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Windows Live® Suchergebnisse UnterseebootEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Geschichte; 20. Jahrhundert; Atomare Unterseeboote; Unterseeboote mit Brennstoffzellenantrieb
Unterseeboot (Kurzform: U-Boot), Marineschiff, das hauptsächlich für den Unterwassereinsatz bestimmt ist. Unterseeboote der Marine haben als Waffensysteme Raketen und Torpedos an Bord (siehe Lenkrakete; Torpedo). Das moderne Unterseeboot ist ein allseits wasserdichtes Schiff mit einem geschweißten, zigarrenförmigen Rumpf, dessen größter Teil von einer inneren Kammer eingenommen wird (Druckkammer). Sie muss dem enormen Druck, der in großen Meerestiefen herrscht, widerstehen. Der Rest wird von einer äußeren Kammer eingenommen, in der Ballasttanks untergebracht sind. Der auf den Rumpf aufgesetzte Turm (bei älteren Unterseebooten Kommandoturm) enthält die Einstiegsluke, das Sehrohr (siehe Periskope), Radar- und Funkmasten und den Schnorchel. Der Turm dient als Ausguckplattform und als Schutz der Brückenwache bei Überwasserfahrt. Zum Tauchen wird Wasser in ausreichenden Mengen in die Ballasttanks eingelassen, damit das Unterseeboot auf die gewünschte Tiefe sinkt. Beim Wiederauftauchen wird das Wasser mit Druckluft aus den Tanks gepumpt. Am Bug (vorne) und am Heck (hinten) befinden sich die so genannten Tiefenruder. Bei manchen U-Boot-Modellen sind am Turm zusätzlich horizontal stehende Längsstabilisatoren angebracht. Am hinteren Bootsende ist das Seitenruder. Die Hauptwaffe konventioneller Unterseeboote (auch Angriffs-U-Boote) ist der Torpedo, der aus Torpedorohren abgeschossen wird. Je nach Bootsmodell befinden sich die Torpedorohre nur im vorderen Teil, oder sowohl vorne als auch hinten. Bei den Raketenunterseebooten (strategische U-Boote) ist die hauptsächlichste Waffe die ballistische Mittel- oder Langstreckenrakete. Unterseeboote für zivile, vor allem für wissenschaftliche Zwecke, heißen Tauchboote (siehe Tiefseeforschung).
Das erste Unterwasserfahrzeug soll ein lederüberzogenes Holzruderboot gewesen sein. Es wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts von dem holländischen Erfinder Cornelis Drebbel in England gebaut. Das Schiff soll laut überlieferten Aussagen von Augenzeugen auf mehreren mehrstündigen Fahrten zwölf Ruderer und mehrere Passagiere unterhalb der Wasseroberfläche der Themse befördert haben. Zur Aufrechterhaltung der Sauerstoffversorgung des Unterseebootes während des Unterwasseraufenthalts soll Drebbel Luftröhren benutzt haben, die an Flößen auf der Wasseroberfläche befestigt waren. Das erste militärisch genutzte Unterwasserfahrzeug war eine eiförmige Konstruktion, die nur eine Person beförderte. Die „Bushnell’s turtle” erfand und konstruierte der amerikanische Ingenieur David Bushnell gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Dieses Fahrzeug wurde mit einer handbetriebenen schraubenförmigen Vorrichtung angetrieben. Es tauchte unter, wenn über ein Ventil Wasser in einen Ballasttank eingelassen wurde, und es stieg wieder auf, wenn der Tank mit einer Handpumpe geleert wurde. Bleigewichte hielten das Boot aufrecht. Da ihm eine Unterwassersauerstoffversorgung fehlte, konnte es nur eine halbe Stunde unter Wasser bleiben. Während des Nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieges kam es bei einem allerdings erfolglosen Angriff auf ein britisches Schiff zum Einsatz. Im Jahr 1800 baute der amerikanische Erfinder Robert Fulton ein 6,4 Meter langes Unterseeboot mit Namen Nautilus, das dem modernen Unterseeboot in der Form ähnlich war. Bei diesem Fahrzeug führte Fulton zwei bedeutende Neuerungen ein: Ruder zur Seiten- und Tiefensteuerung sowie Druckluft als Sauerstoffversorgung unter Wasser. Beim Tauchen wurde die Nautilus von einer handbetriebenen Schiffsschraube mit vier Flügeln angetrieben. Über Wasser trieben Segel an einem klappbaren Mast das Boot an. Im Verlauf des Amerikanischen Bürgerkrieges baute man in den konföderierten Staaten tauchfähige Boote zum Einsatz gegen die Seeblockade der Unionsstaaten. Am 17. Februar 1864 vernichtete im Hafen von Charleston (South Carolina) ein Unterseeboot der Konföderierten, die H.L. Hunley, das Unionsschiff USS Housatonic. Die Hunley wurde bei diesem Angriff ebenfalls zerstört. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden viele Anstrengungen unternommen, um ein geeignetes Mittel für den Antrieb von Unterseebooten zu finden. Erfinder experimentierten dabei mit Druckluft, Dampf und Elektrizität als Energiequellen. Das erste einsatzfähige Unterseeboot mit einer wirkungsvollen Energiequelle wurde vom amerikanischen Erfinder John Philip Holland entwickelt. Es hatte ein Zweifachantriebssystem. 1898 vom Stapel gelassen, verwendete sein Unterseeboot über Wasser einen Benzinmotor und für die Fahrt unter Wasser einen Elektromotor. Das insgesamt 16,2 Meter lange Boot wurde von der US-Regierung 1900 käuflich erworben und USS Holland getauft.
