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UgandaEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Land; Bevölkerung; Kultur, Bildung, Medien; Verwaltung und Politik; Wirtschaft; Geschichte
1862 erreichten die Briten John Hanning Speke und James Grant auf ihrer Suche nach den Nilquellen den Hof des Kabaka Mutesa I. von Buganda. Ab 1877 ließ Mutesa anglikanische und katholische Missionare ins Land, die die Bevölkerung christianisierten, während sich auch der Islam ausbreitete. Seit den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts rangen Großbritannien, Belgien, Frankreich und Deutschland im Scramble for Africa um die Vorherrschaft in Ostafrika. Die Aufteilung des Zwischenseengebiets im heutigen Uganda wurde am 1. Juli 1890 zwischen Deutschland und Großbritannien geregelt: Im Helgoland-Sansibar-Vertrag erhielt Großbritannien die Hima-Reiche Buganda, Ankole, Bunyoro und Toro als „Interessengebiet” zuerkannt, während Deutschland auf seine Ansprüche auf dieses Gebiet bzw. Teile davon verzichtete. Nach Abschluss eines Protektoratsvertrags mit Kabaka Mwanga II. und der Eroberung der Hima-Reiche mit Hilfe von Truppen aus Buganda erklärten die Briten 1896 das Gebiet zum Protektorat Uganda. 1922 wurden die Territorien der heutigen Staaten Uganda, Kenia und Tansania zu Britisch-Ostafrika zusammengefasst.
Die „indirekte Herrschaft” der Briten im Protektorat Uganda nutzte die vorhandenen politischen und gesellschaftlichen Strukturen; sie tastete die Herrschaft des Königs nicht an und verlieh den Ganda – dem Volk von Buganda – weitreichende Vorrechte in Wirtschaft und Verwaltung. Das Buganda-Abkommen von 1900 räumte dem Königreich eine Sonderstellung im Protektorat ein und schuf durch eine Bodenreform zwei neue Klassen: Die das Land bisher nur verwaltenden christlichen Ganda-Chefs erhielten die neuen Kaffee- und Baumwollplantagen als Eigentum und wurden so zu Großgrundbesitzern; die bis dahin selbständigen Bauern wurden zu Pächtern und Fronarbeitern degradiert. Ein solides Bildungs- und Sozialwesen, eine neue Verkehrsinfrastruktur und der wirtschaftliche Aufschwung dank der Cash Crops Kaffee und Baumwolle trugen zur Blüte der südlichen Region bei. So förderten die Briten die Entwicklung im Süden, vernachlässigten aber gleichzeitig den weniger ertragreichen Norden, aus dessen Bevölkerung überwiegend Kräfte für Polizei und Militär rekrutiert wurden. Die Entwicklungsunterschiede zwischen Nord und Süd führten zu mehreren gewaltsamen Abspaltungsbestrebungen und prägen die soziale Lage in Uganda bis heute. Zusätzliche Spannungen im Norden wie im Süden ergaben sich aus der Religionszugehörigkeit der verschiedenen gesellschaftlichen Schichten: Bauern und untere soziale Schichten waren katholisch, die Königsfamilien sowie Angehörige der oberen Schichten und der Staatsklasse bekannten sich zum anglikanischen Glauben. Besonders die Kirchen förderten die Entstehung einer neuen Bildungselite, die später an der Spitze der gesellschaftlichen und politischen Hierarchie stand. Muslime waren nur in Polizei und Armee stark vertreten. Seit dem Bau der Eisenbahn vom Indischen Ozean nach Kampala ab 1896 wanderten viele Inder ein, die sich in den ugandischen Ortschaften als Händler und Ladenbesitzer niederließen. Als Christen, Muslime, Sikhs oder Hindus bildeten sie eine heterogene Minderheit, die sich eine beachtliche wirtschaftliche Macht erarbeitete und bald Handel und Industrie dominierte.
