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Bibel

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3.2

Entstehungsgeschichte

Die Bücher des Alten Testaments sind keineswegs alle zur selben Zeit und am selben Ort entstanden. Vielmehr sind sie das Produkt des israelitischen Glaubens und der israelitischen Gesamtkultur, die sich über einen Zeitraum von etwa tausend Jahren immer wieder gewandelt hat. Man geht deshalb davon aus, dass fast alle Bücher einen langen Prozess der verändernden Überlieferung und ergänzenden Entwicklung durchliefen, bevor sie schließlich zur Sammlung der hebräischen Bibel zusammengefasst und kanonisiert wurden. Viele der heute vorliegenden literarischen Werke waren wohl zunächst mündliche Überlieferungen wie z. B. die meisten Geschichten des Buches Genesis. Die prophetischen Reden wurden ebenfalls zunächst mündlich tradiert, während die Psalmen im Rahmen des Gottesdienstes als Lieder zur Begleitung der Zeremonie Verwendung fanden. Auch nach der Niederschrift und Fixierung des Bestands im Alten Testament existierte eine mündliche Überlieferung parallel zur schriftlichen über mehrere Jahrhunderte weiter, die vermutlich immer wieder auch auf den Textbestand der hebräischen Bibel zurückwirkte.

3.2. 1

Der Pentateuch

In der jüdischen und christlichen Überlieferung galt Moses als Verfasser des Pentateuchs, der ersten fünf Bücher des Alten Testaments. Diese Vorstellung leitete sich teils aus hebräischen Quellen ab, die eine Autorenschaft nahe legten. Bereits im Mittelalter jedoch stellten jüdische Gelehrte und Exegeten die mit Moses identifizierte Verfasserschaft in Frage: Berichtet doch das Deuteronomium, das letzte Buch des Pentateuchs, von dessen Tod. Aufgrund der zahlreichen Unstimmigkeiten in den diversen Abschriften sind moderne Bibelwissenschaftler außerdem zu der Erkenntnis gelangt, dass sich der (oder die) Verfasser des Pentateuchs auf unterschiedliche Quellen stützten, die wiederum von verschiedenen Autoren – und aus unterschiedlichen Epochen – stammten. Tatsächlich enthält das Buch zwei unterschiedliche Bezeichnungen für Gott, zwei unterschiedliche Schöpfungsberichte, zwei (wenn auch zusammenhängende) Geschichten der Sintflut und zwei Versionen der ägyptischen Plagen.

Diese Quellen des Pentateuchs unterschieden sich offenbar deutlich in Wortschatz, Stil und theologischem Standpunkt, ein weiteres Indiz für unterschiedliche Verfasser. Manche der ältesten schriftlichen Elemente sind Teile von dichterischen Schriften, so etwa Moses’ Lobgesang (Exodus 15); manche der göttlichen Weisungen ist diversen alten Gesetzeskodizes entnommen, die oftmals nicht miteinander vereinbar waren. Eine neuere Theorie der Bibelforschung zu diesem Thema geht davon aus, dass die einzelnen Geschichten des Pentateuchs unter Oberbegriffen gesammelt wurden, die verschiedene Texte unter mehreren großen Themenkreisen zu versammeln suchten und in ihrer Urform etwa 1100 v. Chr. vorlagen. Zu diesen Themenkreisen gehörten offenbar die Verheißung an die Patriarchen, der Exodus, die Wanderung durch die Wüste, die Geschehnisse am Berg Sinai und die Landnahme des Volkes Israel. Nach 1100 v. Chr. wurden die derart nebeneinanderstehenden Texte ihrem Inhalt nach offenbar vermischt.

