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BibelEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Viele alttestamentliche Bücher basieren auf historischen Fakten, vermischen diese allerdings mit religiösen Aspekten. Dieses Verfahren dient der Absicht, die Vorstellung eines göttlichen Wirkens in der Geschichte an Hand von bestimmten herausragenden Ereignissen zu illustrieren. Beispiele hierfür sind die in den deuteronomischen Schriften enthaltenen geschichtlichen Erzählungen (Deuteronomium bis zu 2. Könige), das Tetrateuch (Buch Genesis bis Numeri) und die mit historischen Fakten durchsetzten Schriften der Chronisten (1. und 2. Buch der Chronik, Esra und Nehemia). Die Geschichte der Thronfolge Davids (2. Samuel 9-20; 1. Könige 1-2) entspricht am ehesten unserem heutigen Verständnis von Geschichtsschreibung, auch wenn hier immer wieder theologische Aspekte eine Rolle spielen. Der Verfasser hat die geschichtlichen Ereignisse und Figuren mit einem relativen Anspruch auf Genauigkeit und Faktentreue festgehalten und den Ablauf des Geschehens unter Berücksichtigung menschlicher Beweggründe psychologisch interpretiert. Andere Bücher, die Erzählungen in dem oben genannten Sinn enthalten, sind Ruth, Jona und Esther. Vermutlich sind diese Bücher aus Volksmärchen und Legenden hervorgegangen, die, zunächst mündlich überliefert, dann schriftlich fixiert, letztlich im religiösen Sinn umgedeutet wurden. Mehrere Geschichten mit didaktisch-moralischem Impuls sind in den deuteronomischen Schriften und in den Apokryphen enthalten; darunter befinden sich Tobias, Judith, Susanna sowie Bel und der Drache. Wie diese, so besteht auch das Buch Genesis aus einer Vielzahl von Einzelerzählungen, von denen die meisten ursprünglich unabhängig voneinander erzählt und weitergetragen worden sind. Die Geschichten der Patriarchen in Genesis 11-50 haben ihren Ursprung in Legenden und Sagen, wobei Letztere zur Gruppe der Familiensagas zu rechnen sind. Viele von diesen sind ätiologisch, d. h. sie erklären einen Ort, eine Praxis oder den Ursprung eines Namens zur Erläuterung von Ursächlichkeiten.
Zu den poetischen Büchern des Alten Testaments zählen die Psalmen, das Buch Hiob, die Sprüche, Prediger (oder Buch Kohelet), das Hohelied, die deuterokanonischen Bücher und die Apokryphen (darunter Jesus Sirach und das Gebet des Manasse). Diese hebräische Dichtung verfügt über zwei grundlegende rhetorische Figuren, die sie charakterisieren. Ein Merkmal etwa besteht in der Verwendung des so genannten Parallelismus membrorum (lateinisch: Parallelismus der Glieder), bei dem die Aussagen, die in einer Zeile gemacht werden, in einer weiteren Zeile in den gleichen oder ähnlichen Worten bekräftigt erscheinen, wie z. B. im Psalm 6, 1: „Ach Herr, strafe mich nicht in Deinem Zorn, und züchtige mich nicht in Deinem Grimm.” Das andere wichtige Merkmal hebräischer Dichtung ist ein charakteristischer Rhythmus, ein metrisches Maß, das durch die Anzahl der Betonungen in jeder Zeile bestimmt wird. Eines der verwendeten Versmaße ist der so genannte qina oder Klagegesang, bei dem die erste Zeile drei Hebungen oder akzentuierte Silben aufweist und die zweite Zeile zwei. Die lyrische (gesungene) Dichtung stellt eine der frühesten Formen der Gottesverehrung dar: Die meisten, wenn auch nicht alle dieser Lieder sind in dem Buch der Psalmen enthalten. Viele sind Hymnen bzw. Loblieder zu Ehren Gottes und preisen seine Größe, Allmacht und Gerechtigkeit. Die Weisheitsdichtung des Alten Testaments umfasst poetische Sammlungen von Sinnsprüchen und kurzen Gedichten, wie sie auch im Buch der Sprüche enthalten sind. Längere Werke dieser Gattung sind das Buch Hiob, das von der schweren Prüfung der Titelfigur durch Jahwe berichtet, die Sprüche Salomos und Jesus Sirach. Zu den Kurztexten dieser Abschnitte gehören Spruchlehren, religiös-moralische Merkverse (Das Buch der Sprichwörter) und Ermahnungen in Glaubensfragen, die im Allgemeinen nicht über zwei Zeilen lang sind. Sprüche 1-9 etwa enthält eine Sammlung von Gedichten über das Wesen der Weisheit (Das Buch der Weisheit); im Gegensatz dazu ist das Buch Hiob, eines der Meisterwerke der Weltliteratur und vermutlich eines der ältesten Bücher der Bibel, eine lange dichterische Komposition in Form eines Dialogs der Hauptfigur mit seinen Freunden und Gott, dessen Rahmenhandlung eine Volkslegende bildet. Die Themen der weisen Sprüche reichen von praktischen Ratschlägen zur guten (d. h. richtigen) und erfolgreichen Lebensführung bis hin zu Gedanken über die Beziehung zwischen dem Pfad der Weisen und dem Gehorsam gegenüber dem Gesetz Gottes. Außerdem enthalten sie praktische Anweisungen für die Ehe und ein Loblied auf die perfekte Hausfrau.