Der amerikanische Ingenieur Simon Lake trug mit verschiedenen Erfindungen zur Entwicklung des modernen Unterseebootes bei. Zu seinen Entdeckungen zählt vor allem der Entwurf zur Technik des freien Flutens von 1898. In Deutschland wurde 1906 erstmals ein Dieselmotor in ein Unterseeboot eingebaut (siehe Verbrennungsmotor). Mit der Entwicklung des Periskops und des Torpedos mit Eigenantrieb wurde das Unterseeboot zu einem wichtigen Faktor in der Seekriegsführung. Zum ersten Mal wurde die Wirkung des Unterseebootes als Waffe im 1. Weltkrieg deutlich, als in großem Umfang deutsche Unterseeboote gegen Kriegs- und Handelsschiffe der Alliierten eingesetzt wurden. Aufgrund dieser Erfolge kam es zur Entwicklung von Wasserbomben. Zwischen dem 1. und 2. Weltkrieg wurden an der Form und an der Funktionsweise des Unterseebootes Verbesserungen vorgenommen. Für die Kommunikation und für das Aufspüren feindlicher Schiffe wurden Unterwasserschallgeräte entwickelt (siehe Sonar; Ultraschall). Rettungsgeräte, wie z. B. das Leichtgewichtbeatmungsgerät, die so genannte Momsen-Lunge, wurden Bestandteil der Standardausrüstung der Mannschaften für Notfälle. Im 2. Weltkrieg hatte ein typisches US-Unterseeboot an der Wasseroberfläche eine Geschwindigkeit von etwa 18 Knoten, wobei Dieselmotoren benutzt wurden. Unter Wasser erreichte es mit Hilfe der Elektromotoren eine Geschwindigkeit von acht Knoten. Beim Unterwasserbetrieb war der Aktionsradius eingeschränkt. Die elektrische Energie wurde aus Akkumulatorenbatterien gewonnen. Dadurch war das Unterseeboot gezwungen, in bestimmten Abständen wieder aufzutauchen, um die Batterien aufzuladen. Während des 2. Weltkrieges entwickelte die deutsche Marine den Schnorchel. Er besteht aus einer langen Röhre, die bis über die Wasseroberfläche reicht. In der Röhre sind Einlasskanäle, um Frischluft zum Dieselmotor zu führen, und Auslasskanäle, um die Abgase des Dieselmotors abzuleiten. Dadurch war die Unterwasserfahrt mit Hilfe des Dieselmotors möglich, wenn auch nur in geringen Wassertiefen. Natürlich ließen sich so auch die Batterien während der Unterwasserfahrt aufladen. Damit wurde der Aktionsradius des Unterseebootes unter Wasser deutlich vergrößert. 1950 stellte ein mit einem Schnorchel ausgerüstetes Unterseeboot einen Streckenrekord für das Fahren unter Wasser auf. Es fuhr von Hongkong nach Honolulu, also über eine Entfernung von 8 370 Kilometern. Ein neuer Rumpftyp wurde mit dem USS Albacore eingeführt (Stapellauf 1953). Diese tropfenförmige Rumpfkonstruktion erwies sich als sehr erfolgreich zum Erreichen höherer Geschwindigkeiten unter Wasser. Bei fast allen späteren Unterseebooten verwendete man diese Konstruktion. 1954 ließ die britische Marine das Unterseeboot HMS Explorer vom Stapel, das mit Wasserstoffperoxid angetrieben wurde. Dadurch erhöhte man den Aktionsradius unter Wasser.
