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Windows Live® Suchergebnisse Kommunikation zwischen TierenEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Kommunikation zwischen Tieren, die Verständigung zwischen Tieren derselben Art oder verschiedenen Arten. Die Fähigkeit, auf komplexe und variable Weise miteinander zu kommunizieren, haben nur hoch entwickelte Tiere. Sie steht in engem Zusammenhang mit der Leistungsfähigkeit der Sinnesorgane. Denn Voraussetzung für Kommunikation ist, dass die von einem Tier ausgesandten Signale überhaupt wahrgenommen werden. Säugetiere kommunizieren mit Hilfe mehrerer oder sogar aller ihrer Sinnesorgane. Sie sind in der Lage, das Verhalten von Artgenossen zu deuten und vielfältige Informationen über andere Tiere in ihrer Umwelt zu erhalten. Insbesondere in Gruppen lebende Tiere profitieren von den Vorteilen einer vielfältigen Kommunikation, z. B. bei der Arbeitsteilung. Wann und welche Art von Kommunikation stattfindet, untersucht die Verhaltensforschung. Man unterscheidet dabei zwei Grundformen: die innerartliche (intraspezifische) und zwischenartliche (interspezifische) Kommunikation.
Eine ursprüngliche Form ist die Kommunikation durch Geruchssignale oder chemische Substanzen, die mit Hilfe spezieller Rezeptoren aufgenommen werden. Sie kommt nicht nur bei mehrzelligen Tieren vor, sondern auch bei Einzellern und Bakterien, z. B. wenn diese Biofilme bilden. Einzellige Schleimpilze etwa versammeln sich zu großen Gruppen, um einen Fruchtkörper zur ungeschlechtlichen Vermehrung zu bilden, nachdem sie von Artgenossen durch einen Signalstoff, ein Pheromon, angelockt wurden. Pheromone spielen als Sexuallockstoffe eine große Rolle bei der Fortpflanzung von Insekten und Säugetieren, dienen aber auch anderen Zwecken: Viele Säugetiere markieren mit Hilfe von Pheromonen ihr Revier. Ameisen nutzen sie für alle Arten von Signalen zwischen Angehörigen derselben Kaste oder verschiedener Kasten. Borkenkäfer melden Artgenossen über Pheromone den Standort eines Wirtsbaumes. Akustische Kommunikation, also das Erzeugen von Lauten oder Rufen und ihre Wahrnehmung mit einem Hörorgan, ist ebenfalls unter Wirbeltieren und Gliederfüßern weit verbreitet: Mit Gesang locken Singvogelmännchen Weibchen an und markieren ihr Revier. Zur Paarungszeit versammeln sich Grillen und Frösche oft zu großen Chören, um möglichst weit hörbar zu sein. Murmeltiere und Erdmännchen warnen die anderen Tiere ihrer Gruppe mit Alarmrufen vor nahenden Feinden. Bei Pinguinen erkennen Eltern ihre Jungen auch in großen Kolonien durch deren Rufe. Bei vielen Vögeln dient schon das Piepen des Kükens im Ei dazu, Kontakt mit der Mutter aufzunehmen. Säugetiere benutzen eine Reihe von Lauten und Rufen, vor allem bei der Balz und der Paarung sowie zur Abgrenzung des Reviers. Wale verständigen sich mit Ultraschall, Elefanten kommunizieren mit Infraschall (tiefen Tönen unterhalb der menschlichen Hörschwelle). Visuelle Kommunikation mit Hilfe des Gesichtssinnes ist besonders ausgeprägt bei Vögeln und Säugetieren, aber auch bei niederen Wirbeltieren und einigen Wirbellosen anzutreffen. Leuchtkäfer („Glühwürmchen”) beispielsweise finden mit Hilfe von Lichtsignalen ihren Partner. Honigbienen beschreiben durch komplexe Tanzmuster anderen Mitgliedern ihres Volkes die Lage ergiebiger