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Tibet

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Artikelgliederung
6.5

Maßnahmen Chinas

Im Lauf des Jahres 1952 führten die Chinesen forciert Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur in Tibet durch. In verschiedenen Landesteilen wurden Flugplätze fertig gestellt und der Bau von Straßen für militärische Zwecke vorangetrieben. Anfang 1953 wurden Säuberungsaktionen gegen antikommunistische Kräfte durchgeführt. Im folgenden Jahr erkannte Indien Tibet als Teil Chinas an und löste die Garnisonen auf, die an zwei Handelsposten entlang der tibetischen Grenze errichtet worden waren. In der Folgezeit wurde der Dalai-Lama zum Vizepräsidenten der chinesischen gesetzgebenden Versammlung, dem Nationalen Volkskongress, gewählt. Gemäß den Bedingungen eines im April 1955 unterzeichneten Vertrags übergab Indien die Kontrolle über das tibetische Telefon-, Telegraphen- und Postverkehrsnetz an China. 1956 wurde ein Komitee gegründet, das eine Verfassung für Tibet ausarbeiten sollte. Der Dalai-Lama wurde zum Vorsitzenden und der Pantschen-Lama zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden ernannt.

6.6

Tibetische Aufstände

1956 kam es zu Aufständen und Guerillaaktivitäten der Tibeter gegen das chinesische Regime. Mao Tse-tung gab einige Monate später bekannt, dass Tibet für die Errichtung eines kommunistischen Regimes noch nicht bereit sei. In der zweiten Hälfte des Jahres 1958 wurden verbreitete Aktivitäten der antikommunistischen Guerilla im Osten Tibets gemeldet. Die Unruhen waren vermutlich Reaktionen auf Bestrebungen, Volkskommunen nach chinesischem Vorbild zu errichten, in denen die Bevölkerung mit quasimilitärischer Disziplin arbeiten sollte, um die Produktionsleistung zu steigern. Obwohl die Chinesen ankündigten, dass die Einführung der Kommunen in Tibet aufgeschoben werde, ließen sich die Unruhen nicht mehr eindämmen. Im März 1959 weiteten sie sich in Lhasa zu einer umfassenden Rebellion aus. Gegen Ende des Monats floh der Dalai-Lama nach Indien und gründete dort später eine tibetische Gemeinde. Die Chinesen schlugen schließlich die Rebellion nieder und setzten den Pantschen-Lama als Staatsoberhaupt ein. Schätzungen zufolge wurden etwa 87 000 Tibeter bei den Aufständen getötet. Am 21. Oktober stimmte die Generalversammlung der Vereinten Nationen einer Resolution zu, in der die Unterdrückung der Menschenrechte in Tibet verurteilt wurde. Eine zweite Resolution mit ähnlichem Inhalt wurde am 9. März 1961 verabschiedet.

6.7

Kommunistische Oberherrschaft

Zehntausende von Tibetern flohen nach der chinesischen Invasion ins Ausland, die meisten nach Indien, einige in die Himalaya-Königreiche Nepal und Bhutan. Der Dalai-Lama gründete in Indien eine tibetische Exilregierung. 1965 wurde Tibet formal zur autonomen Region der Volksrepublik China erklärt, und die chinesische Regierung verkündete, dass die Region einer kontinuierlichen Umwandlung zum Sozialismus unterzogen werde. Während der Kulturrevolution nahm die Verfolgung der Religion durch die maoistischen Roten Garden weiter zu. Hunderte von Klöstern und buddhistischen Denkmälern wurden gesprengt. Man schätzt, dass seit 1950 bis zu einem Sechstel der Bevölkerung Tibets durch die kommunistische Gewaltherrschaft ums Leben kam.

Seit dem Ende der Kulturrevolution in den späten siebziger Jahren hat China seine Politik gegenüber Tibet etwas gelockert. Der Pantschen-Lama, der 1964 seines Amtes enthoben worden war, wurde 1978 vom Regime wieder zugelassen. Er forderte den Dalai-Lama mehrmals zur Rückkehr auf. China gab 1980 zu, in Tibet Fehler gemacht zu haben, und kündigte Reformen an. So wurde etwa die Religionsausübung gestattet, und von den Roten Garden zerstörte Klöster wurden wieder aufgebaut mit dem Ziel, das Verhältnis zur Bevölkerung zu verbessern. Im März 1989 kam es in Lhasa zu scharfen Protesten gegen die chinesische Herrschaft, auf die die chinesische Führung mit der Entsendung von Truppen und der Verhängung des Kriegsrechts reagierte. Hunderte Tibeter sollen bei der Niederschlagung der Proteste ums Leben gekommen sein. In der Folgezeit nahm die chinesische Regierung die Lockerungen der achtziger Jahre wieder weitgehend zurück und suchte mit rigoroser religiöser, ethnischer und politischer Unterdrückung sowie der systematischen Ansiedelung von Han-Chinesen jegliche Protesthaltung zu bekämpfen. 1993 fanden erstmals seit zehn Jahren Gespräche zwischen China und Vertretern des Dalai-Lama statt; es folgten weitere Verhandlungen, die jedoch auf Seiten der Regierung keinerlei Veränderung, was ihre Haltung zu Tibet betraf, nach sich zog. Auf der anderen Seite zeigte sich der Dalai-Lama immer kompromissbereiter: Hatte er es bis weit in die neunziger Jahre hinein strikt vermieden, Tibet auch nur implizit als Teil Chinas zu bezeichnen, so akzeptierte er schließlich die Zugehörigkeit Tibets zu China. Politische Unabhängigkeit von China forderte er nicht mehr, wohl aber eine „wirkliche Autonomie”.

In der Folgezeit kam es wiederholt zu Übergriffen chinesischer Sicherheitskräfte gegen buddhistische Mönche; die weitaus schwersten Zusammenstöße aber ereigneten sich im März 2008: Sie begannen mit Demonstrationen der Tibeter aus Anlass des Jahrestages der Niederschlagung des tibetischen Aufstandes von 1959, die schon bald von chinesischen Sicherheitskräften gewaltsam auseinandergetrieben wurden. Die Lage eskalierte, die Sicherheitskräfte gingen immer wahlloser gegen Tibeter vor und schlugen die Proteste am Ende nieder. Während die chinesische Regierung lediglich ein paar wenige Tote zugab, sprach die tibetische Exilregierung von mindestens 100 Opfern. China machte die „Clique des Dalai-Lama” für die Unruhen verantwortlich und unterstellte, die Dalai-Lama-Anhänger wollten mit ihren Protesten die Olympischen Spiele im Sommer 2008 in Peking untergraben. Der Dalai-Lama bezeichnete das chinesische Vorgehen in Tibet als kulturellen Völkermord.

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