Die prophetischen Bücher des Alten Testaments versammeln zum Großteil drei verschiedene literarische Formen, und zwar Erzählungen, Gebete und prophetische Reden. Die Erzählungen sind meistens Geschichten oder Berichte von Handlungen oder Voraussagen, die textintern entweder dem auftretenden Propheten selbst zugeschrieben oder von einer anderen Person in der Rückschau der 3. Person Singular erzählt werden. Die prophetischen Bücher berichten von visionären Traumbildern (etwa Die Vision vom Neuen Israel; Ezechiel 40, 1 bis 48, 35) und den herausragenden Taten der Propheten; daneben enthalten sie Erzählungen von historisch belegbaren Ereignissen und kommentieren die Erscheinungen und Handlungen der Weisen. Das Buch Jona, eher ein Lehrstück denn eine Prophetenschrift, ist eigentlich eine in der Er-Form erzählte Geschichte über den Propheten und enthält nur eine einzige Zeile, in der dieser sich direkt an den Leser wendet (Jona 3, 4). Die Gebete enthalten Hymnen und Bittschriften wie die Klagelieder des Jeremia (Jeremia 15, 10-21). Die häufigste literarische Form der prophetischen Bücher ist die Rede, da der Kern des prophetischen Wirkens in der Verkündung von jenem Wort Gottes besteht, das sich auf die unmittelbar bevorstehende Zukunft bezieht. Damit ist immer auch die Warnung zur Umkehr verbunden. Die bekanntesten solcher Reden sind die Prophezeiungen von Bestrafung oder Errettung (so Die Errettung Israels im Buch Obadja 17-21). Beide dieser Formen werden, wie die meisten prophetischen Reden, von Formeln wie z. B. „So spricht der Herr” begleitet, die die Worte als direkte Offenbarung Jahwes kennzeichnen. Die Prophezeiungen der Errettung stellen den bevorstehenden Eingriff Gottes zur Erlösung des Volkes Israel in Aussicht. Andere Reden sind Prophezeiungen gegen fremde Völker, Klagereden, in denen die Sünden der Menschheit gebrandmarkt werden, und Mahnungen oder Warnungen. Siehe Prophetie.
