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Japan

Enzyklopädieartikel
Multimedia
Japan (Flagge und Hymne)Japan (Flagge und Hymne)
Artikelgliederung
7.4.1. 2
Reformen Hideyoshis

Hideyoshi stützte seine Herrschaft auf eine systematische Verwaltung. Das Land wurde vermessen und die Besteuerung auf der Basis des Reisertrags festgelegt. Eine strenge Ständeordnung verteilte die gesellschaftlichen Rollen und unterband die soziale Mobilität zwischen den Hauptgruppen, insbesondere den Waffenfähigen (Samurai) und den Nichtwaffenfähigen (Kaufleute, Bauern, Handwerker, Mönche – diese waren zuvor entwaffnet worden). Eine wirkliche Kontrolle über die Daimyos erreichte aber auch Hideyoshi nicht, obwohl er sie 1590 in ein neues Lehnsverhältnis zwang.

1592 musste Hideyoshi seinen Versuch, Korea zu erobern und China anzugreifen, noch in Korea aufgeben: Er scheiterte am Widerstand der Koreaner und wurde schließlich von den Chinesen zum Rückzug von der koreanischen Halbinsel gezwungen. Ein zweiter Kriegszug gegen Korea wurde 1598 vorzeitig beendet, als Hideyoshi starb.

7.4. 2

Tokugawa-Zeit (1603-1867)

Hideyoshis Tod löste heftige Nachfolgekämpfe aus, aus denen 1600 sein Vasall Tokugawa Ieyasu siegreich hervorging. Er verlegte die Hauptstadt nach Edo, dem heutigen Tokyo, und ließ sich 1603 vom Kaiser das seit 1573 verwaiste Amt des Schoguns übertragen. 1605 übergab er das Amt offiziell an seinen Sohn Hidetada, blieb jedoch weiterhin der eigentliche Herrscher des Landes. Mit der Eroberung der Burg von Osaka im Jahr 1615, dem Sitz der Familie Toyotomi, um die sich die verbliebene Opposition geschart hatte, vollendete er die Alleinherrschaft des Tokugawa-Schogunats (auch Edo-Schogunat genannt).

7.4.2. 1
Feudalordnung

Ab 1615 leitete Ieyasu einen Reformprozess ein, der im Wesentlichen vom dritten Edo-Schogun, Tokugawa Iemitsu, vollendet wurde und zu einer tief greifenden sozialen Umwälzung in Japan führte. Die Feudalgesellschaft wurde auf eine neue Grundlage gestellt, und Japan erlebte eine 250 Jahre andauernde Friedensperiode.

Japan wurde als zentraler Verwaltungsstaat strukturiert, in dem die Tokugawa-Familie über eine außerordentliche Machtfülle verfügte. Im Zuge der Landkonfiszierungen nach ihrem Sieg im Bürgerkrieg hatten sich die Tokugawa in den Besitz von knapp einem Viertel der Landfläche Japans gebracht. Die Daimyos wurden entsprechend ihrem Verwandtschaftsgrad zum Tokugawa-Clan und ihrer Loyalität im Bürgerkrieg in drei Kategorien eingeteilt und dementsprechend unterschiedlich mit Lehen bedacht.

Eine der wichtigsten Reformen stellte die Einführung des so genannten bakuhan-Systems dar. Es unterstellte die Lehen (han) und die Lehnsherren, selbst den Kaiser und seinen Hofstaat, einer strengen Kontrolle durch den Schogun. Die Lehnsherren mussten dem Tokugawa-Schogun die Treue schwören, ihre Familien quasi als Geiseln für ihr Wohlverhalten in der Hauptstadt Edo ansiedeln und sich selbst jedes zweite Jahr am Regierungssitz aufhalten. Dadurch wurden die großen Lehnsherren eng an den Schogun gebunden, eine effektive Opposition nahezu unmöglich gemacht. Die Rolle des Kaisers blieb auf Repräsentation und Kultus beschränkt.

Die Gesellschaft war in vier streng abgegrenzte Stände eingeteilt: den Schwertadel, der sich aus den Daimyos und den Samurai zusammensetzte und dem der Staats- und Kriegdienst sowie Priestertum, Wissenschaft und Kunst zugeordnet waren, die vom Schwertadel abhängige Bauernschaft, die Handwerker und die Kaufleute. Ein Aufstieg aus den drei nichtadligen Ständen in den Adelsstand war nicht möglich. Bushido, der Ehrenkodex der feudalen Krieger, wurde zum Standard für die Daimyo und die Klasse der Samurai. Während der nachfolgenden beiden Jahrhunderte veränderten sich die Feudalordnung und das Ständesystem kaum.

