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Presbyterianer

Enzyklopädieartikel
Artikelgliederung
1

Einleitung

Presbyterianer, Anhänger aller reformierten Kirchen, deren Kirchenordnung auf der Presbyterialverfassung beruht und die eigene theologische Traditionen besitzen. Die Kirchen, die in dieser Tradition stehen, bilden neben den Lutheranern, Täufern und Anglikanern die vierte Hauptgruppe, die im 16. Jahrhundert aus der Reformation hervorging.

2

Aufbau der Kirche

Presbyterianer und reformierte Kirchen werden von Älteren oder Ältesten geleitet. Nach diesem Prinzip erhielten die Presbyterianer ihren Namen, denn das griechische Wort presbyteros bedeutet der Ältere (siehe Presbyter). Älteste oder Gemeindeobere können sowohl Geistliche als auch Laien und in den meisten heutigen presbyterianischen Kirchen sowohl Männer wie auch Frauen sein.

Die presbyterianische Kirchenverwaltung stellt häufig eine Mischform von demokratischen und hierarchischen Elementen dar, da die Macht gleichermaßen auf Klerus und Laien sowie auf Kongregationen und umfassendere Verwaltungseinheiten der Kirche verteilt ist. Jede Kongregation besitzt ein Leitungsorgan, das Konsistorium, das sich aus den gewählten Vertretern der Kongregation, dem Pastor und den Ältesten zusammensetzt. Die Kongregationen gehören einem Presbyterium bzw. einer Kreissynode an, welche die Tätigkeiten der Kongregationen in einem bestimmten geographischen Gebiet koordiniert und leitet. Zu den Mitgliedern eines Presbyteriums gehören alle Pastoren und gewählten Ältesten aus den einzelnen Kongregationen.

Im Unterschied zum episkopalen Aufbau der Kirche, bei dem der Bischof Priester ordiniert, gehört die Priesterweihe zu den Aufgaben des Presbyteriums. Dieses hat im weitesten Sinne die Aufgaben eines Gemeindebischofs inne, was sowohl die seelsorgerischen als auch die rechtlichen Verpflichtungen seiner Kirche betrifft.

Die Presbyterien gehören den Synoden an, die größere geographische Kircheneinheiten darstellen, während eine Generalversammlung bzw. Generalsynode die gesamte Kirche vereint. Auch auf diesen Ebenen wird die Kirche von den Ältesten geleitet, den Geistlichen und den Laien, die von allen Gläubigen gewählt werden.

3

Geschichte

Die Wurzeln des Presbyterianismus gehen auf den Schweizer Reformator Johannes Calvin zurück. Calvin wollte eine Kirchenordnung errichten, die sich auf die Auffassung des Neuen Testaments von dem Amt der Ältesten stützt. Er vertrat jedoch die gleiche Ansicht wie die frühen reformierten Theologen, dass der Presbyterianismus nicht die einzige Form der Kirchenordnung sei, die sich durch die Bibel rechtfertigen ließe. Dadurch wurden einige formale Abweichungen bei der calvinistischen Kirchenleitung wie auch eine gewisse Toleranz gegenüber anderen Kirchenordnungen ermöglicht. So z. B. haben viele kongregationalistischen und baptistischen Kirchen, obwohl sie sich zu der calvinistischen Theologie bekennen, keine presbyteriale Kirchenordnung.

Da sich die Reformierten sehr rasch von Genf über Frankreich, Deutschland und Holland bis nach Osteuropa, zu den britischen Inseln und Nordamerika ausbreiteten, waren sie derjenige Zweig des Protestantismus, der international am weitesten verbreitet war. Die Kirchen, die von den Calvinisten nach presbyterialem Ordnungsmodell auf dem europäischen Festland organisiert wurden, wurden als „reformierte Kirchen” bezeichnet, während sich die Kirchen auf den britischen Inseln und in Nordamerika presbyterianisch nannten.

Bis zum 19. Jahrhundert zählten Großbritannien, Holland und Nordamerika zu den Hochburgen der Presbyterianer. Aufgrund einer weit verbreiteten, regen Missionstätigkeit wurden nach 1800 auf allen Erdteilen presbyterianische oder reformierte Kirchen gegründet. Gegenwärtig sind die englischsprachigen Mitglieder dieser Kirchen in der Minderheit, dafür gibt es große presbyterianische und reformierte Kirchengemeinschaften in Asien, Afrika, Lateinamerika und in vielen anderen Teilen der ganzen Welt.

3.1

Theologie

Obwohl die Theologie der Presbyterianer sehr vielfältig ist, sehen sie Calvins Theologie als Hauptquelle für ihre Lehren an. Calvins wichtigstes und einflussreichstes Werk ist die Institutio Christianae Religionis (1536), die Calvin während seines ganzen Lebens weiter überarbeitete, wobei die letzte Ausgabe von 1559 die weiteste Verbreitung fand.

Wie der deutsche Religionsreformer Martin Luther legte auch Calvin Wert auf die beiden zentralen Lehren der protestantischen Reformation: die Autorität der Heiligen Schrift und die Rechtfertigung durch die Gnade. Wie Luther reduzierte auch Calvin die Anzahl der christlichen Sakramente auf zwei: die Taufe (bei der sowohl die Kinds- wie auch die Erwachsenentaufe zulässig waren) und das Abendmahl. Er unterscheidet sich jedoch von Luther und den anderen protestantischen Reformatoren aufgrund eines unterschiedlichen Verständnisses vom Wesen des Abendmahles, der Kirchenordnung sowie der Rolle des Gesetzes im christlichen Leben. Charakteristisch für Calvins Theologie ist das Vertrauen auf das mit Hilfe des Heiligen Geistes ausgelegte Wort der Bibel sowie die Hervorhebung der Herrschaft Gottes und der Unfähigkeit der Menschen, die Erlösung durch eigenes Handeln zu erlangen.

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