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Windows Live® Suchergebnisse Michail LermontowEnzyklopädieartikel
Michail Lermontow (1814-1841), russischer Schriftsteller. Als Nachfolger Aleksandr Sergejewitsch Puschkins gehört er zu den bedeutendsten Vertretern der zweiten Generation einer literarischen Romantik seines Landes. Mit seiner Erzählweise und der psychologischen Tiefe seiner Werke avancierte er zum Wegbereiter des großen realistischen Romans der russischen Literatur im 19. Jahrhundert. Lermontow wurde am 15. Oktober 1814 in Moskau geboren und besuchte eine Militärschule in Sankt Petersburg. Danach diente er als Kornett in einem Garderegiment. Sein Hauptinteresse galt jedoch der Dichtung, wobei er sich im sentimental-modischen Frühwerk (er schrieb bereits als 14-jähriger Gedichte) von der melancholischen Skepsis Lord Byrons und dessen Stilisierung des lyrischen Ichs zum einsam-verkannten Individuum leiten ließ. 1837 trat Lermontow mit dem Gedicht „Smert’ poeta” („Der Tod des Dichters”), in dem er den Tod Puschkins betrauerte, erstmals an die Öffentlichkeit. In den letzten 16 Zeilen beschuldigte er Zar Nikolaus I. der Unterdrückung von Freiheit und Kunst und gab der „Lasterbrut”, die „den Thron umringt”, an Puschkins Tod die Schuld. Lermontow wurde daraufhin in den Kaukasus strafversetzt. Nach seiner Rückkehr im Jahr 1838 veröffentlichte er eine Sammlung von Gedichten, darunter das romantische Poem Pesnja pro Carja Ivana Vasil’eviča, molodogo opričnika i udalnogo kupca Kalašnikova (1837, Das Lied vom Zaren Iwan, seinem jungen Leibwächter und dem kühnen Kaufmann Kalaschnikow) sowie die lyrische Verserzählung Demon (1840, Der Dämon. Eine Erzählung aus dem Osten), die er von 1829 bis in sein Todesjahr hinein weiter bearbeitete. In dieser Zeit entstand auch sein berühmter autobiographischer Roman Geroj Našego vremini (1840, Ein Held unserer Zeit). Die von drei unterschiedlichen Erzählperspektiven getragenen fünf Novellen des Buchs schildern den Werdegang und die amourösen Abenteuer des jungen Offiziers Grigorij Aleksandrovič Pečorin, eines für die Nachfolgegeneration russischer Autoren zum Typenvorbild werdenden „überflüssigen Menschen” („lišniy čelovek”), dessen immer wieder aufflammende Leidenschaft zunehmend unter dem psychischen Grundgefühl von Langeweile und Gleichgültigkeit versiegt. Die letzten drei Abschnitte beschreiben an Hand von Tagebuchnotizen die Begebenheiten aus Sicht des Helden selbst, der sich, über sein Dasein reflektierend, als unsteter und tragischer Charakter einführt: „ich habe nie genug: an den Kummer gewöhne ich mich genauso wie an den Genuß, und mein Leben wird von Tag zu Tag inhaltsleerer”. Mit seiner Beschreibung einer Faszination am Bösen, das das Romanpersonal zum Spielball der Hauptfigur degradiert, nimmt Ein Held unserer Zeit entscheidende Züge der großen philosophischen Ideenromane Fjodor M. Dostojewskijs vorweg. In einem von Lermontows letzten Gedichten, „I skručo i grustno” (1840), wird das Leben nochmals als „einsam und traurig” besungen und somit auch die Grundposition seines Verfassers zum Ausdruck gebracht. Wegen eines unerlaubten Zweikampfs mußte Lermontow 1840 erneut in den Kaukasus. Dort wurde er am 27. Juli 1841 bei Pjatigorsk im Duell getötet. Obwohl Lermontow bereits im Alter von 26 Jahren starb, hatte er sich zum Zeitpunkt seines Todes bereits als brillanter und talentierter Schriftsteller etabliert. Seine Werke unterlagen zu seinen Lebzeiten einer strengen Zensur, da er sich nachdrücklich für die Freiheit einsetzte und eine antireligiöse Haltung vertrat. Mit seinen Schriften sorgte Lermontow außerdem für eine Wiederbelebung der russischen Volksdichtung, die die liedhafte Melodik seiner Lyrik prägt. Die Lektüre von Ein Held unserer Zeit inspirierte den irischen Autor James Joyce zum Titel seines Romans Stephen Hero (posthum 1944, Stephen der Held). Zu Lermontows Werken gehören außerdem die Verserzählung Mcyri (1840, Der Novize; auch: Der Mzyri) und das elegante Intrigendrama Maskarad (1842, Die Maskerade), welches u. a. vom bürgerlichen Trauerspiel Lessing’scher Provenienz beeinflusst ist.
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