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Radikal

Enzyklopädieartikel

Radikal, im chemischen Sinn ein Atom, ein Molekül oder ein Ion mit einem ungepaarten Elektron. Man kennt auch Radikale mit zwei oder mehreren ungepaarten Elektronen, die untereinander nicht in Wechselwirkung stehen. So genannte freie Radikale haben eine kurze Lebensdauer, sind in der Regel sehr reaktionsfreudig und damit instabil. Sie treten häufig bei chemischen Reaktionen als unbeständige Zwischenprodukte auf und gehen anschließend Folgereaktionen ein – oft handelt es sich dabei um Kettenreaktionen. Diese Reaktionen sind in manchen Fällen sogar gewünscht, wie z. B. bei der Polymerisation (siehe Polymere). So nutzt man beispielsweise die Entstehung und die Folgereaktionen von Radikalen bei Verfahren zur Herstellung von Gummi und Kunststoffen. Radikale sind auch häufig Begleiter von Kettenreaktionen, die z. B. Flammen oder Feuer verursachen.

Chemisch können Radikale auf drei Arten entstehen:

1.) bei so genannten Einelektronenübertragungen; wenn z. B. eine kovalente Bindung zwischen zwei Atomen symmetrisch gespalten wird (homolytische Spaltung), wobei jedes der beiden entstehenden Bruchstücke jeweils ein ungepaartes Elektron erhält. Diese Art der Radikalbildung kann man beispielsweise bei photochemischen Prozessen beobachten.

2.) bei der Reaktion mit anderen Radikalen entsteht praktisch durch die chemische Vereinigung des nichtradikalen Teilchens mit dem Radikal ein neues Radikalteilchen.

3.) Radikale treten nicht nur bei rein chemischen Vorgängen sondern auch bei biochemischen Prozessen im Körper auf. Ein Beispiel hierfür sind biochemische Reaktionen, die bei der Zerstörung von eingedrungenen Fremdorganismen durch weiße Blutkörperchen ablaufen.

Radikale spielen möglicherweise auch bei verschiedenen Krankheiten eine Rolle, darunter bei Arthritis, Herzleiden und der Alzheimer-Krankheit. Wenn die natürliche Enzymkontrolle versagt, greifen Radikale die Lipide, Eiweiße und Nucleinsäuren des Organismus an.

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