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  • Schnecken – Wikipedia

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Schnecken

Enzyklopädieartikel
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Afrikanische RiesenschneckeAfrikanische Riesenschnecke
Artikelgliederung
1

Einleitung

Schnecken, die Mollusken (Weichtiere) der Klasse Gastropoda; dieser wissenschaftliche Name bedeutet „Bauchfüßer” (griechisch gaster: Magen; podes: Füße).

Gehäuseschnecken haben eine einfache Kalkschale (bei den ebenfalls zu den Weichtieren zählenden Muscheln ist diese zweiklappig) und einen asymmetrischen Körper. Schnecken bilden die zweitgrößte Klasse im Tierreich und werden hinsichtlich der Artenzahl nur von den Insekten übertroffen. Die neuesten Schätzungen der Zahl bekannter Arten belaufen sich auf 40 000, was im Vergleich zu früheren Schätzungen (rund 80 000 Arten) eine deutliche Korrektur nach unten darstellt.

Schnecken variieren beträchtlich in Körperbau und Lebensweise. Die kleinsten Arten sind kaum mit bloßem Auge erkennbar, wohingegen die größte, eine Meeresschnecke, bis zu 13 Kilogramm wiegt. Schnecken haben sowohl die meisten marinen Lebensräume erobert als auch Süßwasserlebensräume und sind die einzigen landbewohnenden Weichtiere. Die drei Unterklassen der Schnecken heißen Vorderkiemer, Hinterkiemer und Lungenschnecken, auf letztere beziehen wir uns im Folgenden überwiegend.

2

Körperbau

Die Vorfahren der Schnecken wiesen eine zweiseitige Symmetrie oder Bilateralsymmetrie auf, d. h., sie besaßen spiegelbildlich gleiche rechte und linke Körperhälften. Im Lauf der Evolution entwickelten die Tiere jedoch eine Asymmetrie ihres Körpers, der alle heute lebenden Schnecken kennzeichnet. Dies geschah durch zwei Prozesse: Der erste war eine Torsion, also eine Drehung des Körpers. Ursprünglich befanden sich Kiemen und After einer Schnecke am Hinterende des Körpers. Dann begann sich allmählich die linke Körperhälfte verhältnismäßig stärker als die rechte zu vergrößern, und der obere Teil des Körpers (einschließlich der Schale) drehte sich wie eine Spirale, so dass Kiemen und After nun über dem Kopf zu liegen kamen. Möglicherweise kam es zu dieser Veränderung, um den Kopf besser schützen oder um die Schale besser ausbalancieren zu können.

Der zweite Vorgang, der zur Asymmetrie führte, war die Entwicklung einer gewundenen Schale, die sich gewöhnlich spiralig nach einer Seite dreht. Doch nicht alle Schneckenschalen folgten diesem Muster; bisweilen ist die Schale auch flach und mützenförmig mit nur geringer oder gar keiner Windung. Diese so genannten Napfschnecken können sich mit ihrem breiten Fuß an Felsen oder Muschelschalen festhalten. Ist die Schale hingegen hoch gebaut, so ist sie in der Regel auch gewunden, und die Schnecke kriecht frei umher. Um Schutz zu suchen, kann sie sich in ihre Schale zurückziehen und die Öffnung mit einem auf dem Fuß sitzenden Deckel verschließen, den man als Operculum bezeichnet. Eine weitere Entwicklung erkennt man bei den Nacktschnecken, deren Schalen stark reduziert oder völlig verloren gegangen sind. Zwar besitzen junge Nacktschnecken wohlausgebildete Schalen, doch werden diese entweder abgestoßen oder verbleiben bei den erwachsenen Tieren als kleine Überbleibsel. Sowohl Nackt- als auch Gehäuseschnecken kriechen langsam, in erster Linie mit Hilfe wellenförmiger Muskelkontraktionen des Fußes; manche Arten können schwimmen.

