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    Jugoslawien (serbokroatisch, slowenisch und mazedonisch Jugoslavija; wörtlich übersetzt: Südslawien) bezeichnete von 1918/1929 bis 2003 einen Staat in Mittel-und Südosteuropa ...

  • Kategorie:Jugoslawien – Wikipedia

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    Beiträge zur Konfliktregion Jugoslawien. Nachfolgend eine Reihe von Artikeln, Analysen und Berichten zum NATO-Krieg gegen Jugoslawien und zur Situation auf dem Balkan.

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Jugoslawien

Enzyklopädieartikel
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Jugoslawien bis 1991Jugoslawien bis 1991
Artikelgliederung
1

Einleitung

Jugoslawien, frühere Republik in Mittel- und Südosteuropa; sie bestand aus den heute selbständigen Staaten Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Mazedonien, Serbien und Montenegro sowie Slowenien. Die Staatsfläche betrug etwa 255 000 Quadratkilometer, Hauptstadt war Belgrad. Jugoslawien wurde von Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Albanien und der Adria begrenzt.

2

Geschichte

2.1

Bis zum 19. Jahrhundert

Seit etwa 1000 v. Chr. war die Region von den Illyrern besiedelt, die um etwa 700 v. Chr. zunächst unter griechischem, später unter römischem Einfluss standen. 395 n. Chr. fiel mit der Teilung des Römischen Reiches das Gebiet Jugoslawiens an das Oströmische Reich. Im Zuge der Völkerwanderung kamen im 5. und 6. Jahrhundert slawische Stämme (u. a. Serben, Kroaten, Slowenen und Bulgaren) nach Südosteuropa und absorbierten die angestammte Bevölkerung.

Die Slowenen errichteten um 600 im Norden das selbständige Fürstentum Kärnten, das später von Bayern bzw. dem Reich abhängig wurde. 1282 fiel das Kernland Sloweniens, die Krain, an die Habsburger und blieb bis 1918 größtenteils österreichisch. Im frühen 10. Jahrhundert bildeten die Kroaten ein unabhängiges Königreich. Es brachte auch Dalmatien unter seine Herrschaft; die Küstenstädte verblieben allerdings beim Byzantinischen Reich, später kamen sie zu Venedig. Ab dem 12. Jahrhundert wurde Kroatien in verschiedenen Formen in Personalunion mit Ungarn regiert. 1527 wählten kroatische Adelige den Habsburger Ferdinand I. zum König und begründeten so die bis 1918 andauernde österreichisch-ungarische Vorherrschaft. Ende des 12. Jahrhunderts löste sich Bosnien von Kroatien und stieg 1377 zum selbständigen Königreich auf. Im frühen 10. Jahrhundert bildete sich die Herzegowina heraus; sie kam zu Beginn des 14. Jahrhunderts zu Bosnien.

Die Serben erkämpften sich nach der Fremdherrschaft durch zuerst Bulgarien, dann durch Byzanz unter Großfürst Stephan Nemanja 1180 die Unabhängigkeit. Unter seinen Nachfolgern konnten 1330 die Bulgaren besiegt werden und Serbien die Vormachtstellung auf dem Balkan erringen. Auf dem Höhepunkt seiner Macht umfasste das serbische Reich Makedonien, Thessalien, Albanien und Epirus. Nach dem Tod von Stephan Dušan zerfiel das Reich in Einzelstaaten, die dem Ansturm der Osmanen keinen Widerstand entgegensetzen konnten. Nach den Niederlagen der Serben in den beiden Schlachten auf dem Amselfeld (1389 und 1448) fiel Serbien bis auf Belgrad an das Osmanische Reich. 1463 eroberten die Türken Bosnien und 1482 schließlich die Herzegowina, und nach der Einnahme Belgrads 1521 hatten sie ganz Serbien unter ihrer Herrschaft. Der Islam gewann in den eroberten bzw. vom Osmanischen Reich abhängigen Gebieten an Bedeutung, und die europäisch-abendländischen Einflüsse wurden zurückgedrängt.