Die folgenreichste Entwicklung für den Unterseebootantrieb war die Anwendung von Kernenergie. Das erste atomgetriebene Unterseeboot war die USS Nautilus. Sie wurde 1954 vom Stapel gelassen und im darauf folgenden Jahr in Dienst gestellt. Bei einem Probelauf 1955 fuhr die Nautilus unter Wasser von New London in Connecticut nach San Juan in Puerto Rico. Dabei legte das Boot die Entfernung von 2 170 Kilometern in 84 Stunden zurück. Die Fahrgeschwindigkeit unter Wasser betrug mehr als 20 Knoten. Anfang August 1958 unternahm die Nautilus die erste Unterquerung des Nordpoles. Bei dieser Fahrt fuhr sie unterhalb des polaren Packeises von Point Barrow (Alaska) bis zu einem Punkt zwischen Spitzbergen und Grönland. Noch im gleichen Monat erreichte das USS Skate, ein weiteres atomar angetriebenes Unterseeboot, gemeinsam mit dem USS Seawolf und dem USS Swordfish während einer Erkundungsfahrt den Nordpol. Von der Seawolf wurde in der Zeit vom 7. August bis zum 6. Oktober 1958 ein Langzeitrekord von 60 Tagen für den Unterwasserbetrieb aufgestellt. 1956 wurde das USS Skipjack vom Stapel gelassen. In der Skipjack waren Atomantrieb, die tropfenförmige Rumpfform der Albacore und eine einfache Schiffsschraube miteinander vereint. Weiterentwickelte Varianten dieses Unterseebootes, bekannt als die Thresher-Klasse, wurden Anfang der sechziger Jahre in Betrieb genommen. Am 10. April 1963 ging das USS Thresher mit 129 Mann an Bord während eines Tiefseetauchtestes im Atlantik verloren. Dieser Unfall führte zu Neuerungen bei der Konstruktion von Unterseebooten und Unterwasserrettungstechnik (siehe Tiefsee-Erkundung; Tauchen). 1960 bauten die Amerikaner die ersten Unterseeboote, die ballistische Raketen (SLBM = Sea Launched Ballistic Missile) mit Nuklearsprengköpfen an Bord hatten (siehe Kernwaffen). Die Polaris-Rakete ist in der Lage, Ziele zu treffen, die 4 000 Kilometer vom Unterseeboot entfernt sind. Mitte der sechziger Jahre entwickelte die US-Marine eine inertial gelenkte Langstrecken-Unterseebootabwehrrakete, die unter Wasser aus den Torpedorohren eines Unterseebootes abgeschossen werden konnte. Ende der sechziger Jahre wurde auf einigen Unterseebooten die Polaris-Rakete durch eine neue Langstrecken-SLBM ersetzt. Die Poseidon-Rakete kann bis zu zehn Atomsprengköpfe tragen. Siehe auch Rakete Anfang der siebziger Jahre förderten die USA das so genannte Trident-I-System, ein Nachfolgermodell der Polaris und der Poseidon. Außerdem entwickelten die Amerikaner atomare Unterseeboote der Ohio-Klasse. Diese neuen Modelle waren mit 24 Abschussrohren mit je einer Interkontinentalrakete ausgerüstet (Reichweite: 7 400 Kilometer). Das erste Schiff dieser Klasse, das USS Ohio, wurde 1981 vom Stapel gelassen und in Dienst gestellt. 1988 besaß die US-Marine 132 Unterseeboote, fast alle mit Atomantrieb. Die meisten verfügen über einen Reaktor, der ohne Kraftstoffnachschub Antriebskraft für mindestens 64 000 Kilometer Fahrt erzeugt. Schätzungen zufolge verfügte die damalige Sowjetunion über etwa 120 Atomunterseeboote. Davon waren 48 mit Marschflugkörpern und der Rest zum großen Teil mit Lenkraketen für die U-Boot-Abwehr ausgerüstet.
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