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Artikelgliederung
Einleitung; Aktive Immunisierung; Passive Immunisierung; Impfstrategien; Historische Aspekte; Impfstoffentwicklung
Immunisierung, medizinisches Verfahren, das dazu dient, Menschen oder Tiere mit Hilfe einer Schutzimpfung (auch Impfung oder Vakzination) gegen Krankheitserreger immun zu machen. Impfstoffe sind der effektivste Schutz gegen Viren, bei denen Antibiotika grundsätzlich nicht wirken, und gegen manche bakteriellen Krankheitserreger.
Bei einer aktiven Immunisierung wird der Körper angeregt, selbst schützende Antikörper zu bilden, indem man beispielsweise mit einer Form des Erregers impft, die keine schwere Erkrankung hervorruft. Ein aktiver Impfstoff enthält z. B. Mikroorganismen, die durch Einwirkung von Wärme oder chemischen Substanzen abgetötet wurden, wie der erste Impfstoff gegen Poliomyelitis und ein Impfstoff gegen Typhus. Oder er enthält die deaktivierte Form eines von dem Erreger produzierten Toxins, ein so genanntes Toxoid, wie etwa die Impfstoffe gegen Tetanus und Diphtherie. Eine weitere Möglichkeit ist die Verabreichung eines attenuierten (abgeschwächten), lebenden Virus, das so behandelt wurde, dass es keine schwere Erkrankung mehr hervorrufen kann. Dies trifft auf den von Albert Sabin entwickelten Polioimpfstoff zu sowie auf Impfstoffe gegen Masern und Gelbfieber. Impfstoffe werden heute auch gentechnisch hergestellt; auf diesem Weg lassen sich z. B. Oberflächenantigene von Viren erzeugen, die ebenfalls zu Reaktionen des Immunsystems führen. Die immunisierende Substanz wird in der Regel intramuskulär (in den Muskel) injiziert; der heute in Deutschland nicht mehr verwendete Sabin-Impfstoff gegen Poliomyelitis wurde oral als Schluckimpfung eingenommen. Eine aktive Immunisierung erfordert zumeist mehrere Verabreichungen des Serums. Der Impfschutz hält je nach Krankheit bis zu circa zehn Jahre an (z. B. Impfung gegen Gelbfieber), danach ist eine Auffrischimpfung erforderlich. Es kann bis zu einer Woche dauern, bis der Körper aufgrund der Impfung Antikörper hergestellt hat. Eine aktive Immunisierung wird also prophylaktisch für den Fall verabreicht, dass der Patient künftig dem betreffenden Erreger ausgesetzt ist.
Mit einer passiven Immunisierung wird dagegen sofortiger Impfschutz hergestellt. Sie kann erforderlich sein, wenn man einem Erreger ausgesetzt war, gegen den man nicht geimpft ist. Bei passiver Impfung wird ein Serum injiziert, das bereits spezifische Antikörper gegen den Erreger oder sein Toxin enthält; diese werden z. B. aus Blutkonserven von Menschen isoliert, die mit dem Erreger infiziert waren. Die passive Methode wird u. a. angewandt, wenn nach einer Verletzung oder einem Tierbiss Impfschutz gegen Tetanus hergestellt werden muss. Auch die gegen Schlangenbisse verabreichten Seren sind passive Impfungen. Diese Seren werden gewonnen, indem man Tieren (etwa Pferden) eine geringe Menge des betreffenden Schlangengiftes injiziert, die Antikörperbildung abwartet und den Tieren dann Blut entnimmt, aus dem die Antikörper isoliert werden. Passive Immunisierungen werden meist intravenös (in eine Vene) verabreicht. Sie gewähren nur einen relativ kurzzeitigen Schutz von einigen Wochen oder Monaten, bis die übertragenen Antikörper abgebaut sind. Durch passive Immunisierung wird der Körper im Gegensatz zur aktiven Immunisierung nicht angeregt, Gedächtniszellen zu bilden (siehe Immunologie), die bei einer künftigen Infektion aktiviert werden könnten.
In den westlichen Industrieländern werden bei Kindern in den ersten Lebensjahren routinemäßig Schutzimpfungen durchgeführt, um sie u. a. gegen Diphtherie, Tetanus, Poliomyelitis, Hepatitis, das Bakterium Haemophilus influenzae Typ B (das bei Grippe Sekundärinfektionen verursacht), Röteln und Keuchhusten zu immunisieren. Für Deutschland gibt die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts Impfempfehlungen heraus. Eine Strategie, um eine Epidemie zu bekämpfen oder gar einen Krankheitserreger auszurotten, besteht darin, den Impfstoff denjenigen zu verabreichen, die am anfälligsten für die Krankheit sind. Diese Strategie war z. B. bei den weltweiten Programmen zur Ausrottung der Pocken erfolgreich. In den Industrieländern werden die meisten Krankheiten jedoch eingedämmt, indem man die Wahrscheinlichkeit erheblich zu verringern versucht, dass infizierte Personen mit ungeschützten Personen in Kontakt kommt. Für manche Krankheiten wird dafür angestrebt, 90 Prozent der Bevölkerung zu impfen. Auch Haustiere wie Hunde und Katzen sollten regelmäßig aktive Impfungen gegen gefährliche Infektionskrankheiten erhalten – Hunde u. a. gegen Staupe, Katzen z. B. gegen Katzenschnupfen.
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