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LesothoEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Physische Geographie; Bevölkerung; Bildung und Kultur; Verwaltung und Politik; Wirtschaft; Geschichte
Die Ureinwohner des Gebiets sind die San (früher Buschmänner genannt). Im 18. Jahrhundert erreichten Basothogruppen das Land. Die Nation wurde von einem im 19. Jahrhundert herausragenden Führer Südafrikas, Moshoeshoe I., vereint. Während der Kriege (Mfecane), die Anfang des 19. Jahrhunderts Südafrika heimsuchten, sammelte Moshoeshoe I., seinerzeit einer von mehreren Sothohäuptlingen, das Sothovolk und errichtete 1824 auf dem Berg Thaba Bosiu sein Hauptquartier. Bis zu seinem Tod 1870 war Moshoeshoe I. unbestrittener Führer der Sotho und als oberster Herrscher waren er und seine Erben de facto Könige. Ab 1838 bekämpfte Moshoeshoe I. in zahlreichen heftigen Grenzzusammenstößen die vordringenden Buren. Obwohl er zu Anfang Erfolge verzeichnen konnte, gerieten die Sotho sehr bald in Schwierigkeiten, so dass die Briten auf Drängen Moshoeshoe I. dieses Königreich 1868 zum britischen Protektorat Basutoland machten. 1871 wurde Basutoland von den Briten aus finanziellen Gründen der Kapkolonie in Südafrika unterstellt. Die Sotho unter Moshoeshoe lehnten es ab, von weißen Kolonisten regiert zu werden. Nach kriegerischen Auseinandersetzungen übernahm Großbritannien 1884 wieder direkt die Macht. Die britische Regierung überließ die Sotho sich selbst, da sie überzeugt war, dass Basutoland letztendlich in Südafrika integriert würde, wie es der South African Act of Union (Südafrikanischer Unionsvertrag) von 1910 vorsah. Die Sothohäuptlinge lehnten dies jedoch ab, besonders als 1948 in Südafrika formell die Apartheid eingeführt wurde. Die Gründung der Basutoland (später Basotho) Congress Partei (BCP) 1952 markierte den Anfang moderner Parteipolitik in Lesotho. Die Briten wehrten die Gesuche Südafrikas, Lesotho zu übernehmen, ab, riefen zu Verhandlungen über die Verfassung auf und setzten einen gewählten gesetzgebenden Rat ein; 1960 gewann die Basutoland Congress Party (BCP) die Wahlen. Bei den Wahlen, die 1965 kurz vor der Unabhängigkeit abgehalten wurden, gewann die Basutoland National Party (BNP, 1958 gegründet) die Mehrheit, und ihr Führer, Häuptling Joseph Leabua Jonathan, wurde Premierminister. Am 4. Oktober 1966 wurde Basutoland unter dem Namen Lesotho in die Unabhängigkeit entlassen. Lesothos Herrscher mussten sich mit Südafrika arrangieren, von dem das Land völlig umschlossen ist. Jonathan, der die Apartheid ablehnte, setzte auf pragmatisches Handeln. Zunächst unterstützte ihn die südafrikanische Regierung. Nur der BNP war es erlaubt, in Südafrika bei den Arbeitern aus Sotho für die Partei zu werben. Als Lesotho seine Unabhängigkeit erlangt hatte, kehrte das Land zur Monarchie zurück, und der oberste Herrscher, Moshoeshoe II., wurde formell König. Dieser aber wollte mehr als nur die Rolle des Zeremonienmeisters – seinen Versuchen, seinen Machtbereich auszuweiten, wurde von Jonathan rigoros ein Ende gesetzt. Moshoeshoe durfte den Palast nicht mehr verlassen und musste schriftlich versichern, dass er abdanken würde, sofern er sich noch einmal politisch betätigen sollte. Im Januar 1970, nach den ersten allgemeinen Wahlen seit der Unabhängigkeit, musste die BNP Verluste hinnehmen, die Oppositionspartei BCP gewann. Daraufhin annullierte Jonathan die Wahlen und verhängte den Notstand. Die Führer der BCP und anderer Oppositionsparteien wurden verhaftet, alle Oppositionsparteien verboten, die Verfassung ausgesetzt und das Parlament aufgelöst. Jonathan regierte per Dekret bis 1973. Dann wurde eine Nationalversammlung für den Übergang eingesetzt, deren Mitglieder ernannt wurden. 