Verschiedene Aufstände der Serben gegen die osmanische Herrschaft im 17. und 18. Jahrhundert blieben ohne Erfolg; Ende des 17. Jahrhunderts flohen zahlreiche Serben vor den Repressalien nach Südungarn. Nach entscheidenden Siegen in den Türkenkriegen gewann Österreich 1699 große Teile Slawoniens und Kroatiens sowie 1718 Nordserbien mit Belgrad und Teile Bosniens; Serbien und Bosnien gingen jedoch bereits 1739 wieder an die Osmanen verloren.

2.2

19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert vertieften sich die heute noch bestehenden Gegensätze zwischen den christlich-orthodoxen Serben, der muslimischen Mehrheit in Bosnien und den christlich-orthodoxen und den muslimischen Mazedoniern. Dieser konfessionell-ethnische Sprengstoff wurde noch verschärft durch österreichisch-ungarische Kroaten, katholische Slowenen und nicht-südslawische Völker wie Albaner, Ungarn, Türken, Italiener. Mit dem Ziel, die Unabhängigkeit zu erlangen unternahmen die Serben 1804 einen Aufstand gegen die osmanische Fremdherrschaft, der durch den 5. Russisch-Türkischen Krieg (1806-1812) begünstigt wurde; nach dem russisch-türkischen Friedensschluss wurde der Aufstand 1813 niedergeschlagen. 1815 erhoben sich die Serben unter Miloš Obrenović erneut und erreichten 1815 für Serbien die Autonomie innerhalb des Osmanischen Reiches; 1830 wurde Serbien autonomes Erbfürstentum unter osmanischer Oberhoheit. Serbiens nächstes Ziel war nun die volle Unabhängigkeit sowie die Vereinigung aller Südslawen in einem Staat. Nach dem Abzug der letzten osmanischen Truppen 1867 hatte Serbien schließlich auch ausreichend Spielraum, um sich im Kampf gegen das Osmanische Reich zu engagieren. 1875/76 unterstützte Serbien den Aufstand in Bosnien und der Herzegowina und 1876/77 den Montenegrinischen Krieg gegen das Osmanische Reich.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts hatte Russland seine Sympathien für die Aufstandsbewegung auf dem Balkan (siehe Panslawismus) und sein Engagement in dieser Region verstärkt; 1877 erklärte Russland in Unterstützung der Aufstände auf dem Balkan dem Osmanischen Reich den Krieg. Nach dem russischen Sieg erhielten Serbien und Montenegro im Vorfrieden von San Stefano 1878 die volle Unabhängigkeit, die auf dem Berliner Kongress im selben Jahr bestätigt wurde. Bosnien und die Herzegowina allerdings, die mit ihrem Aufstand 1875/76 die Krise auf dem Balkan ausgelöst hatten, wurden österreichisch-ungarischer Verwaltung unterstellt. In das politische Geschehen auf dem Balkan waren die europäischen Großmächte direkt (Italien, Russland, Österreich-Ungarn) und indirekt (Großbritannien, Deutsches Reich, Frankreich) verwickelt. 1882 wurde Serbien in ein Königreich unter Milan I. Obrenović umgewandelt; er geriet zunehmend in Abhängigkeit von Österreich-Ungarn.

2.3

20. Jahrhundert

1903 wurde der serbische König Alexander I. Obrenović ermordet und durch Peter I. Karaðorðević ersetzt. Peter entzog Serbien dem österreichisch-ungarischen Einfluss, und unter ihm wurde wieder die Idee eines südslawisch-großserbischen Staates virulent. 1907 forderten serbische Nationalisten, die ein großserbisches Reich errichten wollten, den Anschluss Bosniens an Serbien. Österreich annektierte daraufhin 1908 Bosnien und die Herzegowina und provozierte damit eine Verschärfung des Gegensatzes zu Serbien. Als das Osmanische Reich wegen innerer Unruhen, Aufständen in Albanien und dem Krieg gegen Italien geschwächt war, schlossen sich Serbien und Bulgarien 1912 zum Balkanbund gegen das Osmanische Reich zusammen. Griechenland und Montenegro traten dem Bündnis ebenfalls bei.

