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Artikelgliederung
Einleitung; Materialien und Techniken; Ägyptische Ursprünge; Antike und frühchristliche Zeit, Byzantinisches Reich; Irische und englische Handschriften; Der karolingische Stil; Romanische Handschriften; Gotische Handschriften; Arabische und persische Handschriften; Indische und türkische Handschriften; Hebräische Handschriften
Buchmalerei, handbemalte Schriftrollen und Bücher, die von Künstlern und Kunsthandwerkern mit Verzierungen und Bildern (Miniaturmalerei) versehen (illuminiert) wurden. Der Begriff wird üblicherweise für die illuminierten Handschriften (Illumination: bis ins 19. Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung für das Kolorieren von Druckgraphik) des Mittelalters verwendet, die auf verschiedene Art ausgeschmückt und illustriert wurden. Die Buchmalereien werden auch Miniaturen genannt, da von den Miniatoren mit Mennige (rote Farbe; aus dem lateinischen minium) Initialen, Randleisten und Überschriften koloriert wurden; der Begriff Miniatur bezieht sich in der Buchmalerei nicht auf das kleine Bildformat.
Für die Buchmalerei stand eine große Farbpalette zur Verfügung. Braun und Ockerfarben wurden aus Erdpigmenten gewonnen. Orange und Rot war auch als Metallablagerung vorhanden; Blau wurde aus gemahlenem Lapislazuli hergestellt oder aus Färberwaid gewonnen. Weiß wurde aus Kalk, Blei oder der Knochenasche gewonnen. Gelb bestand aus Arsentrisulfid oder aus Safran. Die Farben wurden mit Eiweiß als Bindemittel auf dem Pergament fixiert. Der Eindruck des voluminösen Goldauftrags wurde durch einen rötlich gefärbten Kreideuntergrund hervorgerufen, auf den das Blattgold mit Hilfe von Eiweiß oder Gelatine auf das Pergament aufgebracht (angeschossen) und mit einem Achat fixiert wurde. Die Handschrift wurde meistens mit einem Schmuckblatt in Form einer Widmung eröffnet. Im Text selbst wurden die Initialen (die großen Anfangsbuchstaben eines Kapitels) vergrößert geschrieben, verziert und oft mit Figuren illustriert oder auch in zoomorphe (tiergleiche) Formen gebracht. Oft wurden die Handschriften mit floralen Ornamenten eingefasst oder mit Tieren (oft Vögeln) und Fabelwesen bebildert. Viele Handschriften enthalten ganzseitige Illustrationen, die sich entweder durch den Text ziehen oder an den Anfang gestellt werden.
Die Buchmalerei begann im antiken Ägypten mit dem illustrierten Totenbuch, das in Form von Papyrusrollen mit Tuschzeichnungen versehen war. Im 2. Jahrtausend v. Chr. wurden sie von Pharaonen, Adeligen, Priestern und Hofbeamten in Auftrag gegeben. Oft wurden Handschriften hergestellt, in welche die Erwerber nachträglich ihren Namen einsetzen konnten. Der Text bestand aus Beschreibungen der Zeremonien, die vor dem Begräbnis stattfanden oder Gebeten, die von Priestern oder Angehörigen der Verstorbenen gesprochen wurden, sowie Verhaltensregeln für den Toten in der Welt im Jenseits. Szenen des Begräbnisrituals wurden immer wieder gemalt: die Begräbnisprozession, die Mumifizierung und die Übergabe der Verstorbenen an Osiris, den ägyptischen Totengott. Dank des trockenen ägyptischen Klimas blieben zahlreiche vergrabene Schriftrollen erhalten. Die bekannteste ist die Papyrusrolle von Ani (um 1570 v. Chr., British Museum, London) aus der 18. Dynastie. Nach dem 12. Jahrhundert v. Chr. befand sich die ägyptische Buchmalerei im Niedergang, doch wurden Totenbücher bis in die hellenistische Zeit (323 bis 1. Jahrhundert v. Chr.) angefertigt (siehe Hellenismus). Schreiber, die Manuskripte für die große Bibliothek von Alexandria kopierten, hatten die ägyptische Buchmalerei zum Vorbild und übertrugen den Stil der Totenbücher auf Werke griechischer Literatur. Möglicherweise war das Alte Testament, das in Alexandria vom Hebräischen ins Griechische übertragen wurde, ursprünglich illustriert.
Aus der frühchristlichen (1.-6. Jahrhundert n. Chr.) und byzantinischen Zeit (4.-12. Jahrhundert n. Chr.) haben sich nur wenige illuminierte Handschriften erhalten. Wichtige literarische Handschriften sind zwei Kopien aus Vergil in der Vatikanischen Bibliothek in Rom und eine Fassung von Homers Ilias in der Biblioteca Ambrosiana in Mailand. Die prächtigsten Bibeln sind die Wiener Genesis (Nationalbibliothek, Wien), ein Buch mit Geschichten aus der Schöpfungsgeschichte (siehe Genesis); der Codex Rossanensis (Diözesanmuseum, Rossano, Italien), beide im 6. Jahrhundert auf Purpurpergament geschrieben, und das Rabula-Evangeliar (586, Biblioteca Laurenziana, Florenz). De Materia Medica, ein Kräuterbuch, das der griechische Arzt Pedanios Dioskuides im 1. Jahrhundert n. Chr. schrieb, wurde um 512 illustriert; so entstand die Ausgabe des Wiener Dioscorides, die in der byzantinischen und islamischen Welt oft kopiert wurde. Nach der ikonoklastischen Periode von 726 bis 843 (siehe byzantinische Kunst und Architektur) wurden biblische Inhalte illusionistisch (täuschende Nachahmung der Wirklichkeit) gemalt. Der Pariser Psalter (Bibliothèque Nationale, Paris) aus dem 10. Jahrhundert zeigt mehrere Frontispizillustrationen biblischer Figuren und ein Porträt von König David, dessen Ikonographie von den antiken Darstellungen des Wildtiere zähmenden Orpheus inspiriert war.
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