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JapanEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Ein Zusammenstoß zwischen chinesischen und japanischen Truppen in Peking, wo aufgrund der nach dem Boxeraufstand vereinbarten Boxer-Protokolle von 1901 immer noch japanische Militäreinheiten stationiert waren, diente Japan im Juli 1937 als Vorwand zur Eröffnung des – formell nicht erklärten – 2. Chinesisch-Japanischen Krieges. Das schnelle Vorrücken der japanischen Truppen war begleitet von Kriegsverbrechen und schweren Übergriffen gegen die chinesische Zivilbevölkerung, unter der es zu hohen Verlusten kam. Der Widerstand der Chinesen, die ihren Bürgerkrieg zugunsten einer Volksfront zur nationalen Verteidigung zurückgestellt hatten, brachte den Vormarsch Japans 1938 vorerst zum Stillstand. Die zivile japanische Führung beraubte sich selbst ihrer Einflussmöglichkeiten auf die Kriegsführung, als Ministerpräsident Fürst Konoe Fumimaro 1937 die Verantwortung für die gesamte Kriegsführung direkt an die Streitkräfte abtrat. Mit dem Ende 1937 vorgelegten expansionistischen Konzept „Neue Ordnung Ostasiens”, dem sie 1938 die Generalmobilmachung folgen ließ, bekräftigte die japanische Führung formell den Anspruch auf eine Hegemonie über Ostasien. Mit dem Beginn des Krieges gegen China waren alle sozialen Bewegungen verboten oder für den Krieg funktionalisiert worden, und im September 1940 wurden auf Betreiben Konoes auch alle politischen Parteien aufgelöst und durch den Bund zur Förderung der Kaiserherrschaft ersetzt. In der Art einer faschistischen Einheitspartei sollte der Bund den politischen Willen von oben nach unten durchsetzen und das „neue System” des japanischen Faschismus vollenden.
Der Ausbruch des 2. Weltkrieges in Europa im September 1939 bot Japan weitere Möglichkeiten aggressiver Expansionspolitik. Die entsprechenden Militäraktionen wurden durch verschiedene diplomatische Schritte eingeleitet: Im September 1940 schloss Japan mit Deutschland und Italien den Dreimächtepakt. Um die Nordgrenze der Mandschurei zu sichern, vereinbarte Japan im April 1941 – ungeachtet des Antikominternpaktes – mit der UdSSR einen Nichtangriffspakt. In der Zwischenzeit hatten die japanischen Streitkräfte mit Zustimmung der von Deutschland abhängigen Vichy-Regierung die französischen Kolonien in Indochina besetzt und drangen auch in die niederländisch-ostindischen Gebiete ein. Die USA reagierten hierauf mit der Verhängung eines Wirtschaftsembargos. Als sich abzeichnete, dass es das japanische Militär auf eine Konfrontation mit den USA anlegte, überließ Ministerpräsident Konoe dem Führer der Ultranationalisten, General Tojo Hideki, im Oktober 1941 die Regierungsverantwortung.
Am 7. Dezember 1941 griffen japanische Bomber Pearl Harbor auf Hawaii an, den wichtigsten Stützpunkt der US-Flotte im Pazifik. Gleichzeitig eröffneten die japanischen Streitkräfte den Angriff auf weitere amerikanische Stützpunkte sowie die britischen Kolonien im gesamten südostasiatischen Raum (siehe Pazifikfeldzüge). Am 8. Dezember 1941 erklärten die USA ebenso wie alle anderen Alliierten – mit Ausnahme der UdSSR – Japan den Krieg. Zur ideologischen Ummantelung seiner großjapanischen Hegemonialansprüche propagierte Japan für den von ihm beherrschten Raum Pläne unter den Bezeichnungen „Großer Ostasiatischer Zusammenschluss” und „Ostasiatische Wohlstandssphäre”. Unter dem Schlagwort „Asien den Asiaten” suchte sich Japan in den von ihm besetzten Gebieten die antikolonialistischen Strömungen dienstbar zu machen, doch provozierte es mit seinem brutalen Vorgehen in den besetzten Ländern selbst immer heftigeren Widerstand. Zwischen Dezember 1941 und März 1942 besetzten japanische Truppen nahezu ganz Indochina und Niederländisch-Indien; Thailand wurde im Dezember 1941 zu einem Bündnis mit Japan gezwungen. Seit der Landung auf Neuguinea und den Salomonen-Inseln lagen zudem ab März 1942 Australien und Neuseeland in unmittelbarer Nähe des japanischen Machtbereichs, in dem zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung rund 450 Millionen Menschen lebten.
