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Windows Live® Suchergebnisse Hassan II. (von Marokko)Enzyklopädieartikel
Hassan II. (von Marokko), vollständiger Name Muhammad Hassan, (1929-1999), König von Marokko (1961-1999) aus der Dynastie der Alawiten. Hassan wurde am 9. Juli 1929 in Rabat als Sohn von Sultan Muhammad V. geboren. Er studierte Rechtswissenschaften in Bordeaux und erhielt in Frankreich eine militärische Ausbildung. 1953 folgte er seinem Vater in das von Frankreich verordnete Exil – Marokko war französisches Protektorat – und kehrte 1955 mit ihm nach Marokko zurück. Nach der Entlassung Marokkos in die Unabhängigkeit 1956 wurde Hassan zum Kronprinzen erhoben und zum Oberbefehlshaber der marokkanischen Armee ernannt, war zudem der engste Berater seines Vaters. Als Oberbefehlshaber schlug er verschiedene Aufstände, u. a. im Rif-Gebirge, brutal nieder. Nach dem Tod seines Vaters bestieg Hassan II. im Februar 1961 den marokkanischen Thron. In der Innenpolitik verfolgte Hassan, gestützt auf Militär, Geheimdienst und die alten Eliten, einen autoritären, die alten, feudalistischen Strukturen bewahrenden Kurs und provozierte damit den zunehmenden Widerstand der Opposition, insbesondere der linksorientierten Union Nationale des Forces Populaires (UNFP). 1963 ließ Hassan führende UNFP-Mitglieder verhaften, zwei Jahre später wurde der UNFP-Führer Mehdi Ben Barka aus einem Pariser Exil entführt und verschwand. Nach schweren Unruhen 1965 rief Hassan den Ausnahmezustand aus, löste das erst 1963 konstituierte Parlament auf und regierte bis 1970, bis zur Rücknahme des Ausnahmezustandes, per Dekret. 1971 und 1972 überstand er zwei Putsch- bzw. Attentatsversuche seitens des Militärs; zahlreiche Offiziere wurden daraufhin verhaftet und unter Missachtung der Menschenrechte unter unmenschlichen Bedingungen inhaftiert. 1972 wurde eine revidierte Verfassung verabschiedet, die zwar die konstitutionelle Monarchie festschrieb, dem König aber zahlreiche weit reichende Rechte und Privilegien beließ. Außenpolitisch agierte Hassan relativ pragmatisch. Er bekannte sich zur Blockfreiheit und war 1963 an der Gründung der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) beteiligt. Im Sechstagekrieg 1967 und im Jom-Kippur-Krieg 1973 unterstützte er die arabische Seite gegen Israel mit Truppen; er erkannte aber auch die Existenz des Staates Israel als Faktum an, mit dem sich die arabische Welt zu arrangieren habe. Aus dieser Position heraus vermittelte er erste Verhandlungen zwischen Ägypten und Israel, die 1978 schließlich im Camp-David-Abkommen zwischen den beiden Staaten mündeten und durch die sich Hassan einen Ruf als Vermittler im Nahost-Friedensprozess schuf. Zugleich stieß er mit seiner gemäßigten Haltung gegenüber Israel in der arabischen Welt auf starke Vorbehalte. Im November 1975 initiierte Hassan den so genannten „grünen Marsch“, den Marsch 350 000 unbewaffneter Marokkaner in die benachbarte spanische Westsahara, annektierte de facto das Gebiet und manifestierte so den marokkanischen Anspruch auf die Westsahara. Wenig später überließ Spanien das Gebiet per Vertrag Marokko und Mauretanien, die sich 1976 auf die Aufteilung der Westsahara einigten. Als Mauretanien 1979 mit der Befreiungsorganisation Polisario Frieden schloss und ihr seinen Teil der Westsahara überließ, besetzte Hassan auch diesen Teil und gliederte ihn dem marokkanischen Staatsgebiet ein. Im Inneren stieß die Annexion der Westsahara auf große Begeisterung und versöhnte auch weite Teile der Opposition mit der Politik Hassans II.; außenpolitisch gerieten jedoch die Beziehungen vor allem zu Algerien, das die Polisario unterstützte, und Libyen in eine schwere Krise. Zudem sah sich Marokko in einen jahrelangen Krieg mit der Polisario verwickelt, der erst Anfang der neunziger Jahre weitgehend beigelegt werden konnte, nachdem Hassan unter UN-Vermittlung zugesagt hatte, in der Westsahara ein Referendum über die Zukunft der Region durchführen zu lassen. Bis zu seinem Tod gelang es Hassan jedoch immer wieder, dieses Referendum aufzuschieben. 