Futterquellen. Vogelmännchen zeigen bei der Balz ihr auffälliges Gefieder oder führen einen besonderen Balztanz auf. Am Balztanz beteiligt ist bei vielen Arten, z. B. Stichlingen und Molchen, auch das Weibchen; die Paarung bzw. Eiablage findet erst nach der wechselseitigen visuellen Kommunikation der Partner statt. Auch bei Säugetieren spielen visuelle Signale u. a. bei der Partnerwahl eine Rolle. Antilopen warnen mit einem leuchtend weißen Fellbereich („Spiegel”) an ihrem Hinterteil Artgenossen vor nahenden Feinden. Unter den Säugetieren haben Hunde und Schimpansen eine ausgeprägte Körpersprache entwickelt. Einer speziellen Form von Kommunikation bedienen sich Nilhechte. Als elektrische Fische können sie elektrische Entladungen um den eigenen Körper herum erzeugen und von anderen Fischen erzeugte elektrische Felder wahrnehmen. Wenn ein Artgenosse in das Revier eines Nilhechts eindringt, signalisiert der Revierinhaber dem Eindringling mit der Frequenz der von ihm erzeugten elektrischen Entladungen den Grad seiner Aggressivität; die Entladungen dienen hier also als Drohgebärden.
Zwischenartliche Kommunikation findet in erster Linie zwischen Räuber und Beute statt. Sie ist notwendigerweise einseitig und wird vorwiegend genutzt, um Räuber abzuwehren. Wasserflöhe nehmen beispielsweise chemische Substanzen wahr, die Plankton fressende Fische und Mückenlarven der Gattung Chaoborus freisetzen, und versuchen dann, diesen Räubern auszuweichen. Man bezeichnet solche Signalstoffe, von denen der Empfänger profitiert, als Kairomone. Viele Tiere nehmen zur Verteidigung eine Drohhaltung ein, stellen sich tot, blähen oder plustern sich auf oder erwecken auf andere Weise den Eindruck, größer zu sein, als sie sind. Manche Tiere vertreiben Angreifer durch laute Geräusche, z. B. der Pistolenkrebs. Eine Reihe von Insekten betreibt Mimikry, d. h., sie nutzen eine spezielle Färbung, um Vögeln oder anderen Angreifern gegenüber als giftig oder ungenießbar zu erscheinen. Durch Mimikry und eine ähnliche Form der Täuschung, die Mimese, locken einige Tiere aber auch Beute an. Anglerfische (siehe Armflosser) etwa präsentieren den wurmartigen Fortsatz ihrer Rückenflosse. Bei der symbiotischen Wechselbeziehung nutzt die zwischenartliche Kommunikation beiden Arten. Honiganzeiger beispielsweise locken Honigdachse zu einem Bienenstock, damit diese ihn aufbrechen und so auch die Vögel an die freigelegten Bienenwaben kommen. Ameisen regen Blattläuse zur Ausscheidung von nahrhaftem Honigtau an, indem sie deren Hinterleib mit ihren Fühlern betrillern. Als „Gegenleistung” für den Erhalt des Honigtaus beschützen manche Ameisenarten die Blattläuse vor Fressfeinden wie Marienkäferlarven oder transportieren sie zur Überwinterung in den Ameisenbau. In Korallenriffen besuchen zahlreiche Fischarten regelmäßig so genannte Putzerstationen und lassen sich dort von anderen Fisch- und Krebsarten Parasiten oder Nahrungsreste aus dem Mundraum oder vom Körper beseitigen – nachdem sie ihnen mit einer bestimmten Geste signalisiert haben, dass sie nicht gefressen werden. Auf solch ein Signal reagiert ein Putzerfisch (Lippfisch) oder eine Putzergarnele ebenfalls mit einer bestimmten Bewegung oder einer Änderung der Körperfärbung und zeigt sich so putzbereit.
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