3.2. 2

Deuteronomium

Seit einigen Jahren betrachtet die Bibelforschung die Bücher des Deuteronomiums, gemeinsam mit den Büchern Josua, Richter, dem 1. und 2. Buch Samuel sowie dem 1. und 2. Buch der Könige als einen einheitlichen Bericht, der die Geschichte des Volkes Israel von der Zeit seiner Führung durch Moses (13. Jahrhundert v. Chr.) bis zum Babylonischen Exil (die Periode vom Fall Jerusalems 586 v. Chr. bis zum Wiederaufbau eines neuen jüdischen Staates in Palästina nach 538 v. Chr.) erfasst. Dieser Komplex wird auch als deuteronomische Geschichtserzählung bezeichnet. Aufgrund der letzten Ereignisse, von denen er berichtet, und wegen zahlreicher anderer Hinweise gehen Wissenschaftler inzwischen davon aus, dass er um 560 v. Chr., also während des Exils, geschrieben wurde. Es ist jedoch ebenfalls möglich, dass sich die heute bekannte Fassung auf eine Version stützt, die bereits zu einem früheren Zeitpunkt verfasst worden ist.

3.2. 3

Die poetischen Bücher

Sowohl die kultische als auch die weise Dichtung des Alten Testaments ist nur schwer zu datieren oder bestimmten Autoren zuzuordnen, vor allem, weil beide Textkomplexe nur wenige historische Angaben enthalten. Als Verfasser der Psalmen hat die Forschung den israelitischen König David zu identifizieren gesucht, der der Überlieferung nach ein Sänger und Komponist gewesen sein soll und dementsprechend auch Literatur verfasst haben muss. Tatsächlich nennen 70 der 150 Psalmen die Person Davids als Autor oder können mit seinem Leben in Verbindung gebracht werden. Dass die Sprüche und andere Bücher Salomo zugeschrieben wurden, rührt von dem Umstand her, dass diesem König eine sprichwörtliche Weisheit eigen gewesen sein soll (noch heute hat sich diese Vorstellung in der Rede vom salomonischen Urteil bewahrt). Sie enthält insofern einen historisch richtigen Kern, als Salomo die Weisheitsliteratur seiner Zeit förderte und sich um einen gerechten Führungsstil bemühte. Das Buch der Psalmen wurde zum Hymnen- und Gebetbuch von Israels zweitem Tempel, aber viele Lieder sind älter als dieser. Sie enthalten Motive, Themen und Ausdrücke, die Israel von den Kanaanitern übernommen hatte, die nach Auskunft des Alten Testaments vor diesen das Gebiet beherrscht haben sollen.

3.2. 4

Die prophetischen Bücher

Offenbar wurden nur wenige der prophetischen Bücher tatsächlich von jenen Personen geschrieben, nach denen man sie später benannte. Vermutlich hielten Anhänger oder Jünger der weisen Männer deren Äußerungen aus der Erinnerung heraus für die Nachwelt fest. Zunächst separat gesammelt, kamen später Überarbeitungen und Erweiterungen der Bücher hinzu. So erhielt etwa das Buch Amos um 755 v. Chr., also während des Babylonischen Exils, ein neues, die Gegebenheiten als vorläufig deklarierendes optimistischeres Ende (Amos 9, 11-15: „An jenem Tag richte ich die zerfallene Hütte Davids wieder auf / und bessre ihre Risse aus, ich richte ihre Trümmer auf / und stelle alles wieder her / wie in den Tagen der Vorzeit”). Das Buch Jesaja behandelt Jahrhunderte israelitischer Geschichte und berichtet von den Aktivitäten mehrerer Propheten; einzig Jesaja 1-39 stammt wohl zum größten Teil vom Propheten selbst, der 742-700 v. Chr. gelebt haben soll. Lediglich die Kapitel 40-55 wurden von einem unbekannten Propheten während der Verbannung geschrieben, der deshalb auch der zweite Jesaja genannt wird (539 v. Chr.); die Kapitel 56-66 schließlich gelten als Schöpfung des so genannten dritten Jesaja; hinter dieser fiktiven Maske wiederum verbergen sich verschiedene Schreiber der Zeit nach dem Babylonischen Exil, die wohl kaum im Autorenkollektiv geschrieben haben, deren Texte sich aber in den Übertragungen vermischten.

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