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J. R. R. Tolkien

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J. R. R. TolkienJ. R. R. Tolkien
Artikelgliederung
1

Einleitung

J. R. R. Tolkien (1892-1973), englischer Schriftsteller, Sprach- und Literaturwissenschaftler. Mit seiner Romantrilogie The Lord of the Rings (1954/55; Der Herr der Ringe) schuf er einen Klassiker der Fantasy-Literatur und nach der Bibel das meistgelesene Buch der Welt.

John Ronald Reuel Tolkien wurde am 3. Januar 1892 in Bloemfontein (Südafrika) geboren und wuchs nach dem Tod seines Vaters ab dem vierten Lebensjahr in England auf. Mit einem Stipendium besuchte er die King Edward’s School in Birmingham (ab 1903) und das Exeter College in Oxford (ab 1910). Nach Absolvierung der Schule wurde er zur Armee einberufen. Während des 1. Weltkrieges diente er bei den Lancashire Fusiliers, bis er 1918 eine schwere Verwundung erlitt. Nach Oxford zurückgekehrt, arbeitete Tolkien bis 1920 als Lehrer für englische Sprache an der English School, anschließend als Dozent in Leeds. Als Professor für altenglische, isländische und gotische Sprache war er von 1925 bis 1959 an der Universität Oxford tätig. Daneben widmete sich Tolkien seiner Tätigkeit als Schriftsteller, die er mit Veröffentlichung seines Kinderbuches The Hobbit (1937; Der kleine Hobbit) sehr erfolgreich begann. Seine umfassenden Kenntnisse insbesondere der altnordischen und keltischen Mythologie zeigten sich in seinen epischen Werken um eine Phantasiewelt namens „Mittelerde”, die er schon als junger Student zu schreiben begonnen hatte. Ein beispielloser Erfolg gelang Tolkien mit seiner in zwölfjähriger Arbeit entstandenen Romantrilogie The Lord of the Rings (1954/55; Der Herr der Ringe, 1969/70). Von der Literaturkritik reserviert aufgenommen, wurde der Fantasy-Roman, der bis heute weltweit in einer Auflage von mehr als 100 Millionen Exemplaren gedruckt wurde, zum Kultwerk einer auch heute noch anwachsenden Fangemeinde. Tolkien starb am 2. September 1973 in Bournemouth (Dorset).

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Werk

Bereits seine literaturwissenschaftlichen Arbeiten wie Sir Gawain and the Green Knight (1925, siehe Artussage), Beowulf, the Monsters and the Critics (1936, siehe Beowulf) oder On Fairystories (1938) demonstrieren Tolkiens Interesse für die Welt der keltischen Sagen. Davon inspiriert schrieb er für seine eigenen Sprösslinge das Kinderbuch The Hobbit (1937; Der kleine Hobbit), das auf Anhieb ein großer Erfolg wurde. Es schildert das Leben des Hobbits Bilbo Beutlin im idyllischen Auenland, dessen gemächlich-zufriedenes Leben durch eine gefährliche Schatzsuche unterbrochen wird. Mit diesem Werk legte der Autor den Grundstein zu einer umfangreichen erfundenen Mythologie, die er in seinem opulenten Fortsetzungswerk weiter ausspann.

In mehr als zwölfjähriger Arbeit entstand zwischen 1937 und 1949 eine Trilogie mit dem Titel The Lord of the Rings (1954/55; Der Herr der Ringe), bestehend aus The Fellowship of the Ring (Die Gefährten), The Two Towers (Die zwei Türme) und The Return of the King (Die Rückkehr des Königs), ein tiefgründiges, phantastisch-mythologisches Märchen über den Kampf zwischen guten und bösen Kräften um einen Zauberring, der absolute Macht verleiht. Schauplatz der Handlung ist eine mythologische Welt namens „Mittelerde”, die von Hobbits, Zwergen, Elben, Orks, Zauberern und anderen phantastischen Wesen bevölkert wird. Protagonist der Handlung ist der Hobbit Frodo Beutlin, ein Neffe Bilbos, der in den Besitz des unheilstiftenden Ringes gelangt und daraufhin von bösen Mächten bedrängt wird, die den Ring in ihre Gewalt bringen wollen, um die Herrschaft über Mittelerde zu erlangen. Zur Befriedung der Welt müssen Frodo und seine Gefährten den Ring an den Ort zurückbringen, wo er geschmiedet wurde, um ihn dort zu vernichten.