Während des 18. Jahrhunderts zeigte sich allmählich, dass die Feudalordnung über kurz oder lang in die Krise führen musste. In den langen Zeiten des Friedens verloren die Samurai mit ihrer militärischen Funktion auch ihre wirtschaftliche Basis und verarmten. Zugleich geriet die politisch herrschende Klasse der Daimyos, die auf dem Land verankert war, ins wirtschaftliche Hintertreffen und in finanzielle Abhängigkeit gegenüber dem ökonomisch mächtiger gewordenen Stand der Kaufleute, der in den aufstrebenden Städten eine selbstbewusste Bürgerschicht (chonin) bildete. Im 18. Jahrhundert war Edo mit einer Million Einwohnern die größte Stadt der Welt und blühendes Zentrum einer vorindustriellen Wirtschaft.

7.4.2. 2
Selbstisolation und kulturelles Leben

In der Tokugawa-Ära schloss sich Japan mit der Sakoku-Politik hermetisch von der übrigen Welt ab. Portugiesische, spanische und niederländische Händler hatten Japan im 16. Jahrhundert zwar relativ häufig besucht, doch ihr ökonomischer Einfluss war gering geblieben. Ab 1624 durften die Spanier in Japan nicht mehr Handel treiben, und in der Folgezeit wurden auch alle anderen Europäer ausgewiesen. Umgekehrt verboten Gesetze von 1636 und 1639 Japanern sowohl die Reise ins Ausland als auch die Rückkehr nach Japan, und der Bau größerer Schiffe wurde untersagt. Nur einige wenige holländische Kaufleute durften als einzige Europäer weiterhin im Land bleiben, jedoch ausschließlich auf der künstlichen Insel Dejima im Hafen von Nagasaki. Der Handel mit China wurde fortgeführt, unterlag aber detaillierten Beschränkungen.

Trotz der Abschirmung nach außen blühten Kunst, Literatur und Wissenschaft. Das Kabukitheater erlebte seine Hochphase, die Malerei war maßgeblich von der durch Koetsu Honami begründeten Schule und dem Ukiyo-e-Stil geprägt. Später folgten die romantischen Landschaftsdarstellungen von Hokusai und Hiroshige. In der Literatur gehörten Ihara Saikaku, Chikamatsu Monzaemon und Bashō zu den bekanntesten Autoren.

Der Konfuzianismus entwickelte sich zur offiziellen Weltanschauung. Im Gegenzug entstand jedoch wieder ein stärkeres Interesse an den ursprünglichen japanischen Traditionen, insbesondere am Shintoismus. Diese Tendenzen verkörperte besonders die Ideologie von Motoori Norinaga, der eine neue Welle des prokaiserlichen Nationalismus auslöste.

Dagegen unterdrückten die Tokugawa-Schogune das Christentum, das sich durch eine relativ erfolgreiche Missionierung verbreitet hatte, als subversive Kraft. 1614 verbot Ieyasu die Konversion von Adligen zum Christentum und verwies die Missionare des Landes. Nach einem Aufstand, mit dem – vorwiegend christliche – Bauern 1637/38 gegen ihre hohe Abgabenlast gegenüber den Grundherren aufbegehrten, fand die Verfolgung japanischer Christen ihren Höhepunkt. Das Christentum wurde verboten.

7.4.2. 3
Imperialistische Zwangsöffnung

Eine erste Tendenz zur Öffnung Japans gegenüber der Welt zeigte sich 1720, als der Schogun Yoshimune die Ächtung europäischer Bücher aufhob (ausgeschlossen blieben christliche Texte). Anfang des 19. Jahrhunderts mehrten sich die Besuche von Europäern, meist Händlern oder Forschern, obwohl der Bann für die Ausländer nach wie vor in Kraft war. Die chonin, vor allem die großen Kaufleute, stellten die rigiden Sakoku-Regelungen zwar zunehmend in Frage, doch offizielle Änderungen blieben aus.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hatten die Bemühungen Russlands, der USA und der Niederlande um eine erneute Öffnung japanischer Häfen keinen Erfolg. 1854 erzwangen die USA mit Hilfe eines Geschwaders von zehn Kriegsschiffen, das sie in die Bucht vor Edo entsandt hatten, den Abschluss des „Freundschaftsvertrags” von Kanagawa und die Öffnung der japanischen Häfen. Bis 1861 erreichten Großbritannien, Russland, Frankreich, Preußen und die Niederlande ähnliche „Ungleiche Verträge”, die ihnen beträchtliche Privilegien einschließlich der Exterritorialität zusicherten und mit denen sie sich Japan für den Handel erschlossen.

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