Ursprüngliche Schnecken besitzen über dem Kopf einen als Mantelhöhle bezeichneten Raum mit Kiemen und verschiedenen Körperöffnungen. Bei den landlebenden Gehäuseschnecken und einigen anderen Arten gingen die Kiemen verloren oder wurden rückgebildet, und die Mantelhöhle hat sich zu einer Lunge umgewandelt. Bei den meisten Schnecken trägt der Kopf Augen und Fühler. Die Tiere können recht gut sehen und riechen. Ihr Mund ist in der Regel mit einer raspelartigen Zunge (Radula) ausgestattet; diese findet sich auch bei anderen Weichtieren. Im Allgemeinen dient die Radula dazu, Nahrung abzuraspeln, doch sie kann auch beträchtlich modifiziert sein. Kegelschnecken etwa besitzen pfeilartige Zähne auf der Zunge; und einige Arten enthalten ein starkes Gift, das auch Menschen gefährlich werden kann. Die Radula von Austernbohrern ist in der Lage, harte Schalen zu durchbohren.

Der Darm einer Schnecke ist eine gewundene Röhre mit verschiedenen Drüsen und verfügt bisweilen über einen Muskelmagen. Das Nervensystem, der offene Blutkreislauf und die Geschlechtsorgane sind bei den Schnecken gut ausgebildet. Ihre Verhaltensmuster sind dagegen nicht besonders komplex.

3

Lebenszyklus

Die niederen Schnecken sind getrenntgeschlechtig und pflanzen sich fort, indem sie ihre Eier ins Wasser abgeben, wo sie durch die Spermien befruchtet werden und sich zu Larven entwickeln (siehe Entwicklungsbiologie). Die jungen Larven schwimmen zunächst umher, lassen sich dann an geeigneter Stelle nieder und reifen heran. Bei höher entwickelten Schnecken findet eine innere Befruchtung statt, und es werden Hüllen erzeugt, welche die Eier und Jungtiere schützen. Manchmal erfolgt der gesamte Entwicklungsvorgang im Inneren.

Bei den stärker abgewandelten Unterklassen der Hinterkiemer und Lungenschnecken sind die Tiere fast immer Hermaphroditen oder Zwitter (besitzen also sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane). Das ermöglicht ihnen, sich mit jedem geschlechtsreifen Tier derselben Art zu paaren. Bei einigen Lungenschnecken ist sogar die Fähigkeit zur Selbstbefruchtung die Regel, und einige wenige Gehäuseschnecken können sich auch ohne Befruchtung der Eier fortpflanzen.

4

Ökologie und Bedeutung

Schnecken besiedeln verschiedenste Lebensräume und sind darin bedeutende Bestandteile des Nahrungsnetzes, ob als Pflanzenfresser, Fleischfresser oder Allesfresser. In Mitteleuropa gehören zu den Landlungenschnecken mehrere Arten etwa drei Zentimeter großer, oft gelbbraun gebänderter Schnirkelschnecken (oder Bänderschnecken) sowie die ebenso große Zarte Bernsteinschnecke, die ein bernsteingelb durchscheinendes Gehäuse besitzt; Letztere besiedelt gern feuchte Hochstaudenfluren an Gewässern. In mitteleuropäischen Stillgewässern sind Wasserlungenschnecken wie die maximal sechs Zentimeter große, hellbraun gefärbte Spitzschlammschnecke und die halb so große dunkelbraune Posthornschnecke anzutreffen. Manche Schneckenarten leben parasitisch, und viele haben sich in der Ernährung auf ungewöhnliche oder schwer verdauliche Materialien spezialisiert, zu deren Abbau und Umwandlung sie beitragen. Außerdem sind sie als Nahrungsquellen für andere Tiere von großer Bedeutung. So ist die in Mitteleuropa weit verbreitete Hain-Schnirkelschnecke eine wichtige Nahrung für Singdrosseln. Zu den für den Menschen essbaren Schnecken gehören Meerohren, andere marine Schnecken wie Flügelschnecken und Strandschnecken sowie verschiedene Arten von Landschnecken, insbesondere die Weinbergschnecke.

Einige wenige Schnecken sind Schädlinge. Manche Arten schädigen Nutz- und Gartenpflanzen, andere treten als Schädlinge in Austernbänken auf. In einigen Teilen der Welt beherbergen Süßwasserschnecken Saugwürmer, die Bilharziose und andere ernsthafte Erkrankungen beim Menschen hervorrufen können.

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