1942 erzwangen die USA durch Siege in großen Seeschlachten, vor allem in der Schlacht von Midway (1942), und die Eroberung von Guadalcanal (1942/43) die militärische Wende. Durch Großoffensiven wurden die Japaner 1943 im Südpazifik und 1944 im mittleren Pazifik zurückgedrängt. Zwischen Oktober 1944 und Februar 1945 erfolgte die Rückeroberung der Philippinen. Als sich immer deutlicher herauskristallisierte, dass Japan den Krieg verlieren würde, trat das von General Tojo geführte Kabinett im Juni 1944 zurück. Neuer Premierminister wurde der ehemalige General Kuniaka Koiso. Anfang 1945 eroberten die USA Okinawa und flogen Bombenangriffe auf japanische Städte, bei denen hunderttausende Zivilisten ums Leben kamen. Auf die Zurückweisung ihrer Aufforderung zur bedingungslosen Kapitulation antworteten die USA mit dem erstmaligen Einsatz von Atomwaffen. Aus militärischen Gründen keineswegs erforderlich, sollte der Einsatz von Atomwaffen das schnelle Ende des Krieges erzwingen, damit suchte man zu verhindern, dass sich die Sowjetunion an einer Besetzung Japans beteiligen konnte, wie dies auf der Jalta-Konferenz im Februar 1945 verabredet worden war. Am 6. August 1945 zerstörte die erste Atombombe Hiroshima, am 9. August die zweite Atombombe Nagasaki. Mehr als 200 000 Menschen starben, die Verwüstungen erreichten ein bisher nicht gekanntes Ausmaß. Am 8. August 1945 erklärte die Sowjetunion Japan den Krieg und drang in die Mandschurei ein. Nachdem die Alliierten die Beibehaltung des Kaisertums zugestanden hatten – zunächst hatten sie neben der bedingungslosen Kapitulation auch die Abdankung des Tennos gefordert –, verkündete der Kaiser Hirohito am 15. August 1945 die Bereitschaft zur Kapitulation. Am 2. September 1945 wurde an Bord des amerikanischen Schlachtschiffs Missouri die Kapitulationsurkunde unterzeichnet. Damit endete der 2. Weltkrieg. Am 9. September 1945 kapitulierten auch die japanischen Armeen in China. Nach der Kapitulation wurde Japan von US-amerikanischen Truppen besetzt. Die Innere Mongolei, die Mandschurei, Taiwan und Hainan wurden an China zurückgegeben. Die UdSSR behielt ganz Sachalin, übernahm die Kontrolle über die Äußere Mongolei und besetzte die Kurilen. Port Arthur und die südmandschurische Eisenbahn kamen unter die gemeinsame Kontrolle der UdSSR und Chinas. Korea wurde selbständig. Alle ehemals japanischen Südseemandate wurden von den USA übernommen und den Vereinten Nationen (UN) unterstellt, alle nach 1868 erfolgten Erweiterungen des japanischen Staatsgebiets rückgängig gemacht.
