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Livius

Enzyklopädieartikel

Livius, vollständiger Name Titus Livius (59 v. Chr.-17 n. Chr.), römischer Geschichtsschreiber in augusteischer Zeit, dessen historisches Monumentalwerk eine der bedeutendsten Informationsquellen über die frühe römische Geschichte darstellt. Er wurde in Patavium (heute Padua) in Norditalien geboren, wo er auch starb. Den Großteil seines Lebens verbrachte er jedoch in Rom, wo er u. a. als Lehrer des späteren Kaisers Claudius I. tätig war. Seine Römische Geschichte war eine 142 Bücher umfassende Darstellung der Ereignisse seit Gründung der Stadt Rom im Jahre 753 v. Chr. bis zum Jahre 9 v. Chr. (Originaltitel Ab urbe condita libri: Annalen seit der Gründung der Stadt). Vollständig erhalten sind nur 35 Bücher: die Bücher 1-10, die hauptsächlich die mythische Stadtgründung und die frühe Geschichte der Stadt bis zum Beginn des 3. vorchristlichen Jahrhunderts umfassen, und die Bücher 21-45 (ab Buch 41 nur fragmentarisch), in denen die Zeit vom Ende des 3. bis zur Mitte des 2. vorchristlichen Jahrhunderts mit dem 2. Punischen Krieg und den Makedonischen Kriegen geschildert wird. Von mehreren der dazwischenliegenden Bücher sind Bruchstücke erhalten, der Inhalt der späteren Bücher ist aus Beschreibungen verschiedener antiker Historiker bekannt. Die Bücher wurden ab 26 v. Chr. veröffentlicht, die letzten wahrscheinlich nach 14 n. Chr.

Livius schrieb seine Geschichte Roms während der Herrschaft des Kaisers Augustus, als das Römische Reich den gesamten Mittelmeerraum beherrschte und eine kulturelle und wirtschaftliche Blütezeit erlebte. Seine Aufzeichnungen, die die Frühgeschichte teilweise stark verklären, sollten veranschaulichen, dass Rom selbst in den Tagen seiner bescheidenen Anfänge zu Ruhm und Größe ausersehen war, die die Stadt nach seiner Überzeugung im Zeitalter seines Förderers Augustus erlebte. In seiner Darstellung führte Livius inhaltlich und formal die republikanische Annalistik weiter, die die Ereignisse chronologisch fortschrieb. Er verwendete das Material, das er in den Berichten früherer römischer Geschichtsschreiber fand, ohne die Fakten selbst und die Glaubwürdigkeit dieser Quellen zu überprüfen. Stärker als seine historische Zuverlässigkeit muss daher sein literarischer Stil gewürdigt werden, der stark an die Rhetorik Ciceros anknüpft. So geraten ihm besonders Einzelereignisse, wie Schlachten oder Versammlungen, zu eindrucksvollen Erzählungen von großer Lebendigkeit und Dramatik. Livius galt bereits in der Antike über die Renaissance bis ins frühe 19. Jahrhundert als bedeutende Autorität in historischen Fragen. Erst in der jüngeren Zeit rückte im Zuge einer kritischen Geschichtswissenschaft, die ihn aufgrund seiner historischen und sachlichen Unzuverlässigkeit verwarf, seine literarisch-künstlerische Leistung stärker ins Blickfeld.

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