingegen ist der Imam sowohl ein politischer als auch ein Führer in Glaubensfragen, der selbst von Gott geleitet wird. Er wird als letztgültiger Interpret von Gottes Willen angesehen und hat beinahe uneingeschränkte Macht inne. Während die Schiiten ihre Imame wie Heilige verehren, erscheint den Sunniten diese Form der Überhöhung eines Menschen als Form von Ketzerei. Besonders von den Aschura-Riten, den alljährlichen Trauerritualen der Schiiten, die zu Ehren des als Märtyrer verehrten, bei Kerbela gefallenen Husain gefeiert werden, halten Sunniten Abstand und bezeichnen sie als unislamisch.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |