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Bibel

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Artikelgliederung
4.2. 3

Epistel

Die Epistel bzw. der Brief war in der griechisch-römischen Welt eine gebräuchliche literarische Form, die aus der Signatur, der Adresse, einem Gruß, einer Lobesrede oder Danksagung, einer Botschaft und einem Abschiedsgruß bestand. Paulus benutzte diese Form, um mit den Gemeinden Kontakt zu halten, die von ihm gegründet worden waren. Diese Form der Mitteilung wurde in der christlichen Gemeinschaft bald allgemein akzeptiert. Bei vielen dieser Briefe handelte es sich jedoch eher um Reden, Ermahnungen oder moralisch-didaktische Abhandlungen, die in die Form von Episteln gebracht wurden.

4.2. 4

Apokalyptische Schriften

Apokalyptische Schriften tauchen im gesamten Neuen Testament auf, wobei die bekannteste die so genannte Offenbarung des Johannes ist (siehe Apokalypse des Johannes). Die literarische Gattung der Apokalypse beschreibt in visionärer, symbolisch überhöhter und pessimistisch-metaphorischer Bildlichkeit den unmoralischen und glaubenslosen Endzustand der Welt, wobei das einzige Element der Hoffnung in dem unsichtbaren, den Gerechten tröstlich-rettenden Guten im Jenseits hinter einem verwerflichen Sichtbaren des Diesseits gesehen wird. Gerechter Lohn und Vergeltung charakterisieren die Visionen vom Ende der Welt hinsichtlich einer religiösen Eschatologie. Vermutlich wurde das neutestamentliche Buch der Offenbarung während der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Domitian geschrieben, der von 81 bis 96 regierte. Damit bekäme die Endzeitversion des frühen Christentums einen äußerst realen historischen Hintergrund.

In die Evangelien, historischen Erzählungen, Episteln und apokalyptischen Visionen sind zahlreiche Gedichte, Hymnen, Bekenntnisformeln, Sprüche, Wundergeschichten, Seligpreisungen, Schmähreden, Listen von Pflichten sowie Parabeln eingebunden. Hinsichtlich des Neuen Testaments haben sich die Bibelgelehrten in der Vergangenheit vor allem mit der Gattung der Parabel beschäftigt, die sehr lange (etwa im Mittelalter mit seiner Idee eines vierfachen Schriftsinns der Bibel) als eine Form der Allegorie betrachtet worden war. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab der deutsche Bibelwissenschaftler Adolph Jülicher der Interpretation von Parabeln eine neue Richtung.

4.3

Geschichte im Neuen Testament

4.3. 1

Zeitliche Abfolge

Eine genaue historische Rekonstruktion der Periode, wie sie sich im Neuen Testament darstellt, ist nicht möglich, da einerseits die Schriftstücke nach theologischen und nicht nach chronologischen Gesichtspunkten angeordnet, andererseits die Evangelien erst zwischen 70 und 90 n. Chr., also 60 Jahre nach dem Tod Jesu Christi, niedergeschrieben wurden. Außerdem schenkten die Verfasser des Neuen Testaments den historischen Fakten keine große Beachtung, da sie glaubten, das Ende der Welt stünde nahe bevor. Darüber hinaus ist das Neue Testament eine Sammlung geistlicher Literatur, die für die speziellen Zwecke des Gottesdienstes, der Predigt und der Lehre verfasst wurde. Dennoch kann an der Existenz einer historischen Figur Jesus Christus kaum mehr gezweifelt werden: Wird diese doch auch durch außerbiblische Quellen (etwa arabische Schriftrollen) bestätigt. Mit der historisch fixierbaren Gestalt beschäftigt sich die Leben-Jesu-Forschung.

Trotz dieser Schwierigkeiten ergibt sich aus dem Lukasevangelium sowie aus der Apostelgeschichte, dass Jesus seine Wanderschaft als Prediger im 15. Jahr der Regentschaft des römischen Kaisers Tiberius begann, also zwischen 28 und 29 n. Chr. Darüber gibt das Lukasevangelium Aufschluss: „Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Judäa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene; Hohepriester waren Hannas und Kajaphas” (Lukas 3, 1). Alle vier Evangelien stimmen darin überein, dass Jesus gekreuzigt wurde – eine für schwere Verbrechen innerhalb des römischen Herrschaftsgebiets verhängte Strafe –, und dies zu einer Zeit, als Pontius Pilatus Statthalter von Judäa war (26-36 n. Chr.). Wenn man davon ausgeht, dass Jesus nur ein Jahr lang predigte, fand seine Wanderschaft zwischen 29 und 30 n. Chr. statt. Gemäß der Theorie, dass sich sein Wirken über einen Zeitraum von drei bis vier Jahren erstreckte, predigte er zwischen 29 und 33 n. Chr.

