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Artikelgliederung
Evolution des Menschen, die biologische und kulturelle Entwicklung der Spezies Homo sapiens. Unsere Kenntnisse über die Evolution des Menschen beruhen auf zahlreichen fossilen Knochen- und Zahnresten, die an verschiedenen Orten in Afrika, Europa und Asien gefunden wurden. Gezielte Grabungen haben zudem Stein-, Knochen- und Holzwerkzeuge sowie Feuerstellen, Lagerplätze und Gräber zutage gefördert. Aufgrund dieser Entdeckungen auf den Gebieten der Archäologie und Anthropologie ist allmählich ein Bild der menschlichen Evolution der letzten vier bis fünf Millionen Jahre entstanden.
Der Mensch gehört biologisch gesehen zur Klasse der Säuger und zur Ordnung der Primaten. Innerhalb dieser Ordnung wird er aufgrund morphologischer und genetischer Übereinstimmungen mit seinen inzwischen ausgestorbenen Vorfahren sowie mit den afrikanischen Menschenaffen, seinen engsten noch lebenden Verwandten, in die Familie Hominidae gestellt. Nach einer älteren, noch heute verbreiteten Einteilung werden jedoch alle Menschenaffen einer eigenen Familie Pongidae zugeteilt, der die menschliche Linie als Familie Hominidae (eingedeutscht: Hominiden) gegenübergestellt wird. Da es sich entsprechend der älteren Systematik eingebürgert hat, die ausschließlich menschliche Linie als Hominiden zu bezeichnen, wird dieser Begriff auch im vorliegenden Artikel beibehalten, obwohl er die phylogenetischen Verhältnisse nicht konsequent widerspiegelt.
Untersuchungen fossiler Hominidenreste lassen verschiedene Entwicklungstendenzen hinsichtlich Körperbau und Verhalten erkennen, die für die Hominiden charakteristisch sind. Der zweifüßige Gang, die Bipedie, scheint zu den frühesten und wichtigsten Merkmalen zu gehören, die sich bei Hominiden entwickelt haben. Diese Fortbewegungsart führte zu bestimmten anatomischen Veränderungen der unteren Wirbelsäule, des Beckens und der Beine. Da sich diese Entwicklungen anhand fossiler Knochen dokumentieren lassen, gilt die Bipedie gewöhnlich als entscheidendes Merkmal der Hominiden. Allerdings gab es bereits vor acht Millionen Jahren einen aufrecht gehenden Primaten (Oreopithecus bambolii), der nicht in die Vorfahrenreihe des Menschen gehört. Knochen dieses Affen hatte man bereits in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts in der Toskana gefunden, doch wurden sie erst in neuerer Zeit gründlich ausgewertet. Verschiedenen Hypothesen zufolge nahmen Vormenschen den aufrechten Gang an, um die Hände für den Werkzeuggebrauch frei zu haben, um leichter Früchte von Bäumen pflücken zu können, um besser Beute transportieren zu können oder um in seichten Gewässern waten und nach Nahrung tasten zu können. Zudem erfordert das zweibeinige Laufen des Menschen nur ein Viertel der für das vierbeinige Laufen der Schimpansen benötigten Energie (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2007). Als wenig wahrscheinlich gilt heute, dass unsere Ahnen zum aufrechten Gang übergingen, weil das Klima trockener wurde, Steppen in zuvor bewaldete Regionen vordrangen und die Vormenschen die hohen Steppengräser bei aufrechter Körperhaltung besser überblicken konnten, so dass sie leichter auf Feinde wie Raubtiere aufmerksam wurden. Denn die Evolution des aufrechten Ganges fand nicht in der Steppe statt, sondern in Relikten des Regenwaldes.
Die Fähigkeit des Menschen, Werkzeuge und andere Gegenstände herzustellen und zu benutzen, geht auf die Größe und Komplexität des menschlichen Gehirns zurück. Das Gehirn der heute lebenden Menschen weist ein durchschnittliches Volumen zwischen 1 300 und 1 500 Kubikzentimetern auf. Im Lauf der menschlichen Evolution hat sich die Größe des Gehirns mehr als verdreifacht. Die Zunahme der Gehirngröße lässt sich mit verschiedenen Verhaltensänderungen der Hominiden in Verbindung bringen. Steinwerkzeuge und andere Artefakte (siehe Werkzeuggebrauch) werden um so vielfältiger und anspruchsvoller, je jünger sie sind. Vermutlich ist die Vergrößerung des menschlichen Gehirnvolumens auf ein komplexes Zusammenspiel zurückzuführen: Dazu gehörten die zunehmende Fähigkeit, Werkzeuge herzustellen und zu gebrauchen, sowie andere erlernte Fertigkeiten, die unsere Vorfahren immer besser befähigten, unter den unterschiedlichsten Umweltbedingungen zu überleben. Die ältesten Hominidenfunde stammen aus Afrika. Neuen Funden zufolge begannen Frühmenschen der Art Homo erectus bereits vor mehr als 1,8 Millionen Jahren von Afrika nach Eurasien einzuwandern. Aufgrund von genetischen Untersuchungen an heutigen Menschen ist anzunehmen, dass es in den letzten 800 000 Jahren mehrere weitere Auswanderungswellen von Homo erectus nach Eurasien gab (Nature, 2002). Erst vor etwa 50 000 Jahren gelangten die ersten Hominiden – und zwar Homo sapiens – nach Australien: Vor 45 000 bis 55 000 Jahren nahmen die Feuersbrünste im Norden von Queensland zu – offenbar durch menschlichen Einfluss; der Regenwald wurde zurückgedrängt und viele große Säugetier- und Vogelarten starben aus (Journal of Quaternary Science, 2002). Die Neue Welt wurde wahrscheinlich vor etwa 40 000 Jahren besiedelt. Die frühesten Hominidenfossilien der Gattung Australopithecus weisen auf ausgeprägte Unterschiede zwischen den Körpergrößen von Frauen und Männern hin, was einen deutlichen sexuellen Dimorphismus bei unseren frühen Vorfahren erkennen lässt. Die Skelettreste lassen bei Frauen auf eine Körpergröße von 90 bis 120 Zentimetern und ein Gewicht von etwa 30 Kilogramm schließen. Die Körpergröße der Männer dürfte bei über 150 Zentimetern gelegen, ihr Gewicht knapp 70 Kilogramm betragen haben. Die Ursachen für die Unterschiede in der Körpergröße dürften mit speziellen Verhaltensmustern in den Sozialgruppen früher Hominidenpopulationen zusammenhängen. Seit etwa einer Million Jahren bildet sich dieser extreme Dimorphismus allmählich zurück. Vor 200 000 bis 300 000 Jahren wies der Heidelbergmensch (siehe unten) bereits dasselbe Größenverhältnis zwischen Mann und Frau auf wie der Jetztmensch.
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