Aus dem 1. Balkankrieg zwischen der Türkei und den Mitgliedern des Balkanbundes ging das Bündnis als Sieger hervor. Gestärkt durch den Sieg forderte Serbien einen Zugang zur Adria, der aber von Italien und vor allem von Österreich-Ungarn verwehrt wurde, was die Feindschaft zwischen Serbien und Österreich-Ungarn noch vertiefte. Das Osmanische Reich musste im Frieden von London alle Gebiete westlich der Linie Enos-Midia abtreten. In der Auseinandersetzung um die territoriale Neuordnung des Balkans griff Bulgarien nun im 2. Balkankrieg 1913 Serbien an, das von Rumänien, Montenegro, Griechenland und der Türkei unterstützt wurde. Der Friede von Bukarest brachte keine Entspannung der Lage, da Serbien der Zugang zur Adria weiterhin verwehrt blieb und sich die Fronten auf dem Balkan verfestigten.

Die instabile Lage spitzte sich zu, als am 28. Juni 1914 ein serbischer Nationalist den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Frau Sophie in Sarajevo erschoss. Daraufhin erklärte Österreich-Ungarn nach Ablauf eines Ultimatums Serbien am 28. Juli 1914 den Krieg (siehe 1. Weltkrieg). Nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Doppelmonarchie am Ende des 1. Weltkrieges bildete sich aus Serbien, Montenegro und den ehemals österreichisch-ungarischen Gebieten Kroatien, Slowenien, Bosnien und Herzegowina 1918 das „Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen” unter Alexander I. Das neue Königreich zeichnete sich durch einen großserbischen Zentralismus aus; der Autonomiegedanke hinsichtlich nichtserbischer Ethnien und anderer Religionen blieb weitgehend unbeachtet, die ethnischen und die konfessionellen bzw. religiösen Spannungen bleiben bestehen und verschärften sich zum Teil noch. Am 6. Januar 1929 hob Alexander I. die Verfassung auf und benannte den Staat in „Königreich Jugoslawien” um.

Nach der Besetzung Jugoslawiens durch deutsche Truppen im April 1941 während des 2. Weltkrieges bildeten sich verschiedene Widerstandsbewegungen, deren stärkste die der Kommunisten unter dem Kroaten Josip Broz, genannt Tito, war. In Kroatien errichtete die faschistische Ustascha unter deutschem Schutz den „Unabhängigen Staat Kroatien”. Die Ustascha betrieb eine brutale Politik der „ethnischen Säuberung”, auf die Tito mit ähnlichen Mitteln reagierte. Im November 1943 errichtete der „Antifaschistische Rat zur Nationalen Befreiung Jugoslawiens” (AVNOJ) unter dem Vorsitz Titos eine provisorische Regierung, die von den Alliierten unterstützt wurde. Am 10. August 1945 wurde der AVNOJ in ein provisorisches Parlament umgewandelt, das mit Gesetzen zur Bodenreform die wirtschaftliche und soziale Umstrukturierung des Landes einleitete. Die Wahlen zur Verfassung gebenden Versammlung gewann am 11. November 1945 Titos kommunistische Volksfront mit deutlicher Mehrheit, und am 29. November rief die Verfassung gebende Versammlung die Republik aus. Unter der neuen Verfassung wurde Jugoslawien in die Föderative Volksrepublik Jugoslawien umgewandelt; Bosnien und Herzegowina bildeten eine „Volksrepublik” innerhalb der Föderation, die 1963 in „Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien” umbenannt wurde. Gleichzeitig mit der Umbenennung wurden Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Slowenien, Serbien, Montenegro und Mazedonien sozialistische Republiken.

1948 kam es zwischen der Sowjetunion und dem Ostblockstaat Jugoslawien zum Bruch, da Tito als Staatschef Jugoslawiens einen eigenen, von nationalem Bewusstsein geprägten Kommunismus und ein eigenes Sozialismusmodell entwickelt hatte und sich die Einmischung der Sowjetunion in die inneren Angelegenheiten Jugoslawiens verbat. Tito näherte sich den blockfreien Staaten an, hielt gute Kontakte zum Westen und verfolgte insgesamt nach Innen und Außen einen unabhängigen Kurs.

Obwohl Jugoslawien formal ein sozialistischer Bundesstaat war, dominierten doch in Partei, Wirtschaft und Armee die Serben. Es kam wiederholt zu ethnischen Spannungen, denen u. a. durch den Ausbau von Föderalismus und Selbstverwaltung in der Verfassung von 1974 entgegengewirkt werden sollte.

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