In seiner narrativen Grundstruktur folgt das Werk dem Muster des Bildungsromans: Der ursprünglich unerfahrene Held gelangt durch eine Reise, in deren Verlauf er gefährliche Abenteuer zu bestehen hat, zur Selbstfindung und zur umfassenden Reifung seiner Persönlichkeit. Die Ursprünge der Romantrilogie gehen auf Tolkiens Beschäftigung mit altgermanischen Sprachen zurück. Der Autor schuf mit „Quenya” oder „Hochelbisch” eine funktionsfähige Phantasiesprache mit eigenem Alphabet, Wortschatz, Grammatik und Phonologie. In einem zweiten Schritt nach der linguistischen Ausformung des Projekts erfolgte die detailreiche mythologische und narrative Gestaltung dieses selbst erschaffenen Kosmos, in dem alle „Volksgruppen” über eine eigene Kultur und Geschichte verfügen. Der Komplexität der Welt und den indifferent-stoizistischen Haltungen moderner Philosophien setzt Tolkiens Mythologie von Mittelerde ein manichäisches Weltbild entgegen, das im Jahrhundert der Katastrophen in elegischem Grundton und quasireligiöser Haltung den Glauben an die Kraft des Bösen revitalisiert. Trotz des enormen Detailreichtums bei der Gestaltung der dargestellten Welt liegt dem Werk eine grundlegende Komplexitätsreduzierung der Realität zugrunde.

Während das Werk in den fünfziger Jahren gute Verkaufszahlen verzeichnete, setzte der überwältigende Erfolg erst ein, als ab Mitte der sechziger Jahre Taschenbuchausgaben auf den Markt kamen. Der Herr der Ringe wurde in der Folge aufgrund seiner fortschrittskritischen, antimodernistischen Grundhaltung zum Kultroman der Jugend- und Alternativkultur und erfüllte das eskapistische Verlangen nach fremden Welten. Unabhängig von der Einteilung in hohe und niedrige Literatur kann das Werk trotz seines Reichtums ohne Bildungsvoraussetzungen rezipiert werden.

Die Erzählung Silmarillion (1977; Das Silmarillion), die die mythologischen Anfänge von Mittelerde darstellt, und der Band Unfinished Tales of Númenor and Middleearth (1980; Nachrichten aus Mittelerde), der unzusammenhängende Geschichten enthält, wurden von seinem Sohn Christopher, gleichzeitig sein Nachlassverwalter, posthum bearbeitet und vervollständigt, ebenso das zwölfbändige Werk The History of Middle-Earth (1983-1996), das zuvor unveröffentlichte Fragmente, Karten, Kalender und Ahnentafeln versammelt. Wiederum von Christopher Tolkien aus nachgelassenen Manuskripten zusammengestellt, erschien mehr als 30 Jahre nach dem Tod des Schriftstellers das Buch The Children of Húrin (2007; Die Kinder Húrins), dessen Entstehung bis 1913 zurückreicht. Der Stoff, der in drei verschiedenen Fassungen niedergeschrieben wurde, behandelt das erste Zeitalter von Mittelerde lange vor dem letzten Kampf zwischen Gut und Böse aus dem Ringepos, fügt der mythischen Welt um Mittelerde jedoch keine neuen Aspekte hinzu.

Obwohl der Autor einer Visualisierung seiner Werke skeptisch gegenüberstand, verkaufte Tolkien 1968 die Film- und Merchandising-Rechte an Saul Zaentz. Der technisch innovativen filmischen Zeichentrickversion des ersten Teils der Romantrilogie, die unter dem Titel The Lord of the Rings (1978; Der Herr der Ringe) von Ralph Bakshi in Szene gesetzt wurde, war kein großer Erfolg beschieden, sorgte jedoch in den achtziger Jahren für eine weitere Popularisierung der Vorlage. Ein enormer Erfolg war die opulente Filmadaption The Lord of the Rings des neuseeländischen Regisseurs Peter Jackson, deren drei Teile unter den Titeln The Fellowship of the Ring (2001; Die Gefährten), The Two Towers (2002; Die zwei Türme) und The Return of the King (2003; Die Rückkehr des Königs) in die Kinos kamen. Namhafte Darsteller waren u. a. Ian McKellen als Gandalf, Cate Blanchett als Galadriel, Christopher Lee als Saruman und Liv Tyler als Arwen. Die Filmtrilogie strafft die Handlung, reduziert die mythologischen Muster und Nebenhandlungen, schafft aber unter Zuhilfenahme von Computeranimationen eine eindrucksvoll gelungene Gestaltung von Mittelerde und seiner Bewohner. Die Trilogie wurde mit insgesamt 16 Oscars prämiert, allein der dritte Teil erhielt elf der begehrten Trophäen.

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