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BelgienEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Im Mittelalter markierte der französisch-burgundische Diplomat Philippe de Comines mit seinen Mémoires (Erstdruck 1524) den Beginn der neuzeitlichen politischen Geschichtsschreibung. Charles de Coster verfasste mit La légende et les aventures héroïques, joyeuses et glorieuses de Thyl Uhlenspiegel et de Lamme Goedzak au pays de Flandres et ailleurs (1867; Tyll Uhlenspiegel und Lamm Goedzak. Legende von ihren heroischen, lustigen und ruhmreichen Abenteuern im Land der Flandern und andern Orts) ein Meisterwerk der belgischen Literatur. Der vom Naturalismus beeinflusste Schriftsteller Camille Lemonnier (Happe-chair, 1886; Der eiserne Moloch) ebnete der Literatur der Bewegung des so genannten Jungen Belgien den Weg, dessen zentraler Vertreter Émile Verhaeren zudem als bedeutendster belgischer Lyriker der Moderne gilt. Hendrik Conscience avancierte zum Erneuerer der flämischen Literatur. Maurice Maeterlinck, der 1911 den Nobelpreis für Literatur erhielt, prägte das symbolistische Theater nachhaltig. Der bedeutende französische Surrealist Henri Michaux war belgischer Herkunft. Einer der bekanntesten belgischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts ist Georges Simenon, der mit seinen Kriminalromanen um den Kommissar Maigret Weltruhm erlangte. Ein bedeutender flämischer Bildhauer der Zeit um 1400 war Claus Sluter mit seinem Mosesbrunnen (1395-1406). Zu den bedeutendsten flämischen Malern des 15. und 16. Jahrhunderts gehören der herausragende Altarbild- und Porträtmaler Hans Memling, Jan van Eyck, Wegbereiter der spätgotischen Malerei, Rogier van der Weiden, der stilbildend auf seine Nachfolger wirkte, Mabuse, der Meister der Tiermalerei Frans Snijders und – in der Nachfolge von Hieronymus Bosch mit seinen apokalyptischen Landschaften – Pieter Bruegel der Jüngere, genannt Höllenbruegel. Im 17. Jahrhundert entstanden die Werke des Malers und Kupferstechers Jan Fyt, von Peter Paul Rubens und Sir Anthonis van Dyck, dem größten flämischen Porträtisten der Aristokratie. Jacob Jordaens gilt neben Rubens als herausragendster Vertreter des flämischen Barock, an dessen Schwelle der Spätmanierist Carel van Mander stand. Alfred Stevens wurde vor allem durch seine Genremalerei bekannt, wobei er sich auf Vorbilder aus dem 15. bzw. 17. Jahrhundert berufen konnte, namentlich auf Petrus Christus und David Teniers. International berühmte Künstler des 20. Jahrhunderts sind James Ensor und Frans Masereel mit seinen Holzschnitten sowie die Surrealisten Paul Delvaux und René Magritte. Pierre Alechinsky wurde vor allem durch eine traumhaft-automatisch wirkende Bildersprache bekannt. Im 16. Und 17. Jahrhundert waren die Musterbücher des flämischen Baumeisters Hans Vredeman de Vries mit Architektur- und Perspektivdarstellungen, Ornamenten, Gartenentwürfen und Möbelvorlagen in vielen Auflagen und Übersetzungen in den Niederlanden und Deutschland, in Skandinavien und England weit verbreitet. Victor Horta gilt gemeinhin als einer der führenden Vertreter des architektonischen Art Noveau bzw. Jugendstils; seine innovativen Ideen spiegelt bereits sein erstes Hauptwerk, das Hôtel Tassel in Brüssel (entworfen 1892), wider. Weitere Gebäude Hortas in Belgien sind bzw. waren das Parteigebäude der belgischen Sozialisten Maison du Peuple (1899 fertig gestellt; 1964 zerstört) mit seiner Glas- und Eisenfassade, das Palais des Beaux-Arts (1922-1928) in Brüssel und der dortige Bahnhof (1936-1941). Ein weiterer herausragender Vertreter des belgischen Jugendstils war der Architekt und Designer Henri van de Velde. Sein eigenes Wohnhaus in der Nähe von Brüssel (1895) legt hiervon beredtes Zeugnis ab.
Staatliche Radio- und Fernsehsender in Belgien strahlen ihre Programme sowohl in französischer als auch in niederländischer Sprache aus. Die Kosten werden über eine Rundfunk- und Fernsehgebühr gedeckt. Daneben gibt es eine Vielzahl von Privatsendern. Über ein ausgedehntes Kabelnetz können Radio- und Fernsehsendungen aus dem Ausland empfangen werden (u. a. französische, luxemburgische, niederländische, deutsche, britische und italienische Programme). In Belgien werden 29 Tageszeitungen vertrieben, etwa zwei Drittel erscheinen in französischer Sprache.
Belgien ist eine konstitutionelle Monarchie. Staatsoberhaupt ist der König, der vorwiegend repräsentative Funktion hat. Die belgische Verfassung wurde 1831 verabschiedet und 1893, 1921, 1970, 1971, 1980, 1989 und letztmals 1993 geändert. 1970 wurden zahlreiche Reformen zur Beilegung des Sprachenstreits durchgeführt; dabei wurde auch eine neue Verwaltungsgliederung beschlossen. Viele Befugnisse liegen bei den drei Regionen Flandern, Wallonien und Brüssel.
Die Exekutive liegt beim Monarchen, der den Ministerpräsidenten, die Minister und die Richter ernennt. Der Monarch ist Oberbefehlshaber der Armee. Zu seinen Rechten gehören darüber hinaus die Einberufung und Auflösung des Parlaments, die Verleihung von Adelstiteln und die Bewilligung von Gnadengesuchen. Jeder königliche Akt muss von einem Minister gegengezeichnet werden, der dafür dem Parlament gegenüber verantwortlich ist. Es ist die Pflicht des Monarchen, ein Kabinett zu vereidigen, das den Mehrheitsverhältnissen im Parlament entspricht.
Die Legislative liegt beim Parlament, das aus dem Senat (Sénat, Senaat) und dem Abgeordnetenhaus (Chambre des Représentants, Kamer van Volksvertegenwoordigers) besteht. Der Senat hat 71 Mitglieder, von denen 40 direkt gewählt und 31 größtenteils durch die Regionalparlamente ernannt werden. Die Legislaturperiode der Senatsmitglieder beträgt vier Jahre. Das Abgeordnetenhaus setzt sich aus 150 Mitgliedern zusammen, die durch freie Wahlen für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt werden. Ab dem 18. Lebensjahr besteht Wahlpflicht.
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