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IrakEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Physische Geographie; Bevölkerung; Bildung und Kultur; Verwaltung und Politik; Wirtschaft; Geschichte
Die Wirtschaftsstruktur des traditionell auf Agrarwirtschaft ausgerichteten Landes änderte sich grundlegend, als mit dem Abbau der reichen Erdöllagerstätten begonnen wurde. Der Irak, Mitglied der OPEC, verfügt nach Saudi-Arabien über die zweitgrößten Erdölreserven der Welt. Der gesamte Erdölsektor befindet sich unter staatlicher Kontrolle. Nach dem 2. Golfkrieg schwächte das von den Vereinten Nationen verhängte Erdölembargo die Wirtschaft des Irak erheblich: Der Irak durfte zunächst überhaupt kein Erdöl mehr exportieren, ab 1995 dann nur in begrenztem Umfang, die Ausfuhrerlöse jedoch ausschließlich für den Import von Nahrungsmitteln und Medikamenten und ähnlichen Gütern der Grundversorgung verwenden. Der Irak-Krieg 2003 brachte die Wirtschaft vorübergehend nahezu vollständig zum Erliegen, insbesondere auch den Erdölexport. Nach dem Sturz des Hussein-Regimes hoben die Vereinten Nationen alle Sanktionen gegen den Irak auf, darunter auch das Erdölembargo; jedoch flossen die Erlöse aus dem Erdölexport vorerst in einen von einem internationalen Beirat überwachten Entwicklungsfonds, d. h., der Irak konnte nicht frei über die Verwendung der Exporterlöse entscheiden. Gestört und zeitweise völlig unterbrochen wurde der Erdölexport aber auch nach dem Krieg, und zwar durch immer wieder aufflammende Kampfhandlungen sowie durch Anschläge auf Förderanlagen und Pipelines. Insgesamt konnte die irakische Wirtschaft nach dem Krieg in höherem Maß als zuvor auf ausländische Investitionen zählen.
Etwa 75 Prozent der Landesfläche sind Wüste oder Halbwüste, 13,1 Prozent (2003) werden als Ackerland genutzt. In den Bergländern des Nordens ermöglichen die Niederschläge Regenfeldbau, in den südlichen Landesteilen erfolgt entlang von Euphrat und Tigris überwiegend Bewässerungsfeldbau. Insgesamt werden 8,1 Prozent (2003) der Anbauflächen im Irak künstlich bewässert. Hauptanbauprodukte sind Weizen und Gerste, im sumpfigen Tiefland auch Reis. In den intensiv bewirtschafteten nahen Uferbereichen werden Obst- und Gemüsekulturen angebaut (vor allem Zitrusfrüchte, Granatäpfel, Feigen und Hülsenfrüchte). Eine Sonderstellung als weitaus bedeutendste Kulturpflanze nimmt die Dattelpalme ein. Auch die Viehzucht stellt einen wichtigen Erwerbszweig dar; im Vordergrund stehen dabei Rinder-, Schaf-, Ziegen- und Geflügelhaltung. Außerdem werden im Irak die berühmten arabischen Vollblutpferde gezüchtet. Forstwirtschaft wird in nur geringem Umfang betrieben. Dagegen ist der Fischfang in Euphrat und Tigris ergiebig.
Wichtigster Bodenschatz im Irak ist das Erdöl. Die Erdölfelder sind auf drei Hauptgebiete verteilt: am Persischen Golf bei Basra, im nördlichen Teil des Landes zwischen Mosul und Kirkuk und im Osten des Irak, nahe der iranischen Grenze. Ebenfalls bedeutend sind die Erdgas-, Schwefel- und Phosphatvorkommen. Darüber hinaus werden in kleinerem Umfang Meersalz und Gips gewonnen.
Auch im produzierenden Gewerbe nimmt der Erdölsektor eine dominierende Rolle ein. Bis Anfang der siebziger Jahre kontrollierten ausländische Gesellschaften die irakische Erdölindustrie. Zwischen 1972 bis 1975 wurden sämtliche ausländische Erdölgesellschaften von der Regierung verstaatlicht und von der Iraq National Oil Company sowie der Northern Petroleum Organization übernommen. Wichtige Raffineriestandorte sind Bagdad, Basra und Kirkuk. Eine Verflüssigungsanlage für Erdgas befindet sich in Taji, in der Nähe von Bagdad. Weitere Produktionszweige sind die Verarbeitung von Nahrungsmitteln und Tabak sowie die Herstellung von Textilien und Baustoffen. Bereits in den sechziger Jahren wurden die meisten größeren Industriebetriebe verstaatlicht. Die bedeutendsten Industriestandorte konzentrieren sich in den Ballungsräumen um Bagdad und Basra.
Das irakische Eisenbahnnetz ist über Syrien mit der Türkei und Europa verbunden (siehe Bagdadbahn). Die Irakische Staatsbahn verfügt über eine Schienenlänge von 2 400 Kilometern. Im August 2000 nahmen der Irak und Syrien erstmals seit 19 Jahren wieder den Zugverkehr zwischen beiden Staaten auf. Das Straßennetz umfasst 45 550 Kilometer; davon sind etwa 70 Prozent befestigt. Die Flussschifffahrt hat immer mehr an Bedeutung verloren. Auch die Seeschifffahrt im Persischen Golf ist erheblich zurückgegangen. Internationale Flughäfen gibt es in Bagdad und Basra.
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