4.3. 2

Die Apostel und die Urkirche

Nach Jesu Tätigkeit als Wanderprediger, die in den vier Evangelien beschrieben wird, wurde die Leitung der religiösen Bewegung, die er initiiert hatte, laut Auskunft der Bibel von den zwölf Aposteln übernommen, die er als seine Jünger, also als seine Nachfolger, ausgewählt hatte. Die meisten dieser Männer gerieten in Vergessenheit oder wurden zu legendären Gestalten. Drei von ihnen werden jedoch als weiterhin aktive Führer geschildert: Dazu gehören Jakobus der Ältere, der vor 44 von Herodes Agrippa getötet wurde, Johannes, der Bruder des Jakobus und angeblich der Lieblingsjünger Christi (Johannes 21, 20-24), und Petrus. Letzterer war einer der frühen Leiter der Gemeinde von Jerusalem, unternahm jedoch auch einige Missionsreisen und wurde der Überlieferung zufolge um 65 n. Chr. in Rom als Märtyrer hingerichtet. In der Urgemeinde spielte auch Jakobus eine bedeutende Rolle, der als Bruder von Jesus bezeichnet wurde und eine wichtige Funktion in der Gemeinde von Jerusalem ausübte, bis er um 63 getötet wurde. Bevor 66 in Jerusalem der Aufstand der Juden gegen die römische Herrschaft begann, verließen die Christen die Stadt und waren daher nicht in die Kämpfe verwickelt, in deren Verlauf Jerusalem im Jahr 70 n. Chr. zerstört wurde.

Der Bericht in der Apostelgeschichte konzentriert sich auf Paulus, der zwischen 33 und 35 n. Chr. in der Nähe von Damaskus zum Christentum konvertierte (in der Bibel ist dieses Ereignis als plötzliches Bekehrungserlebnis festgehalten). Die Briefe des Paulus markieren seinen Weg als Missionar durch Syrien, Kleinasien, Makedonien, Griechenland und nach Rom, wo er wahrscheinlich 67 n. Chr. hingerichtet wurde. Paulus’ Briefe und die Apostelgeschichte vermitteln dem Leser einen Einblick in das Leben dieser frühchristlichen Gemeinden und ihr Verhältnis zu den größeren Kulturen, in die sie eingebettet waren.

Die übrigen Bücher des Neuen Testaments enthalten wenige historische Informationen und fast keine Anhaltspunkte für eine genaue Datierung. Generell scheint die Gemeinschaft, für die sie geschrieben wurden, bereits die zweite und dritte Generation gewesen zu sein. In diesen Schriften leben die direkten Nachfolger von Jesus bereits nicht mehr. Die anfängliche Euphorie und gespannte Erwartung der endgültigen Rückkehr Christi wich schon bald, wie sich ablesen lässt, dem Bedürfnis nach Bewahrung, Verwurzelung und Institutionalisierung des Vorhandenen (siehe Wiederkunft Christi). Der 2. Petrusbrief, der wahrscheinlich das zuletzt entstandene Buch des Neuen Testaments ist, versucht, die frühere Erwartungshaltung des unmittelbar bevorstehenden Endes der Geschichte neuerlich heraufzubeschwören. Dieser Versuch, den Eifer und die Überzeugung einer früheren Ära wieder zurückzuholen, ist selbst ein Anzeichen für das Ende eines Zeitalters.

5

Buchkunst

Während des Mittelalters wurde die in der Antike begonnene Tradition der Bibelillustration gepflegt, bei der einzelne Handschriften, zumeist separat kopierte Bücher des Alten oder Neuen Testaments (zumeist der Pentateuch, die Evangelien, die Psalmen und die Offenbarung des Johannes), mit kostbaren Miniaturen versehen wurden. Ein wichtiges Zeugnis einer Gesamtausgabe stellte im Spätmittelalter die so genannte Gumpertsbibel dar, die, im Skriptorium des Salzburger Klosters entstanden, heute in der Universitätsbibliothek von Erlangen aufbewahrt wird. Sie enthält 150 Illustrationen und ornamentale Randverzierungen. Die von Frankreich her kommende Historienbibel aus dem Ende des 13. Jahrhunderts erfreute sich auch im deutschsprachigen Raum großer Beliebtheit: Zeugnis hiervon legen etwa 100 Ausgaben ab, von denen die Hälfte mit zum Teil nachkolorierten Federzeichnungen versehen sind. In der Folge verflachte die Kunst der Buchillustration, auch wenn die Wenzelbibel vom Ende des 14. Jahrhunderts an die Glanzzeiten des Handwerks anzuknüpfen verstand. In einer Kölner Druckerei entstand von 1478 bis 1479 eine Holzschnittbibel, die die im 4. Jahrhundert begonnene Tradition der so genannten Bilderbibel wieder aufnahm; dabei handelte es sich um Bibeln mit verkürztem Text, der von Bildmedien erläutert wurde und so auch Analphabeten ein Verständnis sichern sollte (einen Sonderfall dieser Richtung stellt die Ende des 13. Jahrhunderts entstandene Armenbibel Biblia pauperum dar, die Szenen aus dem Alten und dem Neuen Testament typologisch nebeneinanderstellte und wohl für arme Geistliche konzipiert wurde, denen die teuren Textausgaben unerschwinglich waren). Bei diesen Blockbüchern wurden zumeist nur Auszüge des Textes beigegeben. Die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern wird durch die Gutenbergbibel markiert, die ihr Schöpfer Johannes Gutenberg 1456 vollendete.

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