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Filmgeschichte

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2.3

Die Gebrüder Lumière

In Europa wie den USA experimentierte man mit einer Technik der Filmvorführung, die für mehrere Betrachter gleichzeitig geeignet war und kombinierte dabei Techniken aus Edisons Kinetoskop mit denen der Laterna Magica. 1895 stellten die Brüder Louis und Auguste Lumière in Frankreich ihren cinématographe vor, eine Kombination aus Drucker, Kamera und Projektor. Die Lumières produzierten eine überaus erfolgreiche Kurzfilmreihe, in der das Phänomen der Bewegung an verschiedenen Beispielen demonstriert wurde. Man konnte Arbeiter sehen, die eine Fabrik verließen, Brandungswellen an der Küste und einen Gärtner beim Sprengen des Rasens. In einem ihrer effektvollsten Filme fuhr ein Postzug auf die Betrachter zu, die ängstlich zurückwichen. Im Edison Studio in den USA produzierte man aufwendigere und stark am Theater orientierte Filme. Dort traten Zirkusartisten, Tänzer und Bühnenschauspieler vor den Kameras auf. Zu der Zeit war die Filmausrüstung bereits standardisiert, und so konnten die Filme sofort weltweit vertrieben werden.

3

Einakter

1896 demonstrierte der französische Zauberer Georges Méliès, dass der Film das Leben nicht nur aufzeichnen, sondern auch interpretieren konnte. In einer Filmreihe erprobte er das erzählerische Potential des neuen Mediums. In einem Studio am Stadtrand von Paris stellte Méliès in zehn Teilen den Dreyfus-Prozess (1899) nach und verfilmte das Märchen Aschenputtel (1900) in 20 Szenen. Damit war der Einakter geboren. Von Bedeutung sind jedoch hauptsächlich seine phantastischen Filme wie Eine Reise zum Mond (1902), in dem er mit den Trickmöglichkeiten der Filmkamera spielte. Méliès fand heraus, dass er Gegenstände im Film verschwinden lassen konnte, wenn er die Kamera in der Mitte einer Einstellung anhielt und vor dem Weiterdrehen die Szene umstellte. Außerdem konnte man Doppelbelichtungen und Überblendungseffekte erzielen, wenn man den Film einige Meter zurückspulte und erst dann die nächste Aufnahme begann. Seine Kurzfilme waren sofort ein Publikumserfolg und wurden weltweit vorgeführt. Auch wenn man sie heute nur noch als Kuriositäten ansieht, waren sie doch wichtige Vorläufer der Techniken und Stilmittel einer Kunstform, die damals noch in den Kinderschuhen steckte.

Der dokumentarische Stil der Gebrüder Lumière und die am Theater orientierten Fiktionen Méliès’ verschmolzen in den realistischen Erzählfilmen des amerikanischen Erfinders Bedwin S. Porter, der oft der Vater des Erzählfilmes genannt wird. 1903 produzierte Porter im Edison Studio den ersten bedeutenden amerikanischen Film, The Great Train Robbery. Das achtminütige Werk hatte großen Einfluss auf die Entwicklung des Filmes, denn Porter schnitt zum ersten Mal Szenen zusammen, die zu verschiedenen Zeitpunkten und an verschiedenen Orten gedreht wurden. Er schuf dadurch eine durchgängige Erzählung mit einfachem Spannungsbogen, der in einer Verfolgungsjagd gipfelte. Damit hatte Porter den Schnitt erfunden, eine grundlegende Technik der Filmproduktion. Beim Filmschnitt werden einzelne Zelluloidstücke so zusammengesetzt, dass sie dem Zuschauer wechselnde Perspektiven und einen bestimmten Wahrnehmungsrhythmus aufzwingen, die eine suggestive Wirkung und starke Affekte hervorrufen.

Der überaus erfolgreiche The Great Train Robbery machte den Film zu einer Kunstform für die breite Masse. Überall in den USA schossen kleine Vorführhäuser, die „Nickelodeons”, aus dem Boden, und der Film entwickelte sich langsam zu einem eigenen Industriezweig. Die meisten Einakter dieser Zeit waren Kurzkomödien, Abenteuergeschichten oder verfilmte Theaterstücke mit seinerzeit beliebten Schauspielern.

4

Der Stummfilm

Zwischen 1909 und 1912 wurde der neu entstandene Industriezweig vollständig durch die „Motion Picture Patents Company” kontrolliert, einem Trust, zu dem sich führende Produzenten zusammengeschlossen hatten. Sie begrenzten die Filmlänge auf einen oder zwei Akte und weigerten sich, die Namen der Darsteller im Vor- oder Abspann zu erwähnen. Im Jahr 1912 bekam dieses Monopol jedoch Konkurrenz; unabhängige Produzenten gründeten in Europa und den USA ihre eigenen Produktions- und Vorführgesellschaften. Sie zeigten Spielfilme in voller Länge, wie Quo Vadis? (1912) aus Italien und Queen Elizabeth (1912) aus Frankreich, in dem die französische Theaterdiva Sarah Bernhardt die Titelrolle spielte.

Besonders das Beispiel Italiens, das 1912 mit über 700 Produktionen die am weitesten entwickelte Filmindustrie besaß, ließ die amerikanischen Produzenten aktiv werden. Sie forderten längere Filme, größere künstlerische Freiheit für die Regisseure und die namentliche Nennung der Darsteller, von denen einige immer mehr zu Publikumslieblingen wurden. Dies bescherte dem amerikanischen Film eine Periode großer wirtschaftlicher und künstlerischer Prosperität.

