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Amerikanischer BürgerkriegEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Vor den Präsidentschaftswahlen 1860 hatte eine Spaltung innerhalb der Gliederungen der Demokratischen Partei zur Nominierung von John C. Breckinridge, US-Bundesstaat Kentucky, durch den Südstaatenflügel der Partei geführt. Der Nordstaatenflügel nominierte Stephen Douglas. Die Republikanische Partei nominierte Abraham Lincoln, der mit einem Programm gegen die Ausweitung der Sklaverei sowie für Schutzzölle und Bundeszuschüsse für regionale Modernisierungsmaßnahmen antrat. Die Spaltung der Demokratischen Partei führte zwangsläufig zu Lincolns Wahlsieg. Dieser Wahlsieg wiederum ließ im Süden die Überzeugung reifen, die Unabhängigkeit anzustreben sei besser als eine weitere politische Isolierung innerhalb der Union in Kauf zu nehmen. Bis März 1861, als Lincoln ins Amt eingeführt wurde, hatten sieben Staaten (South Carolina, Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisiana und Texas) Verordnungen zum Austritt aus der Union erlassen. Die Konföderierten Staaten von Amerika mit Jefferson Davis als Präsident wurden gegründet. Bereits in seiner Antrittsrede machte Lincoln unmissverständlich deutlich, dass er den Sezessionsbestrebungen der Südstaaten nicht nachgeben würde. Die Union werde in jedem Fall am Bundesbesitz im Süden festhalten.
Am 12. April 1861 eröffnete Artillerie der Konföderation das Feuer, als Unionstruppen Fort Sumter, einen Militärstützpunkt der Union im Hafen von Charleston (South Carolina) mit Nachschub versorgen wollten. Drei Tage darauf forderte Lincoln Truppen zur Niederschlagung der Rebellion an. Daraufhin traten auch die US-Bundesstaaten Virginia, Arkansas, North Carolina und Tennessee aus der Union aus und der Konföderation bei. Nach Erfolgen bei den Schlachten von Bull Run am 21. Juli 1861 und am 29./30. August 1862 versuchten die Konföderierten unter General R. E. Lee, den Krieg zu verlagern, unterlagen aber bei Gettysburg (1.-3. Juli 1863). Am 4. Juli fiel Vicksburg. Damit brachten die Unionisten das gesamte Mississippi-Tal unter ihre Kontrolle. General U. S. Grant konnte mit seinen Truppen in der Schlacht von Chattanooga (23.-25. November 1863) mit dem wichtigsten Eisenbahnknotenpunkt das gesamte Nachschubnetz des Südens zerschlagen. Am 9. April 1865 musste General Lee in Appomattox kapitulieren. Die letzten Truppen der Konföderierten ergaben sich am 26. Mai 1865.
Zur Unterstreichung ihres Anspruchs auf Unabhängigkeit erwartete die Konföderation vom Ausland die diplomatische Anerkennung und Unterstützung. Die Bemühungen richteten sich dabei besonders auf Großbritannien und Frankreich. Die Zuversicht dies zu erreichen, nährte sich im Wesentlichen aus dem Umstand, dass die Textilindustrien dieser beiden Mächte weitgehend von Baumwollimporten aus den Südstaaten abhängig waren. England z. B. importierte 75 Prozent der benötigten Baumwolle aus dem Süden. Angesichts der Bedrohung durch die Seeblockade der Union hoffte der Süden auf eine europäische Intervention zu seinen Gunsten. Als Großbritannien und Frankreich 1861 formell ihre Neutralität im Amerikanischen Bürgerkrieg erklärten, bedeutete dies die Anerkennung der Konföderation als einer Krieg führenden Partei. Andererseits willigte Großbritannien 1863 in das Verbot des Baues von Kriegsschiffen für die Konföderation auf britischen Werften ein. Die „Baumwolldiplomatie” der Konföderation wurde auf verschiedene Weise untergraben. Vor Kriegsbeginn hatten die britischen Stoffproduzenten riesige Baumwollvorräte angelegt. Darüber hinaus bestanden zwischen Großbritannien und den Nordstaaten beiderseitig ertragreiche Handelsbeziehungen: Die Union erwarb Waffen und Industriegüter, Großbritannien Weizen aus dem Norden. Die Proklamation zur Sklavenbefreiung brachte die öffentliche Meinung im Ausland eindeutig auf die Seite der Union. Diese Tatsache und die nach 1863 deutlich veränderte strategische Lage verurteilten die Bestrebungen der Konföderation nach ausländischer Anerkennung und Intervention zum Scheitern.