1974 wagten erklärte Anhänger der BCP einen bewaffneten Aufstand. Nachdem dieser niedergeschlagen worden war, gingen die Führer der BCP ins Exil. Einige bildeten eine bewaffnete Splitterguppe, die Lesotho Liberation Army, die in den folgenden Jahren häufig mit der paramilitärischen Polizei zusammenstieß. Jonathan, dessen Beziehungen zu Südafrika rasch abgekühlt waren, beschuldigte die südafrikanische Regierung, den Rebellen Unterschlupf und Unterstützung zu gewähren. In den achtziger Jahren wurden die Beziehungen zu Südafrika noch gespannter, als Jonathan sich weigerte, Mitglieder des zu jener Zeit in Südafrika verbotenen African National Congress (ANC) auszuweisen, die in Lesotho um Asyl nachgesucht hatten. Im Dezember 1982 überquerten südafrikanische Truppen die Grenze, griffen Häuser in Maseru an, in denen sie ANC-Mitglieder vermuteten, und töteten dabei mehr als 40 Menschen. Bei einem zweiten Überfall 1985 gab es neun Opfer. 1986 wurde Jonathan durch einen unblutigen Putsch gestürzt. Exekutive und Legislative lagen nur formell bei König Moshoeshoe II., tatsächlich aber beim Militärrat unter Vorsitz von Generalmajor Justin Lekhanya. Nach einem Machtkampf mit dem Rat ging Moshoeshoe II. im März 1990 ins Exil. Sein ältester Sohn, Prinz Bereng Seeisa, wurde von den Häuptlingen zum Nachfolger gewählt und im November desselben Jahres als Letsie III. inthronisiert. Im April 1990 wurde Lekhanya vom Militärrat ausgeschlossen. Kurz darauf erklärte der Rat, dass im November 1992 Mehrparteienwahlen abgehalten werden sollten. Gleichzeitig wurde das Verbot politischer Aktivitäten, das seit 1986 in Kraft war, aufgehoben. Die Wahlen wurden jedoch erst im März 1993 abgehalten, die BCP ging als überwältigender Sieger hervor. Sie konnte alle 65 Sitze der Nationalversammlung einnehmen, Parteiführer Ntsu Mokhehle wurde Premierminister. Im August 1993 setzte Letsie III. die Verfassung außer Kraft, löste das Parlament auf und entließ die Regierung mit der Absicht, seinem Vater, Moshoeshoe II., wieder den Thron zu verschaffen. Im Monat darauf, nachdem Botswana, Südafrika und Simbabwe interveniert hatten, setzte Letsie III. die Regierung, die Verfassung und das Parlament nach der Bestätigung einer Vereinbarung wieder ein, die u. a. seine Abdankung zugunsten seines Vaters vorsah. Moshoeshoe II. kehrte Anfang 1995 nach Lesotho zurück. Nach der freiwilligen Abdankung von Letsie III., der sich mit der Rolle des Kronprinzen zufriedengab, nahm Moshoeshoe wieder seinen Platz auf dem Thron ein. Bei den Parlamentswahlen vom Mai 1998 erreichte der Lesotho Congress for Democracy (LCD) die absolute Mehrheit. Auf Wunsch des 1996 wieder inthronisierten Königs Letsie III. marschierten am 22. September 1998 Militäreinheiten aus der Republik Südafrika und Botswana in das Königreich Lesotho ein. Sie sollten die seit den Parlamentswahlen andauernden Unruhen beenden. Die Opposition des Landes hatte der Regierung Wahlbetrug vorgeworfen. Mit der Intervention wollte die Republik Südafrika die Stabilität in Lesotho wiederherstellen. Auch Südafrikas Präsident Nelson Mandela hatte den Einmarsch gerechtfertigt. Unter dem Schutz der Interventionsmacht einigten sich die politischen Konfliktparteien in Lesotho auf die Konstituierung eines so genannten Interimsrats, der mit der Vorbereitung von Neuwahlen beauftragt werden sollte. Im Mai 1999 verließen die Militäreinheiten aus der Republik Südafrika und Botswana das Königreich Lesotho. Bei den Wahlen zur Nationalversammlung im Mai 2002 erreichte der LCD erneut die absolute Mehrheit der Mandate.
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