Am 11. August 1945, also noch vor der japanischen Kapitulation, wurde General Douglas MacArthur zum Oberbefehlshaber der Alliierten (SCAP, Supreme Commander for the Allied Powers) im besetzten Japan ernannt. Die meisten Fragen zur Besatzungspolitik wurden von der Ostasienkommission (Far Eastern Commission) mit Sitz in Washington behandelt, in der neben den USA Großbritannien, die UdSSR, Australien, China, Frankreich, Indien, Kanada, Neuseeland, die Niederlande und die Philippinen vertreten waren. Gegenüber dem SCAP hatte die Kommission in den meisten Angelegenheiten jedoch nur beratende Funktion. Ziele der amerikanischen Besatzungspolitik waren die Demokratisierung des politischen Systems Japans, die Entfernung aller für die militaristische Politik Japans Verantwortlichen aus ihren Positionen und eine Neuordnung der Wirtschaft, die die Zerschlagung der Großunternehmen einschließen sollte. Mit all diesen Maßnahmen sollte zugleich gewährleistet werden, „dass Japan nicht wieder eine Bedrohung für Amerika wird … und die Ziele Amerikas unterstützt”, wie es in der Proklamation der „Grundlegenden Maßnahmen der Vereinigten Staaten für die erste Zeit der Besatzung” vom 22. September 1945 hieß. Entsprechend diesen Prioritäten gestalteten die USA in den ersten Nachkriegsjahren ihre Besatzungspolitik. Im Dezember 1945 gestattete die Besatzungsmacht die Gründung von Gewerkschaften und politischen Parteien. Das neue Parteienspektrum umfasste Liberale, Fortschrittspartei, Gemeinschaftspartei, Sozialisten und Kommunisten. Bei den Parlamentswahlen vom 10. April 1946 gewannen Liberale und Fortschrittspartei die Mehrheit und bildeten unter Führung des Liberalen Yoshida Shigeru die erste Nachkriegsregierung. Am 3. November 1946 verkündete Kaiser Hirohito, der bereits im Januar 1946 den Status seiner Göttlichkeit hatte aufgeben müssen, die neue Verfassung; sie trat am 3. Mai 1947 in Kraft. Nach amerikanischen Vorgaben gestaltet, definierte sie Japan als parlamentarische Demokratie und garantierte die bürgerlichen Grundrechte. Der Kaiser repräsentierte nun nur noch die Nation und nahm keinerlei Regierungsfunktionen mehr wahr. Die Regierung, an ihrer Spitze der vom Parlament gewählte Ministerpräsident, wurde dem Parlament verantwortlich. Das Parlament selbst setzte sich aus zwei direkt gewählten Kammern zusammen. Wahlberechtigt waren nun auch Frauen. Der in der Verfassung verankerte Verzicht auf eigene Streitkräfte wurde nach dem Koreakrieg dahin gehend modifiziert, dass Japan „Selbstverteidigungsstreitkräfte” aufbauen konnte. Zur Bestrafung von Kriegsverbrechern wurde ein internationaler Gerichtshof gebildet, dem Vertreter von elf Nationen angehörten; er nahm am 3. Mai 1946 in Tokyo seine Verhandlungen auf und tagte bis zum 12. November 1948 (siehe Kriegsverbrecherprozesse). Der ehemalige Premierminister Tojo als Hauptbeschuldigter und sieben weitere Angeklagte wurden wegen Kriegsverbrechen zum Tod verurteilt und hingerichtet, gegen 19 andere verhängte das Gericht lebenslängliche Freiheitsstrafen. Fürst Konoe, Mitschöpfer des japanischen Kriegsprogramms, nahm sich vor Prozessbeginn das Leben. Ähnlich wie im besetzten Deutschland führte der sich seit Anfang 1947 deutlich abzeichnende Kalte Krieg zu einer Änderung der Politik der Besatzungsmacht gegenüber dem früheren Kriegsgegner. Um den Wiederaufbau der japanischen Wirtschaft schneller vorantreiben zu können, hob General MacArthur die politischen Säuberungsmaßnahmen, von denen ursprünglich rund 180 000 Personen betroffen gewesen waren, wieder auf, zahlreiche Fachkräfte kehrten in ihre früheren Tätigkeitsbereiche zurück. Auch die Entflechtungsmaßnahmen, mit denen die Macht der Großkonzerne hatte beschnitten werden sollen, wurden rückgängig gemacht. Nachdem die USA gleich nach Kriegsende mit umfangreichen Lebensmittellieferungen die Hungersnot in Japan bekämpft hatten, förderten sie nun den Wiederaufbau der Wirtschaft.
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