1986 trat Hassan als Vorsitzender der Arabischen Liga zurück, nachdem ihn einige arabische Länder wegen Friedensverhandlungen mit dem israelischen Premierminister Shimon Peres scharf angegriffen hatten. Zwei Jahre zuvor war Marokko aus der OAU ausgetreten, nachdem die von der Polisario in der Westsahara ausgerufene Demokratische Arabische Republik Sahara (DARS) in die Organisation aufgenommen worden war. In den späten achtziger Jahren erreichte Hassan die Aussöhnung mit Algerien und Libyen und war 1989 an der Gründung der Arabischen Maghreb Union beteiligt. 1991 war Marokko das einzige arabische Land im Maghreb, das im Zweiten Golfkrieg Truppen zur Unterstützung der Vereinten Nationen gegen den Irak entsandte, was nicht nur zu Kritik innerhalb der arabischen Welt führte, sondern auch die Opposition unter der eigenen, großteils proirakischen Bevölkerung verstärkte. Trotz einer vorsichtigen Demokratisierung des Landes, die Hassan durch Revisionen der Verfassung 1977 und 1980 weiterführte, verschärften sich in den achtziger Jahren die Gegensätze im Inneren wieder, insbesondere seit Hassan die für 1990 vorgesehenen Parlamentswahlen immer wieder verschob und erst 1993 stattfinden ließ. Auf der anderen Seite schenkte Hassan seit Beginn der neunziger Jahre vor allem auf Druck von Außen den Menschenrechten zunehmend Beachtung, amnestierte z. B. mehrere Hundert politische Gefangene. Und im Gegensatz zu anderen Staaten der arabischen Welt, etwa Algerien, gelang es Hassan, das Vordringen des politischen, fundamentalistischen Islamismus in Marokko zu unterdrücken, was sicherlich darauf zurückzuführen ist, dass er sich nicht nur als weltlicher Herrscher, sondern zugleich als oberste religiöse Autorität seines Landes verstand. 1992 wurde eine neue Verfassung verabschiedet, die die konstitutionelle Seite der Monarchie stärkte; 1996 folgte eine Revision der Verfassung, die u. a. die direkte Wahl des gesamten Parlaments vorsah und dem Parlament auch größere Befugnisse gegenüber der Regierung einräumte. Nach den Parlamentswahlen im November 1997, bei denen erstmals nach der revidierten Verfassung von 1996 gewählt wurde und aus denen das Mitte-links-Bündnis Koutla als stärkste Kraft hervorging, beauftragte Hassan im Februar 1998 mit Abderrahmane Youssoufi von der Union socialiste des forces populaires (USFP), der Nachfolgerin der UNFP, erstmals in der über 40-jährigen Geschichte des unabhängigen Marokko einen Politiker einer Linkspartei mit der Regierungsbildung. Allerdings musste Youssoufi auf Druck des Königs auch einige Mitglieder des alten, rechtskonservativen Kabinetts in seine neue Regierung übernehmen, so u. a. den Innen-, den Außen- und den Verteidigungsminister. Dennoch machte Hassan mit seiner Entscheidung für den Sozialisten Youssoufi – das Wahlergebnis hätte auch die Berufung einer Mitte-rechts-Regierung zugelassen – seinen Willen zum Wandel, zur Demokratisierung und nicht zuletzt zur Öffnung nach Europa deutlich. Hassan II. starb am 23. Juli 1999 in Rabat; sein Nachfolger auf dem marokkanischen Thron wurde sein ältester Sohn Mohammed VI.
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