Als ersten Schritt zu einer die alten regionalen Königstraditionen erhaltenden Föderation von Uganda richteten die Briten 1920 einen Legislativrat ein, dessen ernannte Mitglieder den Gouverneur berieten. 1926 wurden Inder in den Rat berufen, ab 1946 auch die führenden Vertreter der ugandischen Provinzen. Diesen britischen Versuch, eine Zentralregierung einzusetzen, brachte Kabaka Mutesa II. mit seiner Unabhängigkeitsforderung für Buganda 1953 zum Scheitern. Mutesa II. selbst musste auf Druck der Kolonialverwaltung für zwei Jahre das Land verlassen. Blutige Unruhen mit zahlreichen Toten waren die Folge. Im Zuge der Unabhängigkeitsbestrebungen Bugandas, die von der um ihre Privilegierung fürchtenden Führungsschicht getragen wurden, organisierten sich die ersten politischen Parteien. 1954 gründete Benedict Kiwanuka die Democratic Party (DP), die sich auf die bäuerliche Bevölkerung Bugandas und die Katholiken in den anderen Landesteilen stützte; Milton Apollo Obote, ein Angehöriger der Lango aus Norduganda, rief 1960 den protestantischen, sozialistisch ausgerichteten Uganda People’s Congress (UPC) ins Leben, der die Bantubevölkerung außerhalb Bugandas sowie nilotische Gruppen im Norden vertrat. Beide Parteien stellten sich gegen eine Abspaltung Bugandas; dagegen forderte die 1961 von protestantischen königstreuen Ganda gegründete Partei Kabaka-Yekka (KY; „Der König allein”) die Abspaltung Bugandas.
Nach der Bildung einer Föderation aus Buganda, das als Monarchie bestehen blieb, und den übrigen Königreichen erlangte Uganda am 9. Oktober 1962 die Unabhängigkeit innerhalb des Commonwealth of Nations. Kabaka Mutesa II. wurde Staatsoberhaupt, und Milton Obote, Chef des UPC, übernahm das Amt des Premierministers. Die ersten Wahlen gewann der von Mutesa und seiner KY unterstützte UPC. Am 9. Oktober 1963 wurde Uganda Republik mit Mutesa als erstem Staatspräsidenten.
Premierminister Obote trat mit der Koalitionsregierung aus UPC und KY für einen Ausgleich zwischen den Volksgruppen ein, indem er Regierungs- und Verwaltungsämter möglichst paritätisch verteilte, das Gesundheitswesen verbesserte und landesweit Schulen bauen ließ. Obote bemühte sich um den wirtschaftlichen Aufbau des Landes, und die für einen afrikanischen Staat gute natürliche und infrastrukturelle Ausgangslage begünstigte die Wirtschaftsentwicklung bis Ende der sechziger Jahre. 1966 zerbrach die Regierungskoalition an dem Gegensatz zwischen der Zentralregierung und den sezessionistischen Interessen Bugandas: Die Enteignung des bugandischen Großgrundbesitzes und die Entfernung bugandischer Abgeordneter aus den Regionalparlamenten führte zu einem neuerlichen Abspaltungsversuch der Royalisten, den Obote unter Einsatz des Militärs vereitelte. Mittels einer neuen Präsidialverfassung löste Obote im September 1967 die alten Königreiche auf und führte einen zentralistischen Staat mit Einparteiensystem ein; Obote wurde Staatspräsident. Den Ideen des Afrikanischen Sozialismus folgend, „afrikanisierte” er Wirtschaft und Verwaltung und verstaatlichte einen Teil der Industriebetriebe sowie die Banken. Sein sozialistischer Kurs, den er nach mehreren fehlgeschlagenen Attentaten gegen ihn immer autoritärer verfolgte, und die verschärften Spannungen zwischen Buganda und der Zentralregierung führten zu Unzufriedenheit in weiten Teilen der Bevölkerung.
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