Gleich zu Kriegsbeginn machten Lincoln und der US-Kongress klar, dass ihr einziges Ziel die Erhaltung der Oberhoheit der US-Verfassung und Erhaltung der Union sei. Lincoln wusste genau, wie wichtig die Erhaltung der Unionsloyalität der Sklavereistaaten in den Grenzgebieten zur Konföderation war. Deshalb war der US-Präsident zunächst zurückhaltend in der Sklavenfrage, konnte sie jedoch nicht vollständig ignorieren. Zum einen flohen Sklaven hinter die Unionslinien und beanspruchten ihre Freiheit, zum anderen war Sklavenarbeit von entscheidendem Bedeutung für die konföderierte Kriegsindustrie. Des Weiteren konnten befreite Sklaven in die Unionsarmee aufgenommen werden. Etwa 186 000 schwarze Männer kämpften während des Krieges auf der Seite der Unionisten. Am 6. August 1861 verabschiedete der US-Kongress das Konfiskationsgesetz, das die Beschlagnahme allen Eigentums einschließlich Sklaven vorsah, das „der Rebellion der Konföderierten nützt”. Der Rechtsstatus solcher Sklaven blieb jedoch unklar. Die Unionspolitik der ersten eineinhalb Kriegsjahre war in diesem Punkt unentschieden. Die vorläufige Proklamation zur Sklavenbefreiung verkündete Lincoln im September 1862. In ihr wurde festgelegt, dass per 1. Januar 1863 in denjenigen Einzelstaaten oder in deren Teilen, die immer noch an der Rebellion teilnähmen, die dortigen Sklaven „auf immer frei” sein würden (siehe Emanzipationserklärung). Trotz dieser Fristsetzung zugunsten des Südens hielt Lincoln eine Rückkehr der Konföderierten Staaten in die Union für unwahrscheinlich. Ungeachtet dessen und teilweise zur Beruhigung einer skeptischen Öffentlichkeit im Norden hatte Lincoln deutlich gemacht, dass der Erhalt der Union, nicht die Abschaffung der Sklaverei, sein Hauptziel bleibe. Bei der späteren Veröffentlichung der eigentlichen Proklamation zur Sklavenbefreiung verteidigte sie Lincoln mit Gründen militärischer Notwendigkeit. Die Befreiung werde, so erklärte er, die Produktivkräfte der Konföderation schwächen und so das Kriegsende schneller herbeiführen. Tennessee und die unionsloyalen Sklavereistaaten waren von der Proklamation ausgenommen, wie auch festgelegte Gebiete in Louisiana, Virginia und West Virginia. (Der 13. Zusatz zur US-Verfassung, der die Sklaverei in den gesamten Vereinigten Staaten von Amerika abschaffte, wurde im Dezember 1865 ratifiziert.) Nachdem weite Teile von Tennessee, Louisiana und North Carolina an die Unionsarmeen gefallen waren, setzte Lincoln Militärgouverneure ein, die diese Staaten in die Union zurückführen sollten. Am 8. Dezember 1863 verlas der US-Präsident die Proklamation zu Amnestie und Wiederaufbau. Mit Ausnahme der hohen Offiziere und Politiker der Konföderation oder ihrer Einzelstaaten wurden alle Südstaatler amnestiert, die einen Schwur auf die US-Verfassung ablegten und darüber hinaus schworen, den US-Gesetzen und den Proklamationen zur Sklaverei aus der Kriegszeit Folge zu leisten. Sobald zehn Prozent der Wählerschaft eines Staates mit Stand von 1860 diesen Bestimmungen nachgekommen waren, konnte sich der betreffende Staat eine neue Verfassung geben, eine neue Staatsführung wählen und Abgeordnete in den US-Kongress entsenden.
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