Gesetzestexte bestimmen einen Großteil der hebräischen Bibel: Deshalb werden die ersten fünf Bücher der Heiligen Schrift im Judentum als Thora (Gesetz) bezeichnet. Im frühen Christentum dann setzte sich dieser Begriff zur Benennung des gesamten Schriftbestands des Alten Testaments mitsamt der in der hebräischen Fassung nicht verzeichneten Passagen durch. Rechtsschriften sind vor allem in den Büchern Exodus, Leviticus und Numeri enthalten. Das 5. Buch Mose wurde von seinen griechischen Übersetzern Deuteronomium (zweites Gesetz) genannt, weil es neben den Taten des Mose nochmals die Weisungen Jahwes schildert. Ursache hierfür ist wohl eine der zentralen Stellen dieses Buches: Nach der biblischen Überlieferung nämlich wurde dem Volk Israel der Wille Gottes durch Moses verkündet, der auf dem Berg Sinai den Bund zwischen beiden besiegelte; dabei sollen ihm jene später aus Wut über den Götzendienst seines Volkes zertrümmerten Tafeln überreicht worden sein, auf denen die Zehn Gebote festgehalten waren. Infolgedessen stehen alle Gesetze, außer denen des Deuteronomiums, in Exodus 20 bis Numeri 10, da an dieser Stelle die Ereignisse auf dem Berg Sinai berichtet werden. Bei den hebräischen Gesetzen unterscheiden die jüdischen Gelehrten zwischen zwei Haupttypen. Es sind dies die apodiktischen und die kasuistischen Vorschriften. Dabei wird das apodiktische, also unumstößliche Gesetz vor allem – aber nicht ausschließlich – durch die Zehn Gebote repräsentiert (Exodus 20, 1-21; 34, 14-26; Deuteronomium 5, 6-21). Bei diesen Weisungen, die meist in Sammlungen von fünf oder mehr zusammengefasst sind, handelt es sich um kurze und eindeutige Befehle, die festhalten, welches Verhalten sich der alttestamentliche Gott von den Gläubigen erwünscht. Sie sind entweder bejahend (Gebote im Sinn eines „Du sollst”) oder verneinend (Verbote im Sinn eines „Du sollst nicht”). Die kasuistischen, also auf spezifische Einzelfälle zugeschnittenen Gesetze bestehen aus je zwei aufeinander basierenden Teilen. Dabei wird im ersten Teil eine Bedingung bzw. Voraussetzung ausgesprochen, die die Übertretung formuliert (so etwa in Exodus 22, 1: „Wenn jemand ein Rind oder ein Schaf stiehlt und es schlachtet oder verkauft”); im zweiten Teil dann folgen die rechtlichen Konsequenzen (”so soll er fünf Rinder für ein Rind wiedergeben und vier Schafe für ein Schaf”). Die kasuistischen Gesetze entsprechen in ihrer Form – und häufig auch in ihrem Inhalt – den Gesetzen des Kodex des babylonischen Königs Hammurabi. Aber auch zu anderen in der Antike gültigen Gesetzeskodizes besteht eine gewisse Affinität.
Die Apokalypse als eigenständige Gattung innerhalb der prophetischen Texte entstand in Israel in der Zeit nach dem Babylonischen Exil der Israeliten, also in den Jahren zwischen 586 und 538 v. Chr. Eine Apokalypse oder Offenbarung enthält Voraussagen über zukünftige Ereignisse. Dabei werden düstere Symbole und eine von Endzeitstimmung geprägte Bildersprache verwendet, die ihrerseits wiederum erklärt und gedeutet werden müssen. Die Verfasser der apokalyptischen Schriften gaben sich zumeist auch gesellschaftskritisch; im Allgemeinen zeigt sich hier die Einschätzung eines Autors, der seine eigene Epoche als eine Zeit begreift, in der sich die Mächte des Bösen vereinen, um in einen endgültigen Kampf mit Gott zu treten; nach diesem Kampf, in dem Gott siegen wird, so prophezeien die Schriften, kann unter der neu erstarkten Herrschaft Gottes ein neues Zeitalter (oftmals das Tausendjährige Reich) beginnen. Daniel ist das einzige apokalyptische Buch des Alten Testaments, wobei die erste Hälfte (Kapitel 1-6) eigentlich eine Reihung verschiedener Legenden und Träume vorstellt, darunter Nebukadnezars Traum vom stolzen Baum (Daniel 3, 31 bis 4, 34) und Das Gastmahl Belschazars (Daniel 5, 1 bis 6, 1). Teile anderer Bücher der Propheten ähneln in vielerlei Hinsicht der Gattung der Apokalypse, darunter Jesaja 24-27, Sacharja 9-14 und einige Teile Ezechiels (so etwa Die Zerstörung der Stadt, Ezechiel 24, 15-27). In den Apokryphen (2. Esra) gibt es ebenfalls Passagen, die zur apokalyptischen Dichtung gerechnet werden können. In der jüdischen Literatur der letzten beiden Jahrhunderte v. Chr. und des 1. Jahrhunderts n. Chr. entstanden außerdem zahlreiche andere apokalyptische Werke, die jedoch nicht in den Kanon aufgenommen worden sind. Zu diesen gehören z. B. die so genannten Henochbücher, in denen die Söhne des Lichtes gegen die Söhne der Finsternis anzutreten haben, sowie die so genannte Apokalypse des Moses. Siehe Apokryphen des Alten Testaments.
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