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Buchbinderei, letzter Arbeitsgang bei der Buchherstellung nach Abschluss der Druckarbeiten. Dabei wird der Buchblock, also der Teil des Buches, der aus den gefalzten, mit Fadenheftung oder Klebebindung zusammengehaltenen, beschnittenen Bogen besteht, in den Bucheinband (auch Buchdecke genannt) eingehängt und mit diesem verbunden.
Bis zum Aufkommen der Massenfertigung im 19. Jahrhundert waren Bücher etwas relativ Seltenes und Kostspieliges, und die Besitzer ließen sie von Hand binden, um die Buchblöcke zu schützen und zu schmücken. Bei den frühesten Bucheinbänden der Kopten aus dem 2. Jahrhundert in ägyptischen Klöstern handelte es sich um lederbezogene Holztafeln, die die gehefteten Lagen aus Papyrus mit Riemen zusammenhielten. Im Orient waren die Buchdecken später leichte Hüllen aus Leder oder Karton, die mit den gehefteten Druckbögen verklebt wurden. In islamischen Ländern verzierte man Buchdecken aus Falzleder mit gestanzten Blindprägungen oder mit Blattgold. Einbanddecken aus Karton waren häufig mit aufwendigen Blumenmustern bemalt oder lackiert. Im Mittelalter benutzte man in Europa Pergament zur Buchherstellung, eine besonders zubereitete Membran aus ungegerbter Tierhaut. Dieses Material, das beständiger und für eine Beschriftung besser geeignet war, erforderte haltbarere Einbände. Mönche und Hofbedienstete hefteten die einzelnen Blätter zusammen, verstärkten die Buchrücken mit Pergamentstreifen oder Bünden und klebten sie an schwere Eichentafeln, die mit Leder zusammengehalten und mit Schließen versehen waren. Die Holztafeln waren oft mit Leder bezogen und mit Blindprägungen geschmückt, die Titelfelder häufig reich verziert mit Gold, Silber oder Elfenbein und mit Edelsteinen oder Emaillearbeiten besetzt. Seit dem 16. Jahrhundert wurden die Buchdecken einfacher und leichter, da seit der Erfindung des Buchdruckes mit beweglichen Lettern berufsmäßige Drucker auftraten, die Bücher in größerer Zahl und zu einem niedrigeren Preis herstellen konnten. Die Buchblöcke selbst wurden vom Buchhändler ungebunden verkauft und erst später von Buchbindern, die seit Mitte des 16. Jahrhunderts in Zünften organisiert waren, mit Einbänden versehen. Als Einbandmaterial begann Pappe die Holzdeckel zu ersetzen. Besonders für die Bibliotheken reicher Privatleute und des Adels wurden aber auch Ledereinbände in Auftrag gegeben, die häufig mit Blattgold geprägt und reich verziert waren. Eines der zahlreichen Zentren der künstlerischen Buchgestaltung war Paris, und die dort gefertigten Bücher fanden im 16. Jahrhundert das Interesse bibliophiler Sammler, wie etwa Jean Grolier, oder sogar des Königshofes. In den folgenden Jahrhunderten brachten Verleger in ganz Europa ungebundene Bücher auf den Markt, die der Käufer dann nach Belieben binden lassen konnte, z. B. passend zu den übrigen Bänden seiner Bibliothek. Als Bücher später in immer höheren Auflagen gedruckt wurden, begann sich die industrielle Buchbindung durchzusetzen, und die Handbindung wurde zunehmend zum Luxus. Angeregt durch kunsthandwerkliche Reformbestrebungen, wie das durch den englischen Designer William Morris initiierte Arts and Crafts Movement des 19. Jahrhunderts, fertigten Künstler jedoch weiterhin für wohlhabende Käufer aufwendige Bucheinbände von Hand.
Bei der industriellen Buchbinderei handelt es sich um einen mechanisierten Vorgang, bei dem verschiedene Maschinen zum Einsatz kommen. Manche davon bewältigen mehr als einen Arbeitsgang, und das Zwischenprodukt wechselt mühelos von einem Arbeitsgang zum nächsten. Bücher mit festem Einband (Hardcover) werden in der Regel mit Fadenheftung gebunden. Dafür werden die Planobogen zunächst von der Maschine zu Einheiten von 12 oder 24, 16 oder 32 Seiten gefalzt, wobei für den Umfang des Falzbogens Papierstärke und Buchformat ausschlaggebend sind. Die gefalzten Bogen werden von einer Maschine kollationiert und nach Kontrolle der richtigen Reihenfolge von einer Heftmaschine durch die Bogenmitte zusammengeheftet. Die robustere Fadenheftung wird heute häufig durch die Klebebindung ersetzt, auch fadenlose Bindung genannt, die für Broschüren oder Taschenbücher verwendet wird. Dabei werden die Falzkanten der Bogen abgeschnitten und die Blattkanten unter großem Druck mit einem erhitzten synthetischen Klebstoff an einen Streifen Gaze oder Papier gepresst. Diese Art der Bindung ist zwar nicht so haltbar wie die Fadenheftung und daher nicht für alle Bücher geeignet, aber trotzdem relativ stabil und in der Herstellung wesentlich billiger. Nach dem Heftvorgang wird der Buchblock zusammengepresst und mit einer Maschine an drei Seiten beschnitten, um die Falze zu entfernen. Danach können Farb- oder Goldschnitte an den Schnittseiten des Buches angebracht werden. Im Falle der Fadenheftung wird mit einer weiteren Maschine der Rücken gerundet und mit Klebstoff überzogen. Darüber wird Gaze oder Leinendrell gelegt, um dort als Verstärkung zu dienen, wo die Buchdecke abknickt, und an Kopf und Fuß des Buchblockrückens ein Kapitalband angebracht. Mit derselben Maschine wird ein Papierstreifen auf den Leinendrell aufgebracht, was die Haltbarkeit des Buches verstärkt. Der Bucheinband wird in einem separaten Arbeitsgang gefertigt. Er besteht aus zwei Deckeln aus Pappe, die mit Leinen, Papier, Kunststoff oder Leder überzogen und mit dem verstärkten Buchrücken verbunden sind. Dafür werden auf breite Streifen aus Rollen mit Buchleinen (oder einem anderen der oben genannten Gewebe) maschinell die fertig zugeschnittenen Papptafeln aufgeklebt. Auf Spezialpressen können diese Einbanddecken dann tiefgeprägt werden. Bei Kinder- und Lehrbüchern geht das Buchleinen häufig vorbedruckt zum Binden. Die dabei verwendeten Drucktechniken heißen Offsetlithographie oder Siebdruck. Mit einer weiteren Maschine wird der gerundete und verstärkte Buchblock dann in die Einbanddecke eingehängt, wobei sein Vorsatz- bzw. Rücksatzblatt mit Klebstoff an deren Innenseiten befestigt wird. Ist der Klebstoff vollständig trocken, wird das Buch maschinell mit einem Schutzumschlag versehen. Besonders aufwendige oder teuere Bücher werden zuweilen in einem schützenden Pappschuber versandt.
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