Der einflussreichste Filmemacher der frühen Stummfilmzeit war der amerikanische Produzent und Regisseur D. W. Griffith, der als erster eine spezifische Ästhetik des Filmes entwickelte. Griffith begann 1908 im Biograph-Studio in New York, die damaligen Stilelemente des Filmes zu verfeinern. Er konzentrierte seine Aufnahmen zu Beginn einer Drehphase immer auf die zentralen Punkte der Handlung und setzte als erster Regisseur die Großaufnahme als Stilmittel ein. Griffith baute sich sein eigenes Schauspielerensemble auf und bildete die Darsteller aus, zu denen auch zukünftige Stars wie Mary Pickford, Lionel Barrymore und Lillian Gish gehörten. Einzigartige Effekte erreichte er durch ausgiebiges Experimentieren mit Beleuchtung, Kameraeinstellungen und der Verwendung von Filtern auf der Linse. Seine Szenen unterteilte Griffith in verschiedene Aufnahmen. Durch ihre genau geplanten Längen wurde ein Spannungsbogen und eine Rhythmik aufgebaut, wie es sie nie zuvor im Film gegeben hatte. Griffith bewies, dass der Schnitt die Basis filmischer Ausdruckskraft darstellt und dass das Grundelement des Schnittes die einzelne Aufnahme ist und nicht die ganze Szene.

Griffith’ erster großer Film war Die Geburt einer Nation (1915), ein Zwölfakter über den Amerikanischen Bürgerkrieg. Mit diesem Meisterwerk wurde der Film in den USA endgültig zu einer eigenständigen Kunstform. Die Geburt einer Nation besitzt eine innere Spannung, die das Publikum im Sturm eroberte. Kampfszenen mischen sich in hervorragender Weise mit dem Pathos menschlichen Schicksals. Noch eindrucksvoller ist Griffith’ späterer Film Intolerance (1916), der noch heute zu den besten Filmen aller Zeiten gerechnet wird. In einem aufwendigen historischen Filmschauspiel werden vier Geschichten aus verschiedenen Epochen mit kühner und virtuoser Schnittführung gleichzeitig erzählt.

Zwischen 1915 und 1920 entstanden überall in den USA prunkvolle Filmpaläste. Die Filmindustrie zog allmählich aus dem Osten der USA nach Hollywood, wo unabhängige Produzenten wie Thomas Harper Ince, Cecil B. DeMille und Mack Sennett ihre eigenen Studios aufbauten. Ince führte das System der Produktionsteams ein, durch das die Filmproduktion dezentralisiert wurde. So konnten mehrere Filme gleichzeitig unter der Aufsicht von Teamleitern gedreht werden, die nur einem Studioleiter unterstellt waren. Die wachsende Nachfrage der Filmtheater führte zu Hunderten von Filmproduktionen im Jahr. Sie bestanden zum größten Teil aus Western, Slapstick-Komödien und stilvollen romantischen Melodramen wie de Milles Male and Female (1919) mit Gloria Swanson.

4.1

Die Stummfilmkomödie

Mack Sennett, der als König der Komödie bekannt wurde, brachte in einer Reihe abenteuerlich phantasievoller Filme mit den beliebten Keystone Kops den Slapstick auf die Leinwand. Sennetts Komödienstil, der Elemente des Varietés, des Zirkus, des Comicstrips und der Pantomime in sich vereinigte, war rundherum neu. Sennett war ein Meister des Timings und besaß die Gabe, eine kreative Atmosphäre für seine Schauspieler zu schaffen, darunter Fatty Arbuckle und ein britischer Komiker namens Charlie Chaplin.

Chaplin war ein genialer Komiker, der die Zuschauer in seinen Bann zog und jeden Film zum Kassenerfolg machen konnte. Er war der erste echte internationale Filmstar und schon zu Lebzeiten eine Legende. In der vom Publikum idolisierten Figur des „Tramp” (1915) kombinierte Chaplin in gekonnter Weise Komödie, Satire, Pathos und Menschlichkeit, ähnlich wie in Lachen verboten (1917), The Kid (1921) und Goldrausch (1925). Bis weit in die Zeit des Tonfilmes arbeitete Chaplin als Produzent, Regisseur und Darsteller in seinen eigenen Filmen, von denen besonders Der große Diktator (1940), Monsieur Verdoux (1947) und Limelight (1952) erfolgreich waren. Zusammen mit D. W. Griffith und den Stars Mary Pickford und Douglas Fairbanks gründete Chaplin 1919 die United Artists Corporation und leitete in den USA das Star-System ein sowie die goldene Zeit des Stummfilmes.

4.2

Der europäische Stummfilm

In Europa war die Entwicklung des Stummfilmes national völlig unterschiedlich. In England, Italien und Skandinavien ging aufgrund steigender Kosten und mangelnder Konkurrenzfähigkeit auf dem wachsenden Weltmarkt die Zahl der Filmproduktionen nach Ende des 1. Weltkrieges drastisch zurück. In Deutschland, der Sowjetunion und Frankreich erlangte der Film hingegen neue künstlerische Qualitäten, die nachhaltig die Entwicklung des Genres prägen sollten.

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