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Windows Live® Suchergebnisse Umberto BoccioniEnzyklopädieartikel
Umberto Boccioni (1882-1916), italienischer Maler und Bildhauer. Er war Mitbegründer und einer der bedeutendsten Vertreter des Futurismus. Mit seinen Skulpturen wurde er zum Wegbereiter der abstrakten Plastik. Boccioni wurde am 19. Oktober 1882 in Reggio di Calabria geboren. 1898 ging er nach Rom, wo er an der Kunstakademie studierte. Dort lernte er Gino Severini kennen, der später gemeinsam mit Boccioni einer der Hauptvertreter des Futurismus wurde. Beide wurden von Giacomo Balla unterrichtet, der ebenfalls einer der führenden Futuristen war. 1902 reiste Boccioni nach Paris, wo er die Malerei des Impressionismus studierte. Es folgten Reisen nach Berlin, Sankt Petersburg, Padua und Venedig, bevor er sich 1904 in Mailand niederließ. Hier entstanden seine frühen, noch ganz dem Realismus des 19. Jahrhunderts verpflichteten Bilder wie sein Selbstporträt (1905), auf dem er sich schwarz gewandet mit Hut und strenger Miene darstellte, oder ein Porträt seiner Mutter (1906). Außerdem schuf er Landschaftsbilder im Stil des Divisionismus, einer neoimpressionistischen Stilrichtung, deren Vertreter Farbflächen in winzige Farbtupfer zerteilten, um eine intensivere Leuchtkraft zu erzeugen. In Mailand lernte Boccioni 1909 den italienischen Schriftsteller Filippo Tommaso Marinetti kennen, der im selben Jahr sein erstes futuristisches Manifest veröffentlicht hatte und damit zum Begründer dieser künstlerischen und politischen Bewegung wurde. Gemeinsam mit Carlo Carrà, Luigi Russolo, Giacomo Balla und Gino Severini schloss sich Boccioni der Forderung Marinettis nach einem radikalen Bruch mit allen Stil- und Denkformen der Vergangenheit an und verfasste 1910 mit ihnen zusammen zwei Manifeste: das Manifesto dei pittori futuristi (Manifest der futuristischen Maler) und das Manifesto tecnico della pittura futurista (Technisches Manifest der futuristischen Malerei). In beiden Schriften propagierten sie eine neue, antiakademische Ästhetik, die dem modernen, durch technischen Fortschritt geprägten Leben und seinem neuen Tempo Rechnung tragen sollte. In der Kunst sollte diese Huldigung der Moderne durch die Darstellung von Dynamik und Geschwindigkeit, von Bewegung und Licht ausgedrückt werden. Für die Malerei strebten die Künstler die simultane Darstellung verschiedener Ereignisse in einem Bild an. In seinen Bildern aus dieser Zeit wird der stilistische Wandel deutlich sichtbar. Die Stadt erhebt sich (1910) oder Unter der Pergola in Neapel (1910) sind farbintensive, fast gegenstandslose Bilder in der Technik des Divisionismus, die sich ganz auf die Verbildlichung von Dynamik konzentrieren und die realistische Darstellung von Figuren oder Landschaften in den Hintergrund rücken lassen. Hektik und Lärm im geschäftigen Treiben der modernen Großstädte werden in diesen Bildern sichtbar, und die kraftvolle, dynamische Technik Boccionis unterstreicht diese Wirkung noch. 1910 stellte Boccioni diese und weitere futuristische Gemälde in einer ersten eigenen Ausstellung in Venedig aus. Im darauf folgenden Jahr reiste er nach Paris, wo er Pablo Picasso, Guillaume Apollinaire und andere Vertreter des Kubismus kennen lernte. Gemälde wie Der Lärm der Straße dringt in das Haus (1911) zeigen mit ihren simultanen Perspektiven und der Zerlegung von Farbe und Form die Einflüsse dieser Künstler. Hauptthema seiner Bilder blieben Großstädte, ihre drangvolle Enge und lärmende Betriebsamkeit. 1912 beteiligte sich Boccioni an einer Ausstellung futuristischer Maler in Paris, die danach auch in London, Berlin und Brüssel gezeigt wurde, bei Publikum und Kritik aber weitgehend auf Ablehnung stieß. Ab 1912 wandte sich Boccioni der Plastik zu. Mit seiner Bronzearbeit Entwicklung einer Flasche im Raum (1912) übertrug er seine futuristischen Stilmittel von der Malerei auf die Plastik. Er irritierte die Betrachter seiner Skulptur, indem er ihnen Eigeninitiative abverlangte: Nur im Umschreiten des Kunstwerks setzen sich die Serpentinen und Schlaufen zur Flasche zusammen. Damit sprengte er die traditionelle Kunstauffassung seiner Zeit und bereitete stilistisch der abstrakten Plastik den Weg. 1913 konzipierte er seine berühmte Skulptur Urformen der Bewegung im Raum, von der er zahlreiche Fassungen anfertigte. Sie gilt heute als sein Hauptwerk und ist auf der Rückseite der italienischen 20-Cent-Münze abgebildet. In ihrer Kontur angelehnt an den Schreitenden Mann von Auguste Rodin (1900-1905) löste Boccioni die Figur in dynamische Einzelformen auf. Wie die Farbflächen in seinen Gemälden wird hier die kompakte Kontur aufgebrochen. Ihre in den Raum greifenden Elemente schaffen eine meisterhafte Verbindung von Skulptur und Umgebung. Boccionis Werke wurden in mehreren Ausstellungen in Paris und Rom gezeigt. Seine Kunstauffassung legte er in seinem Buch Pittura e scultura futuriste (1914; Futuristische Malerei und Plastik) nieder. Noch im selben Jahr meldete sich Boccioni freiwillig als Soldat im 1. Weltkrieg. Nach einer schweren Verwundung starb er am 16. August 1916 in Verona.
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